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Frühmorgens auf einem Parkplatz eines Burger-Restaurants wird ein Geldtransporter überfallen - die professionell auftretenden, maskierten Täter erschießen dabei die beiden Fahrer und liefern sich eine Schießerei mit den alarmierten Cops, sind dann jedoch ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Der überaus aufwendige Überfall (die Täter verloren auch einen Mann) auf einen noch dazu leeren(!) Geldtransporter ruft Detective Nick O’Brien (Gerard Butler) von der Abteilung Schwerverbrechen der L.A.P.D. auf den Plan. O’Brien, ein Stinkstiefel wie er im Buche steht, und seinem kleinen Team gelingt es nach Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskamera, zumindest einen der Täter ausfindig zu machen: den Barkeeper Donnie Wilson (O’Shea Jackson Jr.). Diesen läßt er brutal in eine Hotelsuite entführen, wo er ihn - zusammen mit seinem Team - mittels Drohungen zum Reden bringt. Doch Donnie, ausschließlich wegen seiner Rennfahrer-Künste von den Gangstern engagiert, ist nur ein kleines Licht im Team von Mastermind Ray Merrimen (Pablo Schreiber), also läßt ihn O’Brien wieder laufen, gibt aber dessen Anführer deutliche Hinweise darauf, daß er seinen Fahrer ausgequetscht hat. Daraufhin wird Donnie erneut in die Mangel genommen, diesmal von Merrimen, der ihn auf seine Loyalität hin überprüft, ihn aber im Team beläßt und sich somit auf das von O’Brien beabsichtigte Spielchen einläßt: Wissend, daß ihm die Cops auf der Spur sind, will er sein Ding mit dem leeren Geldtransporter trotzdem durchziehen...

Criminal Squad ist ein weiterer Heist-Movie, der sich story- und schnitttechnisch überdeutlich an Michael Manns Meisterwerk Heat orientiert, dessen Klasse aber nicht einmal ansatzweise erreicht. Dies liegt jedoch nicht an der tadellosen Kameraführung (mit einigen nächtlichen Heli-Perspektiven) oder den Effekten (wie beispielweise sehr laut ausgesteuerten Schuß- und Einschußgeräuschen), auch nicht am Drehbuch mit seinem raffinierten Plan der Gangster, sich mittels Abfallbox in den Besitz von 30 Millionen aussortierter Dollarscheine (ohne Seriennummern) zu bringen, sondern an den Darstellern, und hier ausschließlich an Gerard Butler: Der Filmcharakter, den der Schotte (Tomb Raider, Olympus has fallen) darstellt, ist mit der Bezeichnung impertinentes Arschloch fast noch schmeichelhaft umschrieben. Es ist wohl eher selten, daß man sich als Zuschauer schon nach wenigen Minuten Filmlaufzeit für die "Gegenseite" entscheidet (ohne diese zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon näher zu kennen), aber tatsächlich läßt einem Butlers Figur des völlig überdrehten Cholerikers O’Brien kaum eine andere Wahl: Für jeden seiner durch nichts gerechtfertigten rotzigen Sprüche und aggressiven Aktionen wünscht man ihm einen schnellen Abgang - wohl wissend, daß dies bei einem Hauptdarsteller wie Butler nicht passieren wird, leidet darunter mit zunehmender Dauer natürlich das Sehvergnügen.

Und wie sieht nun die angesprochene Gegenseite aus? Pablo Schreiber gibt seinem zwar einerseits diszipliniert trainierenden, tätowierten Bandenboss andererseits eine eher hart-aber-fair-Attitüde: Der wenig charismatische, dafür jedoch stets beherrschte Merrimen setzt viel mehr auf Cleverness denn auf Brutalität. Das erledigen seine Gang-Mitgliedern, zu denen u.a. der Rapper 50 Cent zählt, der hier mit stets verkniffenem Gesicht den harten Mann raushängen läßt (exemplarisch in der Szene, als seine Teenie-Tochter ihm ihren ersten Freund vorstellt und er diesem in der Kraftkammer die anderen finster dreinblickenden Gangmitglieder vorstellt), insgesamt jedoch hat  man auch bei dieser wenig vertrauenserweckenden Truppe nicht den Eindruck, daß sie gegen den Soziopathen O’Brien bestehen könnte. Und während dieser Donuts aus der Hand eines Toten futtert, seine Mitmenschen grundlos anstänkert, bei diversen Nutten abhängt, deswegen die Scheidungspapiere von seiner (für ihn viel zu gut aussehenden) Frau bekommt und - für einen besonders schleimscheißenden Drehbucheinfall - dann am Kindergartenzaun beim Anblick seiner kleinen Tochter herumjammert, zieht Merrimen seinen ausgeklügelten Plan des Bankraubs durch, der mit einigen kleineren Überraschungen das Publikum immerhin bei Laune hält.

So gesehen hätte sich Criminal Squad, dessen ambivalenter Titel sowohl für die Bankräuber wie auch für die Cops gelten mag und der am Ende noch mit einem netten kleinen Plot Twist aufwartet, eine Bewertung von mindestens 7 Punkten verdient, mit dem Kotzbrocken Butler jedoch fällt es schwer, an einigen Stellen nicht schon vorzeitig abzuschalten. Ein durchwachsenes Filmvergnügen, 4,6 Punkte.

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