In der Distribution zeitlich nach, aber trotz äußerer Anzeichen dennoch nicht in der Tradition und nicht durch den Erfolg von Wolf Warrior 2 begünstigt erschienen, stellt sich der bereits zuvor angedachte, geplante und währenddessen in der Produktion befindliche Operation Red Sea vielmehr als Art Sequel zu Dante Lams eigenen Operation Mekong (2016) dar. Damals mit Einnahmen von ca. 160 Mio. USD eine Art Überraschungserfolg und aus dem Nichts kommend, beim zweiten Gang schon mit einem Einspiel von etwa 575 Mio. USD und dies während eines eher merkwürdigen Startzeitpunktes und gegenüber einer wesentlich stärkeren, deutlich kundenfreundlicheren Konkurrenz gegenüber platziert. Kaskaden ekstatischer Feuersbälle und brachialer Artilleriebeschuss:
Nach einer feindlichen Machtübernahme im arabischen Staat Yewaire (stellvertretend für Jemen) wird von der Chinesischen Navy zur Evakuierung ihrer Landsleute das achtköpfige Jiaolong Assault Team unter Führung von Yang Rui [ Zhang Yi ] und mit den Mitgliedern wie dem Scharfschützen Gu Shun [ Huang Jingyu ], seinem Spotter Li Dong [ Yin Fang ], dem Explosionsspezialisten Xu Hong [ Du Jiang ] oder dem einzigen weiblichen Mitglied Tong Li [ Jiang Luxia ] entsandt. Nach ersten schweren Gefechten und herben Verlusten auch auf ziviler Seite ist das Team gezwungen, zur Geiselbefreiung eine Terroristenhochburg von innen heraus zu stürmen, unterstützt u.a. durch die Journalistin Xia Nan [ Hai Qing ], die ihrerseits Informationen über den Aufenthalt von sogenannten "Gelbkuchen", ein von den Terroristen zum Bombenbau eingesetztes Gemisch von Uranverbindungen erhofft.
Gesetzt während des Chinesischen Neujahrs und damit zu einer Phase, die üblicherweise den Familien- und den Effektprodukten für Groß und v.a. auch für Klein vorbehalten ist, und parallel laufend zu getreu diese Prämisse einhaltenden Blockbuster wie u.a. Detective Chinatown 2, Monster Hunt 2 und Monkey King 3, wurde trotz erbitterter Gegenwehr dieser – Detective Chinatown 2 hat auch über eine halbe Milliarde USD eingespielt und lange Zeit ein Kopf-an-Kopf Rennen fabriziert– letztlich der Konsum besiegt. Politik über Kommerz, oder doch Politikkommerz? Anders als gedacht und proklamiert ist der Status dieser Art von filmischer militärischer Offensive seitens China aber immer noch relativ überschaubar, ganz einzählig gesetzt, neben offensichtlichen Propagandaproduktionen aus den Zeiten der historischen Vergangenheit wie der nun startende, aber auch bereits seit langem gewerkelte The Bombing a.k.a. Unfaithful Spirit, den letztjährig untergegangenen Sky Hunter bzw. The Founding of an Army und angekündigten Sachen wie Tsui Harks Operation Network und Renny Harlins Operation Somalia usw. ist bloß noch der minimale DtV und VoD Bereich aktiv. Von wahrer Mobilmachung all der Reserven kann angesichts dessen die Rede (noch) nicht sein, wird hier auch nicht gleich nach der Weltherrschaft gestrebt und anders als beim Wolf Warrior 2 und seinen Popcorn-Abenteuer ist hier auch etwas Ansinnen dahinter und werden zuweilen Botschaften mit etwas mehr Differenz eingewebt. Bis am Ende doch die Hand zum Salut gehoben wird und doch die rote Fahne sowie erneut der Leitspruch "Conquer fear, conquer all" winkt.
Entscheidend dabei ist neben der Intention, die auch vorhanden sein muss und überhaupt ausgeprägt, auch das Können des Filmemachers, wobei der hier anwesende Lam, verantwortlich auch für die andauernden Aktionsszenen selber – wobei der Film im Grunde aussieht wie komplett von der Second Unit geschossen – , in seiner längeren Karriere seit der Mitte der Neunziger speziell für die mehr oder minder lauten Actionthriller zuständig war, für die Cops VS Robbers Geschichten, die der Vorgänger hierzu im Grunde auch noch war, nur basierend auf einer wahren Begebenheit und mit internationalen Gemenge und so etwas Pathos und Ethos verpflichtet. Lam, der bereits global (in Viral Factor, 2012) inszenierte und hier begünstigt durch die Umstände und die Hintergründe tatsächlich in Material und Aufwand schwelgen konnte, ist wie gewohnt technisch, d.h. handwerklich präzise wie ein Uhrwerk eingestellt. Eine Schlacht wird geschlagen und ein Krieg geführt.
Von der Größenordnung her von Beginn an weg ein Mammut- und Massenprojekt, dass dem Gegenüber (und auch dem Vorgänger) in seinem Abenteuer- und Egogestus auch beizeiten in mehrerlei Belangen überlegen, allerdings auch nicht in dessen 'unterhaltsamer Kintopp-Distanz', sondern phasenweise als Kriegsfilm mit ordentlich Blut, Verstümmelungen und auf eine andere Art und Weise auch unangenehmer bis gleich abstoßend zu schauen ist. Wo dort ein Einzelgänger und Einzelkämpfer als geschasster Soldat im Fantasiestaat am Aufräumen war und zwischendurch noch Stammestänze mit den Einheimischen veranstaltete und naiv-pathetische bis lächerliche Ansprachen hielt, wird hier trotz teilweise tatsächlich ähnlicher Bilder und Erzählungen gerade zum Anfang (die Verteidigung gegen Seepiraten und der Coup d'État durch die Terroristen, sowie die eigentliche Evakuierung und auch der Zusatz A-, B- oder C-Waffen in der Kriegsführung) die ganze Zeit ein Team und damit eine Einheit in Uniform als Vertreter der (stets hilfsbereiten) Nation in die Szenerie gestellt und gerade in der ersten heißen Phase des Filmes vielmehr in Kurzfassung an Black Hawk Down und dessen Scharmützel in einer zerbombten Stadt und später eine landeseigene 12 Strong Variante im Exzess allerdings nacherzählt. Erst Gefechte in einem urbanen Höllenloch von ehemaliger Zivilisation, in der außer andauernden Feuerbeschuss und flammenden Druckwellen und Rost, Schutt, Asche und Geröll im Grunde nichts mehr existiert; final ein Selbstmordkommando in gänzlich undurchsichtiger Wüstengegend, in der im Sekundentakt die Magazine in Hundertschaften namens- und gesichtsloser Angreifer entleert werden und die Mauerreste und Vehikel von Handgranaten und Bazookas gesprengt.
Technisch hochgezüchtet und bis auf einige Effektszenen aus dem Computer im Grunde formvollendetes Handwerk, mit leinwandfüllenden Explosionen allerorten und aus nächster Nähe, ein zerfetzter Bus voller Eingeweide, Bombenhagel mit Schrapnellwirkung und inmitten im größten Chaos aus Blut und Verderben noch einsame Scharfschützenduelle; dazu einige verheerende Details am menschlichen Körper, die von den Geschossen und anderen Kollateralschäden entzwei gerissen, Gliedmaßen amputiert oder anderweitig von einer Sekunde auf die andere malträtiert werden. Abstoßungs-, Ermüdungs- und Zermürbungserscheinungen durch all die Gewalt und das bald permanente Sterben werden gleichzeitig mit einer faszinierenden Logistik und fetischierter Inbrunst bei den Produktion dieser infernalischen Gefechtsszenen und einer detonierenden Actionchoreographie gespiegelt und so erneut verzerrt, ein merkwürdiges Ungetüm von Film, zwischen Horror und patriotischem Promotionvideo, dass in den Dialogen oftmals nur vom "The Chinese Navy is here to rescue people." bzw. "The Chinese Navy is here to save you." und mit darstellerisch viel Salut und unbedingte Befehlsausübung im Namen des Landes spricht.