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Dritte Regiearbeit von Schauspieler Nick Cheung, der hiermit nach den beiden zuvor unterschiedlich im Horrorgenre und dessen Auswüchsen und Auswuchtungen wildernden Hungry Ghost Ritual (2013) und Keeper of Darkness (2014) nunmehr erstmalig als Hauptverantwortlicher auch die Gattung Film beackert, die ihn einst vielleicht nicht unbedingt bekannt machte, aber den Grundstein seiner Karriere bildete. Cheung, ein ehemaliger Polizist, wurde noch in jungen Jahren von Danny Lee und dessen Produktionsfirma unter die Fittiche genommen und war Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger vermehrt in Nebenrollen und später Hauptrollen in dessen kleineren Produktionen und dort darstellerisch als Royal Hong Kong Police Officer statt im realen Leben unterwegs. Eine erste Laufbahn, die mit Thank You, Sir (1989) anfing und über den Liebhabern derlei Filme beklannteres wie Against All (1990), Unmatchable Match (1990), Red Shield (1991) oder auch Asian Connection (1995) lief, wobei Cheung dort selber eher wenig Eindruck machte und nur im Nachhinein, durch seinen nachträglich gewonnenen Bekanntheitsgrad und auch der Profilierung als Künstler zu erkennen und dies wichtig ist:

Solo City. Undercover Cop Yu Qiu [ Nick Cheung ] arbeitet im Auftrag seines Vorgesetzten A Zhan [ He Jiong ] und mit Unterstützung der Technikerin Jackie [ Yu Nan ] im Kreise der Unterwelt, erst im Gefüge des auch freundschaftlich verbundenen Brother Yun [ Michael Miu ] und dessen rechter Hand Zhi Zha [ Louis Cheung ], welcher mit der Konkurrenz von 'Nine Fingers Bo' [ Lam Suet ] aneinandergerät. Und dann bald selbst- und eigenständig auf den Spuren vom Großkriminellen 'Boss [ Xu Jing-Lei ], welcher mit langanhaltenden Kindesentführung und Manipulationen bis hin in die höchsten Politik- und Polizeikreise ihre Macht ausbaut. Dazu schleust er sich selber in die Gang von Chun Hua [ Yuen Wah ] ein.

"Evil is the stronger twin of justice."
The Trough selber, der als A Taste of Crime angekündigt wurde und mit einem vergleichsweise exorbitanten Budget von 22 Mio. USD proklamiert, ist dabei auch der Versuch den Spagat zu schaffen zwischen einerseits der nötigen Anbiederung an die Gepflogenheiten der VR China, da sonst diese hohe Finanzierung nicht zu stemmen ist, und dem Wiederaufleben einer lokalen Tradition, der sich Cheung als Filmemacher doch verpflichtet fühlt. Zudem hat man narrativ einen recht seltsamen Ansatz gewählt und das Marketing hat eher verstört als inspiriert, der Wechsel des Titels sowie mehrere Poster, die teilweise undeutlich gehalten waren im Ausdruck, was man anstrebt und was man begehrt, sowie bestenfalls abstrakte Trailer, die eine Künstlichkeit herstellten, wo keine gewollt und keine gefragt ist. [Das desaströse Kinoeinspiel folgte entsprechend, mit etwa nur 10% Erwirtschaften der Kosten; sollten die Budgetangaben stimmen, was auch etwas zweifelhaft ist, da 'normale' Actionkost in China mit einem Erlös von etwa 10 - 15 Mio. USD anzusiedeln ist.]

Ersichtlich ist dabei vor allem ein visuelles Anliegen des Regisseurs, der seine (positiv gemeinte) Standardgeschichte um die Umtriebe eines Undercoverpolizisten in den Niederungen der Gangsterwelt und seine zunehmende Verwirrung von Gut und Böse und Richtig und Falsch sowie das Suchen nach einer bestmöglichen Form von Loyalität in ein tatsächlich abstraktes Bild setzen möchte und dies nicht nur durch einen höhergeschraubten Kontrast und Un- und vor allem auch Überschärfungen und Farbfilter erreicht, sondern wie in dem Innenleben des Protagonisten mit Echt und Unecht und der Unsicherheit diesbezüglich am Arbeiten ist. Die Schaffung einer fiktiven Szenerie mit alten Regeln, irgendwo und irgendwann und sicher nicht im Hier und Jetzt gesetzt, eine Art Graphic Novel ohne literarische Vorlage, in der zwar eingangs ein existierender Ort ("Namibia, Afrika" als Ausgangspunkt einer langen Rückblende) genannt wird, der Rest aber woanders und quasi in einer Zwischenwelt aus Studio, CGI-Umgebung und Dekor aus verschiedenen Dekaden und Nutzen spielt.

Außerdem wird in dieser teilweise einfarben und kräftig auf Schwarz/Weiß hinschielenden Erscheinung im strömenden Dauerregen gerade auch mit der Wahrnehmung des Zuschauers gespielt, alte Dinge in ein neues Licht gerückt und bspw. die erste wilde Schießerei mit emsig rauchenden Colts und vielerlei Opfern zwischen zwei strittigen Gruppierungen in einem 24h Waschsalon surreal mitten im Nichts und am Ende einer Vier-Wege-Kreuzung inszeniert. Auch die zweite größere Actionszene – das versuchte Kidnapping eines kleinen Mädchens, bei dessen Entführung auf offener Straße plötzlich von allen Seiten Bodyguards auftauchen und bald auch ein Trupp Killerpolizisten – entspricht mehr einer virtuellen Realität, in allen Dingen wie vor allem dem Interieur und besonders der Hintergrundszenerie aus einer Grafiksequenz, allerdings sind die Stunts der bleihaltigen Verteidigung zum großen Teil echt und die der folgenden Autoverfolgungsjagd inkl. Karambolagen und zerstörter Karosserien auch; man macht sich nicht den einfachen Weg, auch diese bloß am Computer nachzustellen, sondern geht 'bodenständig' und dies auch furios in das Geschehen.  

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