Review

kurz angerissen*

Ein hoffnungslos naives, gleichwohl angenehm von sämtlichen Herr-der-Ringe-Trends befreites Fantasy-Märchen aus dem tiefen Norwegen, das im Grunde nur durch seine gelegentlich eingesetzten Computereffekte dem aktuellen Jahrzehnt zuzuordnen ist. Einflüsse aus der germanischen und kaukasischen Folklore spiegeln sich in der Berglandschaft, die allerhand naturverbundene Kreaturen über ihre bemoosten Wanderflächen kreuchen lässt, während der leicht einfältige, aber gutherzige Titelheld eine Reise quasi "wie aus dem Märchenbuch" antritt, oder vielleicht auch wie aus "Donkey Kong": Es gilt schließlich, einen riesigen Rabauken aufzuspüren und die Prinzessin aus seinen Klauen zu befreien.

Gefilmt ist das Ganze in ansteckenden Signalfarben; die Bäume ertränken das Bild mit Chlorophyll, wie man es seit "Troll 2" nicht mehr gesehen hat. Der Himmel strahlt so kräftig, wie Dorothy ihn über dem Königreich Oz empfunden haben muss. Eine bewusst von naturalistischen Vorgaben abweichende Designentscheidung, mit der sich die Fantasy wieder in ein Wunderland verwandelt, das arm an Parallelismen zur Realität ist und dafür um so reicher an Ausdruck. Der verwunschene Wald, den Espen durchkreuzt, ist dabei gefüllt mit unverhofften Überraschungen, die das Drehbuch in autonome Einzelepisoden aufgliedert. Der Protagonist rennt mit dem Kopf durch die Wand wie einst Atreju in der "Unendlichen Geschichte", um ziemlich verrückte Dinge zu erleben, die sich in der Regel hinter unauffällig platzierten Brotkrumen verstecken - einem Korb voller goldener Äpfel beispielsweise, der die hungrigen Wanderer betört und einen Klassiker nach sich zieht, die nymphenhafte Verlockung schöner Frauen, hinter denen sich hässliche Kreaturen verbergen.

Ob die sklavische Einhaltung alter Märchentraditionen heute noch zieht, ist die andere Frage, zumal die vollkommene Illusion einer fremden Welt zumindest durch die Computereffekte verfehlt wird - man hätte hier vielleicht auch einfach mal wieder auf animatronische Effekte setzen können (wenn Straßenumzüge überdimensionale Pappfiguren zusammengebastelt bekommen, sollte das für eine Filmproduktion eigentlich auch keine unergründliche Kunst sein). Einen wahrhaftigen Märchenfilm ohne postmoderne Wendungen wie toughe Action-Prinzessinnen oder sprechende Esel allerdings hat man schon viele Jahre nicht gesehen - dafür gibt's einen Sonderbonus.

*weitere Informationen: siehe Profil

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