Noch kurz vor der 'Rückkehr' von Bruce Willis ins Kino und dies mit dem (um mehrere Monate nach hinten aufgeschobenen) Remake von Death Wish auch seit längerem zumindest etwas Aufmerksamkeit erregend, erscheint mit Acts of Violence einer der mittlerweile vielen Vertreter der sogenannten zweiten Karriere vom (ehemaligen) Hollywood Filmstar, der zwar weiterhin den global bekannten Namen besitzt, den ehedem guten Ruf allerdings nicht bzw. dieser in den letzten Jahren ramponiert wurde und so deutlich angekratzt ist. Ursächlich war dafür die gerne als "Faulheit", "Unlust" oder auch "Geldmacherei" titulierte 'Unart', sich für nur wenige Minuten in besseren B-Pictures aufzuhalten und dort auch nur wenig Spiellaune und gemeinhin auch wenig Drehzeit, dies allerdings gegen weiterhin Millionenbeträge als Entlohnung dafür zu investieren. Ein Investment, dass den Produzenten um Emmett/Furla/Oasis Films (EFO Films) zwar eindeutig Freude machen muss, kann man doch das entsprechende Produkt trotz Qualitätsmängel von vornherein weltweit verkaufen und entsprechende Rendite einbringen, und auch den angeheuerten, die Nachfrage und Rentabilität ausnutzenden Darsteller sicherlich nicht schmerzt, allerdings vom Publikum wenig begeistert nur aufgenommen wird und allgemein als verpönt angesehen ist:
Cleveland. Die Gegend ist von der Drogenseite her fest in den Händen von Max Livingstone [ Mike Epps ], der u.a. seine zwei Handlanger Vince [ Sean Brosnan ] und Frank [ Rotimi ] zum Anködern und Anfixen von neuen Kunden nutzt, und wenn diese junge Frauen sind, dann süchtig geworden auch zur Prostitution und unter Androhung von Gewalt auf die Straßen schickt. Eines Tages entführen die Beiden mit der gerade ihre bevorstehende Hochzeit feiernde 23jährige Mia [ Melissa Bolona ], die die in ihren Augen schmierigen Männer während der Anmachversuche abgelehnt und somit brüskiert hat. Mias baldiger Ehemann Roman [ Ashton Holmes ], der schnell Wind vom Verschwinden seiner langjährigen Verlobten bekommt, informiert seine beiden Brüder Brendan [ Shawn Ashmore ] und Deklan [ Cole Hauser ], die beide auch privat mit Waffen ausgestattet und beide gestandene Armeeveteranen sind. Vor allem Deklan, der nach den Erfahrungen im Einsatz zwei geschiedene Ehen und einen gescheiterten Wiedereinstieg in die Gesellschaft hat, treibt die Mannschaft und die Rettung an, wobei er bald mit dem ermittelnden Polizisten Detective James Avery [ Bruce Willis ] und seiner Partnerin Detective Brooke Baker [ Sophia Bush ] aneinander gerät, die sowieso auf den Spuren von Max sind und Selbstjustiz nicht tolerieren.
Willis, der mit diesen in der Anzahl stetig wachsenden Klein- und Kurzauftritten seinen Broterwerb bestreitet und sein Dasein am Fristen ist, hat dem Zuschauer mit den zuletzt veröffentlichten Marauders und First Kill wenigstens die leicht gehobene Unterhaltung (durch anwesende weitere Darsteller, eine nicht gänzlich uninteressante Synopsis und die Regie von Stephen H. Miller geboten) und ist auch weiterhin mit dem kommenden Reprisal (unter Regie von Vice-Regisseur und Namensvetter Brian A. Miller) der prominente Genosse in diesem zahlreich umkämpften Direct to Video bzw. Streaming - Geschäft. Vorliegend wird ohne großartig Nonsensschmonzenz abermals das Genre des Actionthrillers, international demnach allgemeingültig und Jedermann ansprechend bedient, ein Mid-Budget Vertreter mit provinziellen Wurzeln, einer Handvoll überschaubarer Schießereien mit etwas Blut und der 08/15 Geschicht'.
Dieselbes Prozedere geht man hier schon mit der Prämisse, die im Grunde als eine Art Taken meets Four Brothers, nur von verschiedenen Seiten betrachtet und mit mehr Figuren als dem einen Einzelgänger dort und mehr als der alleinigen Rachegeschichte belegt ist. Entsprechend dessen ist auch mehr Vorlauf für den vor allem bleihaltigen Kleinkrieg auf den Straßen nötig, ein verlängertes Vorspiel bis zum eigentlichen und aufgrund der Involviertheit der Personen auch speziellen Verbrechen, dessen Umstände man in der halben Stunde bis dato schon in diversen Andeutungen und somit allgemein gesehen hat. Ein ausgebrannter Cop mitsamt einer jungen Kollegin auf der verzweifelten, aber auch aussichtslos scheinenden Jagd nach Kriminellen, die stetig wachsen und stetig wachsende Zahl von Opfer nach sich ziehen. Zwei Kleinkriminelle, die als Handlanger für einen Gangsterboss fungieren und das mit Drogen gefügig gemachte "Material" heranschaffen, welches für den Nachschub an Gewalt-Prostitution nötig ist. Eine noch junge Familie bestehend aus zwei Brüdern, die beide entweder schon verheiratet sind oder kurz davor stehen, und wovon eine der Frauen in das Visier und die Fänge der Gauner gerät, sowie noch ein dritter, ein älterer Bruder, der die Kriegswirren nicht ganz verwunden hat, insgesamt recht reizbar ist und in der Gelegenheit passend auf Selbstjustiz drängt.
Dabei ist diese alle Perspektiven eröffnende, die Figuren dort in der Vielzahl an Erzählweisen natürlich nur oberflächlich betrachtende und auch so umrandende Charakterisierung durchaus geeignet, ein gewisses Interesse zu erwecken; unabhängig von einem Prolog, der die Beteiligten um die drei Brüder und ihre späteren Lebensgefährtinnen auch schon einmal als Kinder zeigt und dort quasi das Omen für Späteres aufdrückt. Eine Art Idylle ist hier jedenfalls nie zu vermelden, zumal daraufhin auch gleich die "Afghanistan"-Bilder folgen und die Person des traumatisierten und innerlich brodelnden und mit einem beeindruckenden Waffenarsenal ausstaffierten Deklan nicht nur wegen der Besetzung mit Cole Hauser (der ein wenig aufgedunsen bzw. etwas aus dem Leim gehend mittlerweile schon an den Vater Wings, das Urgestein des B-Picture erinnert, was allerdings nicht per se das Schlechteste ist, zumal er darstellerisch besser agiert) sichtlich eine von den zwei Bezugspunkten in der violenten Milieu- und Vigilantestudie über diese Guerillamiliz ist.
Der Zweite im Fokus ist natürlich Willis, der eingangs gar in den Kampf mit einem Drogendealer auf einem Häuserdach und vorher auch aktiv in eine Razzia geht; keine richtigen Actionszenen mit Spektakel und Adrenalin gespickt, aber immerhin in Bewegung und auch folgend hier und da ein wenig mit Ansage und Vollzug in seinen etwa ein Dutzend Szenen, darunter auch dem finalen Todesschuss involviert. Richtige Schauwerte geboten bekommt man allerdings in der (überaus soliden, nur sich doch ein wenig kleinpreisig zurücknehmenden) Inszenierung nicht, wird mit Cleveland, Ohio am Ufer des Eriesees als Schauplatz auch keine richtige Metropole und dann von dort auch nur die schäbigsten Ecken, die verranzten Einfamilienhäuser in den Vororten, die Suppenküchen, die Frauenheime und die dreckigen Strassen drumherum, und das selbst bei Nacht deutlich sichtbar eher hübsch-hässlich gehalten und vielmehr abschreckend als einladend ist.