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Tag der offenen Fragen

Das Konzept eines "Open House" ist, wie unser etwas blasser Protagonist ebenfalls in Richtung seiner Mutter bemerkt, ein seltsames, gefährliches und gruseliges. Denn man weiß nie, wer in das zu besichtigende Haus tritt, warum und ob diese Person wirklich raus ist. Und dieser Gedanke, zusammen mit dem Klassiker, dass das Böse weder Gesicht noch Grund braucht, machen den neuen Netflix-Grusler grundsätzlich für Fans des Genres sehenswert. Leider macht die Geschichte über einen ungebetenen Gast ansonsten fast alles falsch, sodass man seine zögerliche Empfehlung gerne nochmal überdenkt. Vor allem nach einem übel verkorksten Ende, ohne jegliche Klärung oder Befriedigung. "The Open House" ist sicher nicht die Obergurke zu dem ihn manche machen, doch den beim Abspann aufkommenden Frust kann man durchaus verstehen. 

Zwischendurch kommen ein paar "Babadook"- oder "Get Out"-Vibes auf, auch an den starken spanischen Creeper "Sleep Tight" werden Erinnerungen wach. Nur leider spielt dieses offene Haus insgesamt nicht annähernd auf deren Niveau. Handwerklich fein, durchaus kompetent und spannend inszeniert, zudem zumindest bemüht gespielt. Den "Don't Breathe"- und "13 Reasons Why"-Star sehe ich gerne. Was "The Open House" allerdings dermaßen dumm und leer und unverständlich macht, ist das Script an sich. Und bei einem so faszinierend schlechten Script, können selbst ein guter Regisseur und starke Darsteller wenig retten. Die Figuren verhalten sich äußerst fragwürdig und unrealistisch, es gibt an jeder Ecke lose Enden und Vieles wird schlicht zum Selbstzweck entfremdet. Was ist mit dem versperrten Gang im Keller? Wofür Nebenstories wie die des Laufhobbies oder sogar des verunglückten Vaters? Wird sich wahrhaftig nur auf gruselige Art über die verwirrte Nachbarin lustig gemacht? Und warum zum Teufel verlässt man nicht viel früher das Haus oder redet zumindest über die seltsamen Vorkommnisse? Danach setzt das eiskalt abgeschnittene und in der Luft hängende Finale nur noch den Gnadenschuss. 

Fazit: eine wirklich creepy Ausgangslage, ordentliche Darsteller und ein paar atmosphärische Grusler... werden durch dumme Figuren, unnötige Nebelkerzen und eine frustrierende "Auflösung" unterwandert. Oft macht es sich "Open House" viel zu einfach und unterschätzt Intelligenz und Aufmerksamkeit seiner Zuschauer. Ärgerlich!

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