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Die seit 2013 bestehende und damit noch recht junge Tradition, zu bestimmten Feiertagen einen Weimarer „Tatort“ um das Ermittlerduo Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) zu drehen und auszustrahlen, wurde am diesjährigen zweiten Weihnachtsfeiertag fortgesetzt: Wie seine vier Vorgänger ist auch „Der wüste Gobi“ eine Krimi-Komödie, bei der der Humor im Vordergrund steht. Nach einem Drehbuch von Murmel Clausen und Andreas Pflüger entstand unter der Regie Ed Herzogs ein in der forensischen Psychiatrie angesiedelter Fall: Der wegen Mordes an Frauen verurteilte Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili (Jürgen Vogel), genannt Gobi, bricht aus, hinterlässt eine erwürgte Krankenschwester und macht sich auf den Weg zu seiner Verlobten, der Harfenspielerin Mimi Kalkbrenner (Jeanette Hain). Derweil wird die Ehefrau des Professors Elmar Eisler (Ernst Stötzner), dem Chefarzt der Psychiatrie, der sich für Gobis Entlassung eingesetzt hatte, ermordet. Ob Gobi der Täter ist, ist zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt und Gegenstand der Untersuchungen Dorns, Lessings und des LKAs. Bekannt ist jedoch schon bald, dass Gobi sich in der Anstalt eine Art Harem hielt und einen Schlag beim weiblichen Personal weghatte, dem er regelmäßig Unterwäsche häkelte. Seine Mimi wiederum will davon, welch Casanova ihr Angebeteter ist und dass er ein wahnsinniger Mörder sein könnte, nichts wissen und hilft ihm auf seiner Flucht, die er bevorzugt durch die Kanalisation antritt. Dorn und Lessing, auch privat ein Paar, versuchen die kinderlose Freizeit zu nutzen, um sich endlich einmal wieder sexuell näherzukommen, leiden jedoch unter der defekten Heizung bei Minustemperaturen ebenso wie unter dem geistig minderbemittelten, penetranten Streifenpolizisten „Lupo“, sodass es beim bloßen Vorhaben bleibt.

Mittels mal mehr, mal weniger subtilem, jedoch nur selten krawalligem Humor, der auf seinen bizarren Fall ebenso setzt wie auf Sprachwitz, Situationskomik und Karikaturen des Polizeiapparats sowie psychiatrischer Anstalten, wird das Publikum ansprechend und kurzweilig unterhalten. Jürgen Vogel scheint einmal mehr in seiner Rolle voll aufzugehen, während das sympathische Ermittlerduo lange Zeit ungläubig zuschauen und sich mit zahlreichen Widrigkeiten wie verschwundenen Akten, einer alten Stasi-Geschichte etc. auseinandersetzen muss. Die sympathische, süß-schnippische Tschirner ist nach wie vor eine Augenweide; als Fan-Support zeigt sie sich in einer Szene in Unterwäsche, als selbstbewusste, lässige Kommissarin negiert sie jedes etwaige Girlie-Image. Ulmen kommt aus dem Komödiantischen, spielt seinen Lessing dafür zurückhaltend, um mit trockenem Humor und einer gewissen desillusionierten Abgeklärtheit zu punkten, die ihn in den richtigen Momenten ebenso wie seine Partnerin die richtigen Schlüsse ziehen lässt. Die stoische Miene beider bildet einen angenehmen Kontrast zum Humoranteil und unterstreicht, dass dieser keine Schenkelklopfer oder Chargierungen nötig hat. Figuren wie Kalkbrenner, Eisler & Co. wurden jeweils nur leicht überzeichnet; ihre Karikatur liegt in der Überbetonung nur weniger Eigenschaften, die sich dann auch erst nach und nach, dafür umso nachhaltiger zeigen und tatsächlich auch in dieser Groteske für so etwas wie Ratespaß und Spannung sorgen. Zudem macht man sich einen Jux daraus, ausgerechnet Jürgen Vogel, der wahrlich kein klassischer Beau ist, zum Womanizer zu erklären und spielt dadurch mit Schönheitsidealen und allem, was Männer über Frauen in Bezug auf Sexualpartnerwahl zu wissen glaubten.

Natürlich zündet nicht jeder Witz, hier und da wird dann doch zu dick aufgetragen und in ein starres Logik- oder Realismus-Gatter lässt sich diese Komödie schon gar nicht zwängen. Tonfall, Unaufgeregtheit und Ausrichtung sowie der „selbstkritische“ (in Anführungszeichen, weil der „Tatort“ natürlich nicht von wirklichen Gesetzeshütern hergestellt wird) Blick auf die Polizeiarbeit wissen aber zu gefallen und besiegeln einen „Tatort“, mit dem sich der Weihnachtswahnsinn prima ausklingen ließ.

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