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Accident ist ein Film, der einen potenziell interessanten Plot, gute Kameraeinstellungen und für einen B-Film teilweise recht brauchbare Schauspielerleistungen bei den Hauptfiguren durch krasse Logiklöcher, physikalische Ungereimtheiten und schwachsinnig anmutende Handlungen mancher Protagonisten leider leichtfertig verschenkt.

Accident ist als Symbiose zweier klassischer, gut bekannter und konventioneller Thrillerformate angelegt. Der "Protagonisten wählen nicht die sichere Option und bringen sich dadurch selbst in Schwierigkeiten"-Plot wird nämlich mit dem "Oh Gott, Killer verfolgen uns"-Plot kombiniert.

Die junge Caroline, welche mit ihrer Freundin Jess ein Festival besuchen will, belügt ihre mehr als fürsorgliche Mutter und lässt auch Jess darüber im Unklaren, dass sie gar keine Fahrkarten für die geplante (sichere) Busreise zu einem Festival erstanden hat. Da die anvisierte Mitfahrgelegenheit aber ausfällt, sind die beiden Freundinnen aufs Trampen angewiesen und das Unglück nimmt seinen Lauf.......

Dabei entpuppen sich die beiden jungen Männer, zu denen Jess und Caroline schließlich ins Auto steigen keinesfalls als brutale Psychopathen, dennoch scheint mit ihnen irgendetwas nicht zu stimmen. Insbesondere der den Sportwagen steuernde Thomas verhält sich merkwürdig distanziert, während sich Jess und der recht sympathische Fred auf dem Rücksitz schon bald etwas zu nahe kommen. Der sich darüber beinahe zwangsläufig entwickelnde Streit führt auf abgelegener Landstraße zu jenem dem Film seinen Namen gebenden Unfall, an welchem auch ein dort abgestelltes anderes Fahrzeug beteiligt ist.

Die Insassen finden sich daraufhin entweder im auf dem Dach liegenden Auto wieder (Thomas, Jess und Caroline) oder herausgeschleudert irgendwo daneben (Fred). Während Thomas und Jess weitgehend mit dem Schrecken davonkommen, sind Fred und Caroline schwer verletzt bzw. eingeklemmt.

Die Zuschauer und nun auch Jess und Caroline sind über Rückblenden, Andeutungen und das Eingeständnis der jungen Männer inzwischen darüber informiert, dass Fred und Thomas das schicke Auto gar nicht gehört, sondern dass sie es sich bei ihrem Job als Logistikarbeiter nur "ausgeliehen" haben. Die wirklichen Eigentümer nutzen die für den Export vorgesehenen Fahrzeuge jedoch offensichtlich für hochkriminelle Geschäfte und Schmuggel von Geld und heißer Ware. Ärger mit diesen ist zusätzlich zur misslichen Lage nach dem Unfall vorprogrammiert. So weit so gut.....

Als Zuschauer freut man sich nun auf die Entwicklung dieser beiden Handlungsstränge, was aber nicht sehr lange anhält. Es folgt nämlich eine sehr lange Phase mit unzähligen logischen Fehlern und schlichtem Unsinn.

Der sehr schwer verletzte Fred vollbringt Hilfeleistungen und andere schwierige Dinge, welche in der Realität unmöglich zu bewerkstelligen wären, vermag es ebenso wie Jess aber nicht, ein schon vorhandenes Loch in der Heckscheibe so zu erweitern, dass man herausklettern kann.

Thomas insistiert dagegen immer wieder, dass man keine Zeit hätte den Mädchen zu helfen, da der Wagen "verkabelt" (sic!) und die Bösen im Anmarsch seien. Dennoch verbringt er rätselhafterweise viel Zeit damit, eine tote Person aus dem zweiten Unfallwagen zu bergen, in eine Decke zu wickeln und zu beweinen. Danach versucht er immer wieder das Auto mit den Mädchen, welches inzwischen Benzin verliert, in Brand zu setzen.
Als ihm dies schließlich gelingt, brennen die Flammen seltsamerweise nur ringförmig um das Auto und erreichen es selbst nie. Solche für den fassungslosen Zuschauer ärgerlichen "Wunder" gibt es in diesem Abschnitt des Films in großer Zahl.

Auch sind Drehbuchschreiber und Regisseur offenbar besessen von Straßenlaternen, welche unerklärlicherweise auch am eigentlichen Unfallort, also an jener tief unterhalb der Straße über einer Bachschlucht liegenden Böschung in großer Anzahl vorhanden sind. Diese Laternen und ihre Stromleitungen scheinen die heimlichen zweiten Hauptdarsteller des Films zu sein.....

Wenn nach quälenden und wirren Minuten dann endlich die langerwarteten "Bösewichte" ins Spiel kommen, wird es leider vollends bescheuert. Statt der erhofften düsteren Killer und einem spannenden Finale erwartet den Zuschauer nun ein schauspielerisches Desaster mit hölzern und dämlich agierenden Knallchargen.

Der per PKW angereiste "Hauptkiller", ein großer Hüne, entpuppt sich als grenzdebiler Trottel, welcher sich wie in Zeitlupe bewegt und am Ende von der zierlichen Jess überwältigt und getötet wird. Die in einem Hubschrauber über der Schlucht schwebenden Verfolger verschießen dagegen ganze Gurte mit Kaliber 50-Munition und schaffen es trotzdem nicht, den 20 Meter entfernt liegenden Wagen der Mädchen zu treffen. Letztlich wird ihnen dann die berühmte Stromleitung der Laternen zum Verhängnis nach dem Schema Heckrotor in Leitung, Absturz, Explosion, Exitus......

Fazit: Aus dem Film hätte etwas werden können. Die weitgehend vergeigte zweite Hälfte, wo es hätte spannend werden sollen, verhindert dies leider. Daher muss der Verfasser feststellen: Jess und Caroline wären besser mit dem Bus gefahren (demnächst auf Mama hören!) und mehr als drei Punkte sind diesmal nicht drin!

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