Review

Als Independentfilmer Michael Effenberger vor zehn Jahren mit dem soliden „Tortura“ debütierte, waren Hoffnungen auf einen fähigen Regisseur in Sachen Horror nicht unbegründet. Leider folgten einige Gurken wie „Seekers“ oder „Infekt“ und auch die sehr freie Interpretation von Carrolls „Alice im Wunderland“ tendiert in eine solche Richtung.

Studentin Alice (Carolina Hoffmann) ist Waise, Außenseiterin und wohnt bei ihrem Großvater (Helmut Krauss). Umso überraschter ist sie, eines Tages eine Einladung zu einer nächtlichen Party zu erhalten. Doch die Partygäste entpuppen sich als Mitglieder eines ominösen Zirkels, die kaum feierliche Absichten hegen…

Macht der Einstieg noch Lust auf mehr (Der Klassiker: Eine Frau vor zwei Angreifern auf der Flucht), gesellen sich alsbald schwache Nebendarsteller und hölzerne, teils realitätsferne Dialoge dazu. Vor lauter Nichtigkeiten kommt die Geschichte kaum in Gang, lediglich ein, zwei Alptraumsequenzen reißen für einen Moment aus der Lethargie, wobei Verkleidungen in Form von Katze und Kaninchen kleine Reminiszenzen liefern.

Als Alice schließlich auf dem Burggelände eintrifft, verstrahlen die Räumlichkeiten und die verkleideten Figuren zwar einen leicht surrealen Touch mit S/M-Note, doch auch hier will sich keine Spannung einstellen, da es viel zu spät zu kleinen Konfrontationen kommt und überhaupt so etwas wie Bewegung im Spiel ist. Dabei erscheint die Motivation der bösen Wichte ein wenig aus der Luft gegriffen, doch zumindest ist der Ausgang konsequent.

Das Mitwirken vier namhafter Mimen bewirkt dabei nur wenig. Einzig überzeugend performt Sven Martinek als dubioser Helfer, während Anouschka Renzi dem Overacting verfällt, Claude-Oliver Rudolph kurz vorm Einschlafen scheint und Helmut Krauss als Opa eher Mitleid erzeugt, weil ihm das Drehbuch so gnadenlos allein lässt. Bei Carolina Hoffmann ist indes noch sehr viel Luft nach oben, denn die latente Unsicherheit ist ihr in nahezu jeder Szene anzumerken.

Ansonsten gibt es ein paar gelungene Luftaufnahmen, demgegenüber einige viel zu schwach ausgeleuchtete Szenen bei Nacht, wenige, jedoch ordentlich gestaltete Gewalteinlagen wie Kopfschüsse, Kehlenschnitt und Messer im Kiefer und einen passablen Score mit kurzen mittelalterlichen Einlagen.
Wobei: Wenn jemand auf einer Klampfe spielt, sollte er zumindest ein wenig die Finger seiner linken Hand bewegen.

Dass Effenberger solide Kost abliefern kann, hat er beispielsweise mit „Survival“ bewiesen, doch die düstersten Stunden von Alice scheitern primär an ausbleibender Spannung, einer durchwachsenen Atmosphäre und einem schwachen Timing.
98 Minuten für die Katz und das Kaninchen…
3 von 10

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