Review

Alibi-Aufguss 


Ende der 2010er, als der Haizug fast schon abgefahren scheinen mag, kommt Warner auch endlich (?) mal auf den Trichter, aus dem Hype und den allesverzehrenden Fans Kapital zu schlagen. Und wie ginge das bitte besser, als einen ihrer Hai-Bestseller wieder zu beleben, aus „Deep Blue Sea“, fast zwanzig Jahre nach dessen Erscheinen, ein Franchise zu machen. Doch kann die späte Fortsetzung was? War diese notwendig? Oder hat man hier ein herausragendes, recht gut gealtertes und noch immer beliebtes Original einfach nur nochmal mit einem soften Reboot wiederholt, aufgewärmt, kopiert? Die Handlung klingt schonmal erschreckend ähnlich: einige Spezialisten im Gebiet der Haie werden in eine geheime Unterwasserforschungsstation gerufen, wo an Haien IQ-steigernde Experimente durchgeführt werden. Und natürlich geht das nicht allzu lange gut, bahnen sich die ohnehin schon schlauen Killer baldigst ihre Wege durch überflutete Labore und Korridore...

„Deep Blue Sea 2“ fängt gar nicht mal schlecht an: das Warner Logo wummert schön rein, man merkt sofort, dass das Budget doch deutlich über Asylum-Niveau gelegen haben muss (oder damit zumindest besser umgegangen wurde), die Introszene ist spaßig und man erwartet dann (wenn man vorher über den Film nichts gewusst hätte) eigentlich keine totale Gurke. Leider ist dem dann aber doch so, denn der Rest des Films ist eigentlich nochmal „Deep Blue Sea“ - nur in schlechter, billiger, flacher, lahmer. Sucht euch negative Adjektive aus - die meisten werden auf diese unnötige Kopie eines Semi-Klassikers oder zumindest sehr spaßigen Creature Features passen. 

In „Deep Blue Sea 2“ gibt es keinen LL Cool J, keinen Thomas Jane und keinen Samuel L. Jackson, der legendär gefressenen wird. Es gibt keine handgemachten, echten Haie, keine sympathischen Figuren und kaum echte Spannung. Es gibt wenig Räume und Sets, es gibt kaum echte Action, keinen pushenden Score und es gibt (mit den piranha-artigen Baby-Haien) nur eine echte neue Idee. Dafür gibt es blasse Charaktere, hohle Dialoge und gefühlt ein und denselben Korridor, der mit einem Philips-Farblicht mal in blau, rot, gelb oder grün „erstrahlt“. Ziemlich jämmerlich. Es gibt einige Logiklöcher, es gibt eine IQ-steigernde Droge, die auch genommen wird - die aber scheinbar absolut nichts bei Menschen ausmacht. Vergebene Chance. Es gibt einige solide Haieffekte, aber auch ein paar grottige. Es gibt ein voraussehbares Ende, ach, was sag ich, eher voraussehbare 90 Minuten. Insgesamt ist das alles sehr wenig und nur im Vergleich zu vielen Asylum-Produktionen noch nett. Aber selbst die haben oft mehr Augenzwinkern und Spaß auf der Pfanne. „Deep Blue Sea 2“ ist in vielerlei Hinsicht einfach schamlos unnötig und schlecht. 

Fazit: „Deep Blue Sea 2“ ist ein durch und durch schwacher Mehr-oder-weniger-Klon seines „Vorgängers“ und Vorbilds. Er ist absolut überflüssig. Ein Cash-In der dreisteren Sorte. Lieber nochmal das Original gucken! 

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