Review

kurz angerissen*

Die meisten Amerikaner waren ja sowieso schon immer der Ansicht, der Fußball mit seinen ein bis zwei Toren pro Partie sei der langweiligste Sport, der je erfunden wurde. Warum also nicht einfach mal einen US-Darsteller im Stadion des englischen Erstligisten West Ham United von der Leine lassen und die Partie mit der unverwüstlichen Stirb-Langsam-Formel aufpeppen?

Denn diese Amerikaner, das sind Magneten für allerhand Verrücktheiten wie Explosionen, Motorradverfolgungsjagden auf Dächern und - natürlich - fiese Russen. All das eingebettet zu sehen in ein Europapokalspiel (nein, da werden KEINE Weltmeister ermittelt!), ist schon eine leicht surreale Erfahrung, denn es beißt sich ein wenig mit der gemütlichen Pub-Atmosphäre im kaminroten Schein der Feuerwerkskörper, die begleitet wird von den Schlachtgesängen angeheiterter Saufnasen. Im Gegensatz zu Jean-Claude Van Damme, der auf dem Eishockeyfeld Pirouetten drehte, Bruce Willis, der auf dem Dach eines Footballstadions einen Boogie hinlegte oder Nicolas Cage, der in der Boxhalle durch die Gänge rannte, verwendet "Final Score" als Übersee-Koproduktion eben mal nicht mit einen uramerikanischen Sport als Kulisse, sondern beleuchtet den Patriotismus von zweierlei Perspektive und versteht sich folglich als Herzensbrecher der Kulturbarrieren. Was des einen Soccer, ist eben des anderen Football. Vielleicht hat man aber auch einfach verstanden, dass sich die wenigen Tore pro Fußballspiel hervorragend für Parallelmontagen eignen. Was wäre das schließlich auch für ein überladener Actionstreifen, wenn bei jedem Korbwurf von LeBron James wieder ein Höhepunkt aus dem Ärmel gezaubert werden müsste?

So vereint sich also der Rhythmus der Stadionzuschauer mit jedem Treffer des englischen Gastgebers oder des nicht weiter spezifizierten russischen Gegners kurzzeitig mit dem Rhythmus der Action-Höhepunkte. Jenseits dieser ekstatischen Momente der gegenseitigen Vervollständigung verlaufen beide Welten hingegen völlig asynchron zueinander. Das funktioniert insofern, als dass auf diese Weise der Suspense erst so richtig in Fahrt kommt. Und der Action-Fan hat schon weitaus Schlimmeres durchstehen müssen. Das Stadion wird jedenfalls sehr einfallsreich zum Parcours umgebaut und wann immer sich der Streit der Amis und Russen für Sekundenbruchteile auf das Spielfeld verlagert, denkt man sich: Die Fans dürften hier wohl das spektakulärste Spiel seit Erfindung der Dauerkarte sehen.

Der Plot um einen fiesen Russen (so was von übellaunig: Ray Stevenson) und die lästige Fliege, die das Böse nicht auf der Rechnung hatte (wenn The Rock zu teuer ist: Dave Bautista), folgt natürlich ganz bewusst vorgegebenen Schablonen, lässt aber immerhin Platz für ein wenig Star-Appeal auf B-Niveau und das humorvolle Spiel mit Kulturklischees. Insbesondere der Platzwart hat in der Tradition des klassischen Helden-Sidekicks diesbezüglich einige Lacher auf seiner Seite und schließlich auch einen besonderen Höhepunkt, der xenophobes Verhalten gekonnt vorführt.

Von den Plotwendungen, die zumeist von der unberechenbaren Variable Pierce Brosnan ausgehen, sollte man sich dagegen nicht allzu viel Raffinesse erhoffen. Besser erfreut man sich an der Stadionatmosphäre, den handwerklich gut gemachten Action-Highlights und dem Fremdschämen, das entsteht, wenn Amerikaner versuchen, europäisches Kulturgut zu verstehen.



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