Der siebte und vorletzte Fall des Saarbrücker Ermittlerduos Stellbrink (Devid Striesow) und Marx (Elisabeth Brück) wurde 2017 gedreht und war der erste ausgestrahlte „Tatort“ des Jahres 2018. Regisseur Christian Theede („Gonger - Das Böse vergisst nie“) debütierte damit in der ARD-Krimireihe, das Drehbuch stammt von Hendrik Hölzemann und David Ungureit.
Der zunächst nach einem Selbstmord aussehende Fall eines autonom fahrenden Autos, in dem Sebastian Feuerbach (Nikolai Kinski, „Rohtenburg“), der Justiziar des Saarbrücker IT-Unternehmens Conpac, ums Leben kommt, zwingt Stellbrink schließlich, sich mit Themen wie Big Data und Datenmissbrauch auseinanderzusetzen. Damit avanciert dieser „Tatort“ zu einer Lehrstunde für unbedarfte Zuschauer, denen die Brisanz dieses Themenbereichs bisher nicht bewusst war. Die Spur führt in die Hackerszene und so zählen zum Kreis der Verdächtigen neben Conpac-Chef Victor Rousseau (Steve Windolf, „Seitenwechsel“) die Hackerin Natascha (Julia Koschitz, „Shoppen“) und ihr „Loverboy“, der soziopathische Marco (Anton Spieker, „Von jetzt an kein Zurück“).
Insbesondere die Rolle Nataschas weiß aufgrund ihres ambivalenten Charakters zu überzeugen. Sexuell aufgeschlossen und die toughe Hackerin, die Stellbrink an der Nase herum- und vorführt, markierend, ist auch sie letztlich ein in Beziehungsfragen glückloser, verletzlicher, einsamer Mensch, der selbst is Lebensgefahr gerät. Nach Stieg Larssons Lisbeth Salander eine weitere Hackerin, die bereits durch ihr Geschlecht, doch auch weit darüber hinaus so gar nicht dem Klischee des fetten, ungewaschenen Computer-Nerds entspricht. Zu viel des Guten (ein häufiges Problem zeitgenössischerer „Tatorte“) ist ihre libidiöse Annäherung an den sich auf Freiersfüßen befindenden Stellbrink, stark vereinfach dargestellt wurden die Hackerangriffe (ein Foto im Chat einer Partnerbörse fungiert hier als Überträger von Schad-Software…) und der Lösungsvorschlag, den Stellbrink den Zuschauer anbietet, nämlich der komplette Technik-Rollback in Form eines Verzichts auf Smartphone & Co. ist ebenso billig wie er Quatsch ist.
Ansonsten bekommt man aber einen ziemlich unterhaltsamen, gut gemachten „Tatort“ geboten, den man offenbar passend zur Thematik besonders technisch aussehen lassen wollte und so immer wieder auf den netten Kameraeffekt setzt, Protagonisten durch technische Schnittstellen hindurch zu filmen – als nähme die Technik eine subjektive Sicht ein. Dies verstärkt den sicherlich gewünschten Eindruck, die Technik würde ein Eigenleben entwickeln und sich uns mitunter wesentlich genauer betrachten als wir sie. Stellbrink schultert diesen Fall beinahe allein, von einem klassischen Duo ist nicht viel übrig geblieben. Die (wenigen) komödiantischen Momente können andere besser und hätte man sich sparen können, um den modernen technisch kalten Neo-Noir-Effekt zu verstärken, der diesen „Tatort“ über seine für Datenschutz sensibilisierende Aussage hinaus sehenswert macht.