Autofahrer kennen die Misere: Früher gab es Seitenfenster zum Kurbeln, manche erinnern sich vielleicht sogar noch an die Betätigung der Starterklappe, - wenig Elektronik, doch die Werkstätten kamen klar. Heutzutage ist es umgekehrt, denn trotz vieler Annehmlichkeiten wie Fahrspurassistent oder Einparkhilfe gestaltet sich die Fehlersuche im Falle einer Reparatur oft als schwierig. Und dann gibt es ja noch das eCall-Notrufsystem, mit dem der vorliegende Streifen nach wahrscheinlich zwanzig Minuten beendet wäre.
Jess und Caroline wollen ein Festival besuchen, doch ihre Mitfahrgelegenheit sagt kurzfristig ab und man entscheidet sich zu trampen. Nachdem Jess fast von ihnen überfahren worden wäre, kommen sie bei Fred und Thomas unter. Nach einer Unaufmerksamkeit überschlägt sich der Wagen auf regennasser Fahrbahn und landet kopfüber in einer Schlucht…
Die Ausgangssituation ist dieselbe wie in „Wreckred“, als Adrian Brody mit Erinnerungslücken im Unfallfahrzeug erwachte. Bis zum Titelgebenden vergeht nicht allzu viel Zeit, welche Autor und Regisseur Dan Tondowski dazu nutzt, die beiden Damen halbnackt im Sanitärbereich einer Tanke abzulichten, denn später bietet sich hierfür keine passende Gelegenheit.
Der Unfall selbst ist trotz des überschaubaren Budgets recht stylisch in Zeitlupe in Szene gesetzt, allerdings nur aus dem Fahrzeuginnern, während Überschlag und Landung nicht zu sehen sind. Ohnehin ist die Kamera oftmals nah bei den Figuren, die sich leider einige Male ausgesprochen dämlich verhalten, während das teils unausgegorene Drehbuch den Rest besorgt. So bleibt eine Wodkaflasche nach mehrmaligem Überschlag unversehrt, allerdings scheint es unmöglich, ein bereits faustgroßes Loch in der Windschutzscheibe zu erweitern. Zudem wundert es, dass jemand nach Bruch eines Knochens in Fuß oder Bein problemlos auf beiden Beinen stehen kann. Über einen kurzen Schusswechsel (!) zum Finale soll erst gar nicht näher gespoilert werden.
Immerhin fallen die Dialoge einigermaßen glaubwürdig aus, die Synchro ist solide und auch darstellerisch gibt es keinen Grund zur Klage, was bei der Veranschaulichung einer prekären Situation in Sachen Überlebenskampf ja nicht ganz unerheblich ist. Dagegen flacht der Score ein wenig ab und bleibt zu sehr im Hintergrund, speziell zum Showdown geht er nahezu völlig unter.
Allzu viel lässt sich aus einer derart simplen Prämisse nicht herausholen, doch Tondowski beweist ein gutes Gespür fürs Timing, was die Angelegenheit immer mal wieder spannend gestaltet und Klaustrophobikern nicht unbedingt entgegenkommt.
Zwischen gegenseitigen Schuldzuweisungen, direkten Anspielungen auf die Reihe „Final Destination“, bis hin zum fast schon obligatorischen Erreichen des außerhalb befindlichen Handys ist innerhalb der 92 Minuten Laufzeit genügend los, um über diverse Unzulänglichkeiten in Sachen Logik und Rationalität hinwegzutäuschen.
Knapp
6 von 10