Review

Dante Lams brachiale Action-Oper

Als lose Fortsetzung zu Operation Mekong greift Lam erneut tief in die Trickkiste des großkalibrigen Kinos und serviert uns eine brachiale Actiongranate, die ohne Umschweife klarstellt: Hier gibt’s keine halben Sachen, hier gibt’s Vollgas. Voll auf die Zwölf. So als hätte Michael Bay seine Kamera verliehen, seine Explosionen ausgeliehen und Dante Lam gesagt: „Mach was du willst, aber lass es krachen.“ Gesagt, getan. Während Mekong schon ein mächtiger Schlag ins Gesicht war, feuert Dante Lam mit Red Sea eine Action-Salve ab, die das ganze Heimkino in Schutt und Asche legt - voller Adrenalin, Stahl und Explosionen. Wer hier auf feingeistige Charakterstudien, melancholische Großaufnahmen von nachdenklich in die Ferne blickenden Helden oder gar subtile Dialoge hofft, der ist im falschen Film. Hier wird in feinster Bay-Manier alles in die Luft gejagt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – und selbst dann werden die Bäume wahrscheinlich noch per Helikopter mit Raketen bestückt.

Zugegeben: Die Story ist dünn wie Reispapier. Ein chinesisches Marine-Eliteteam wird in ein fiktives nordafrikanisches Krisengebiet geschickt, um Landsleute zu evakuieren. Terroristen, Rebellen, Geiseln, Intrigen – das volle Programm aus dem „Action-Kino-Standardbaukasten“. Klar, das Ganze trieft vor chinesischem Pathos – Fahnen flattern, Heldentum wird dick aufgetragen, Opfermut wird inszeniert wie bei einer antiken Tragödie. Aber mal ehrlich: Hollywood macht’s doch auch nicht anders. Ob in 13 Hours, Black Hawk Down oder sonstigen Militärdramen – Patriotismus tropft immer in Strömen vom Zelluloid. Hier also keine Überraschung. Dante Lam liefert eine patriotische Kriegs-Oper, die gleichzeitig eine der heftigsten Actionwalzen der letzten Jahre ist. Das Drehbuch ist ein reiner Aufhänger, ein Aufputschmittel für die Action. Und das ist völlig okay, denn wir sind nicht hier, um Shakespeare im Kugelhagel zu hören. Wir sind hier, um zu sehen, wie Panzer explodieren, Autos in Zeitlupe zerspringen und die Kamera mitten durch Feuergefechte rast. Die Atmosphäre ist dicht, angespannt und von Anfang an so geladen, dass man den Eindruck hat, gleich fliegt hier alles in die Luft. Dante Lam versteht es, kein langes Vorspiel zu riskieren. Bereits nach wenigen Minuten knattern die ersten Kugeln, und die Zuschauer werden in einen Dauerzustand aus Schockwellen und Adrenalinstößen versetzt.

Operation Red Sea ist fast eine Dauerballerei - ein Rausch aus Staub, Schweiß, Blut und Eisen. Der Film zeigt, wie man aus minimaler Story maximale Intensität herausholt. Die Action ist absolut famos. Von der ersten Schießerei an feuert der Film wie ein Sturmgewehr im Dauerfeuer. Explosionen reißen Häuser in Stücke, Gewehrsalven pfeifen durch die Lautsprecher, Granaten zerreißen die Leinwand.

Schießereien: knallhart, direkt, präzise gefilmt. Jeder Einschuss spritzt Blut, jeder Headshot kracht mit brachialer Wucht.

Explosionen: Michael Bay hätte Tränen in den Augen. Feuerbälle türmen sich meterhoch, Funken regnen vom Himmel, Autowracks brennen wie Fackeln.

Autostunts: Fahrzeuge fliegen, rollen, überschlagen sich. Staubwolken, quietschende Reifen, splitternde Windschutzscheiben – alles drin.

Panzerverfolgungsjagden: Klingt nach Overkill? Ist es auch. Aber ein großartiger Overkill. Stahl auf Stahl, Kanonenrohre gegen Motorblöcke – kinetische Energie pur.

Und weil’s noch nicht genug ist, wird immer wieder mit Bullet-Time gespielt. Zeitlupe, Kugeln, die durch die Luft schneiden, Staubpartikel, die tanzen, während Blutfontänen in stylischer Poesie zerplatzen. Es ist, als würde John Woo einmal kurz durch den Schneideraum spazieren, um „Daumen hoch“ zu geben. Die Gewalt ist kompromisslos: blutige Einschüsse, Headshots, Granatenexplosionen, Körper, die durch die Luft fliegen. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Der Bodycount steigt unaufhaltsam, und Dante Lam hält gnadenlos drauf. Wo Hollywood oft zurückzuckt, zeigt Lam die ganze Brutalität des Schlachtfelds. Es ist brutal, es ist heftig, es ist dreckig – und gleichzeitig so sauber und virtuos inszeniert, dass man beinahe vergisst, wie gnadenlos hier zugelangt wird.

Die Stunts sind famos, die Choreografien beeindruckend. Fahrzeuge krachen ineinander, ganze Straßenzüge brennen, Panzer donnern durch die Szenerie, während Spezialkräfte taktisch präzise wie Schachfiguren agieren. Lam inszeniert das alles mit einem Gespür für Timing und Eskalation, das man sonst eher in Hollywood-Produktionen vermutet – und doch wirkt sein Stil noch ein Stück brachialer, härter, kompromissloser. Man merkt dass hier Profis am Werk waren, die wissen, wie man realistische Kampf- und Kriegsaction auf die Leinwand bannt, ohne dass es nach Computerspiel oder weichgespülter Green-Screen-Schlacht aussieht. Lam lässt den Zuschauer keine Sekunde ausruhen: Immer wieder ruckt die Kamera ins Getümmel, immer wieder springt sie mitten hinein in die Explosionen. Handkamera wackelt, ohne unübersichtlich zu werden, Drohnenshots ziehen majestätisch über das Schlachtfeld. Es ist ein visuelles Mittendrin-Gefühl, dass das ganze Inferno aus Rauch, Funken und brennenden Wracks einfängt. Dazu ein Score, der wie ein Presslufthammer hämmert. Treibend, wuchtig, dick aufgetragen mit Pathos. Trommeln, Fanfaren, alles auf Anschlag. Manchmal vielleicht fast zu dick? Sicher. Aber genau das macht den Reiz aus: Diese Musik will nicht subtil sein, sie will packen, rütteln und mitten in die Schlachtfelder katapultieren.

Besonders beeindruckend ist auch das Produktionsdesign. Die Schlachtfelder wirken absolut realistisch. Autowracks liegen wie makabre Skulpturen am Straßenrand, brennende Autos beleuchten die Szenerie wie groteske Fackeln, Funken sprühen, Staub weht. Und genau das gibt der Action ihre unglaubliche Intensität: Sie wirkt greifbar, sie wirkt echt.

Fazit

Operation Red Sea ist eine brachiale Actiongranate, ein Höllenritt, der alles wegbläst, was ihm in den Weg kommt. Wer bereit ist, sich zweieinhalb Stunden Dauerfeuer, Explosionen und Adrenalinschübe zu geben, der wird belohnt mit einem Actionfest erster Güte. Dante Lam hat schon mit Operation Mekong bewiesen, dass er weiß, wie man Actionkino mit chinesischem Stempel und internationalem Anspruch macht. Doch mit Operation Red Sea geht er noch einen Schritt weiter – größer, lauter, brutaler. Es ist, als hätte er Michael Bay und Ridley Scotts Black Hawk Down in einen Mixer geworfen, ein bisschen 13 Hours hinzugegeben und das Ganze mit chinesischem Nationalstolz abgeschmeckt. Wer Action liebt, bekommt hier das volle Programm. Und wer Michael Bay zu bombastisch findet… der sollte vielleicht besser gleich das Weite suchen.













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