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Zeitgenössische Variante des früher kurzzeitig vorhandenen Männerkinos um Bosworth, Long, oder Cena, in denen mäßig begabte Mimen allein aufgrund ihrer Physis besetzt wurden und in ebenso mäßig finanziell ausgestattete Geschichten, mit einer erfrischenden Simplizität aber und viel Rabatz in der Inszenierung gesteckt worden sind. In den Neunzigern und wenige Jahre nach der Jahrtausendwende liefen solche Werke zuweilen auch noch auf der großen Leinwand, wenn auch schon vereinzelt und eher als Unikat und Fremdkörper gleichermaßen, wie als verirrtes Objekt und den eigentlichen Weg in die Videothek nur herauszögernd angesehen; heutzutage wurde das Angebot noch mehr reduziert und sind preislich überschaubare und dafür stringente Action-Arbeiten selbst mit (ehemaligen) Hollywood-Stars bloß noch für die Streamingdienste und selbst da sinkend in der Masse und der Qualität auch angelegt:

Die kanadische Provinz Neufundland und Labrador. Als der Forstarbeiter Joe Braven [ Jason Momoa ] während  seiner beschränkten Freizeit mit seinem zuletzt neurologisch auffälligen Vater Linden [ Stephen Lang ] in das Familienhäuschen draußen in der Wildnis fahren will, um dort ein klärendes Gespräch bezüglich dessen Gesundheitszustand und der Versorgung in der Zukunft zu führen, ahnt er noch nichts von dem Trubel, der beiden da (und der heimlich mitgefahrenen Tochter Charlotte) widerfährt. Die beiden Männer entdecken im Anbau des Schuppens einen mit Drogen prall gefüllte Tasche, die Joes Angestellter Weston [ Brendan Fletcher ] dort zusammen mit dem Kurier Hallett [ Zahn McClarnon ] versteckt hat, und dem kurz darauf mit seinen Mannen vor der Blockhütte stehenden Kassen [ Garret Dillahunt ] gehört. Dieser will nicht nur die Ware zurück, sondern auch die unfreiwilligen und dennoch unliebsamen Zeugen loswerden.

Der zuerst in den Philippinen veröffentliche Braven, der schon seine Marketingtätigkeit recht klein und so auch seine potentielle Kundschaft wohl eher für transparent und handlich zugleich ansieht, gehört zu den wenigen Angeboten für die Klientel, die den früheren Jahren zuweilen nachtrauert und mit den mehr die jüngere Generation ansprechenden Produktionen sowie dem dort auch einhergehenden Überschwang an Spezialeffekten und anderer Tricktechnik wenig anfangen kann und dessen Dominanz auch schon überdrüssig ist. In der Synopsis kompakt, mit einer einzigen ausgenutzten Szenerie (einer Art Datsche fern der Zivilisation und ohne Handynetz, und wo der Gebrauchsbau nur wenig Schutz und Deckung bietet und bald vom Kugelhagel durchlöchert und in alle Einzelteile zerlegt ist), einer begrifflichen Bedrohung und einem maskulin-sympathischen Helden sichtlich auf Schnörkellosigkeit und dafür ordentlich bodenständigen, in jeder Hinsicht überschaubaren Krawall und rabiate Auseinandersetzungen der möglichst guten alten Schule angelegt, sollte der Titel problemlos seine Konsumenten finden. Verhalten positive Wortmeldungen vom Security im zapfigen Wind River - Setting, vom Enemies Closer im Schnee schaden ebenso wenig wie die Einsamkeit im Terrain und einige vorhandene semipromimente Darsteller, die den Erwartungen von einsilbiger Kraftmeierei vollends entsprechen und heutzutage fast das Maß aller Dinge damit allein schon sind.

Gesetzt passend zur Jahreszeit, dem verspäteten Kälteeinbruch und der allgemein niederen Temperaturen wird auch hier hauptsächlich die winterliche Landschaft ins Szene gesetzt, die weiße Umgebung bis zum Horizont, abgeschnitten von einem blauen Himmel, wobei sich der Mensch angesichts der frostigen Klirre eher weniger wohl fühlt; aber das bald nicht sein einziges Problem und fleißig Aufwärmübungen und Aufräumarbeiten mit dem Gegenüber das Mittel der Wahl zur Lösung ist. Nachdem man kurz die Idylle von Flora und Fauna eingefangen hat, und auch die Familie scheinbar die heile Welt, mit vielerlei "I love you" noch gleich zu Beginn und auch zwischendurch wie zur Bestätigung ist, werden schon die ersten Risse in der Perfektion angebrochen, ist nicht immer alles nach außen hin so friedlich und weiß, sondern auch mit Grautönen und Differenzen gespickt.

Eine kleine emotionale Fallhöhe durch die Krankheit des Vaters sorgt für ausreichend Identifikation mit ihm und den nahestehenden Übrigen, außerdem ahnt man schon auf den ersten Blick, dass Fahrer Weston nicht koscher ist und noch mächtig viel Ärger ins Hause bringt. Da hilft auch das nächtliche Holzhacken zum Ablenken und Abreagieren nur ein wenig, und auch nicht dass eigentlich Weihnachten und damit das Fest der Liebe und Besinnlichkeit ganz nah vor der Türe steht; ein kurzer Augenblick des Innehaltens vielleicht noch, bevor es an das Eingemachte geht. Im Aufbau eher ruhig, wird die später im Mittelpunkt stehende Belagerung nicht vor Ablauf des ersten Drittel installiert, dann aber mit Tempo und ohne weitere Umwege vorangetrieben und auf beiden Seiten nach den Aufwärmübungen schnell und ohne weiteren Firlefanz auf Konfrontationskurs programmiert.

Das folgende Treiben als Actionthriller mit auch Wert auf Spannungsspitzen, einem Katz- und Mausspiel und vielerorts und vielerlei Positionswechsel wie auf einem Schachbrett ist erfreulich klein und realistisch gehalten, d.h. weder wird großartig auf unglaubwürdiges Verhalten noch übermenschliche Kräfte der Eingeschlossenen gesetzt, auch der hünenhafte und robuste Braven muss reichlich einstecken und hat nicht nur im Zweikampf reichlich Mühe mit dem jeweiligen Kombattanten, der je nach Situation auf ihn angesetzt ist. Manchmal hilft die rohe Gewalt, das Handwerkszeug vom Tau und der Axt, der glühenden Kohlenzange, dem hochprozentigen Selbstgebrannten zur Herstellung eines Molotovcocktails oder die Nutzung der guten alten Bärenfalle, manchmal hilft auch nur der Sprung durchs Fenster, die Flucht oder die rettende Idee in der Not, die den starken Kontrahenten über den Abhang befördert und für ein abruptes Lebensende ausreichend ist. Und dass die lokale Polizei ausnahmsweise auch nicht ganz so blöd und träg und nicht erst beim Abspann vor Ort ist, und die ganze Sippschaft Braven, darunter auch die später herbeieilende Mutter, im Umgang mit dem Gewehr, Pfeil und Bogen und der Armbrust geübt und gute Zielkünste mit entsprechend hohen Trefferquoten aufweist, schadet gegen die schwerbewaffnete Übermacht auch sicher nicht.

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