Mittlerweile ist schon das Aufkommen einer Kanton - Actionkomödie als etwas verhältnismäßig Besonderes zu bezeichnen; ein Nachzügler der mit einstigen Paradedisziplin des HK-Kinos, die vor allem in den Achtzigern und frühen Neunzigern damit fleißig am Produzieren und Hausieren waren und zahlenmäßig nahezu unübersichtlich gehalten sind. Die spezielle Form der Unterhaltung ist derzeit parallel zum insgesamt stark geschrumpften Produktionsausstoß (von vielleicht 50 Werken pro Jahr) ebenso gesunken und der Zustand eher als komatös zu bezeichnen; aufgrund des benötigten technischen Aspekte sind die Filme aufwändiger als andere Genres wie rein Drama oder Komödie und damit teurer als üblich und die Kosten oftmals allein innerhalb der Sonderverwaltungszone nicht rentiert.
Früher zu gefühlten oder auch tatsächlich Hunderten alljährlich auf das Publikum geworfen, zuweilen (mit entsprechenden Stars wie Sammo Hung, Andy Lau und natürlich Jackie Chan) auch in das westliche Ausland distributiert und für den dortigen Heimvideomarkt frequentiert, hat 2018 gleich zwei dieser Vertreter gesehen. Was sich nicht viel anhört, aber viel ist, zumal beide, also der auch zum Chinesen Neujahr gestartete Keep Calm and Be A Superstar und dieser hier eher mehr auf die lokale Zuschauerschafft auch ausgerichtet und nicht etwa (spürbar) anbiedernd auf die (durch die schiere Masse) zahlungskräftigeren Kunden vom Festland geschwenkt sind. Schon die Wahl der Darsteller, hier Standup Comedian Dayo Wong in der Hauptrolle und die Ergänzung mit Gastauftritten von Julian Cheung, Sammi Cheng, Ronald Cheng, Alan Tam, Sandra Ng, Ada Choi, Cheung Kwok-keung und Michael Wong als Zeichen innerstädtischer Prominenz weist auf die darauf ansprechende Klientel hin, und die Tradition verweist auch darauf, wobei der wohl bekannteste Vergleich scheinbar der zum From Beijing with Love und damit schon recht unerreichbar sowohl in Sachen finanziellen Erfolg und qualitativer Güteklasse ist:
Geheimagent Chan Ho-yan [ Dayo Wong ] wird mitsamt seinem Partner Genius [ Cheng Sze-kwan ] nach einem 'mißglückten' bzw. anders als erwartet abgeschlossenen Einsatz von seiner Tätigkeit entbunden und lebt seitdem mehr oder minder bescheiden als eine Art Privatdetektiv vor sich hin; wobei er die bei dem letzten Auftrag verführte Yu Heung [ Charmaine Sheh ] seitdem auch ständig als aufgrund ihrer betrogenen Liebe rachsüchtige Verflossene in seinem Nacken spürt. Und Yu Heung mittlerweile in der Polizeihirarchie ganz weit oben steht und den Apparat für allerlei unliebsame Besuche hinter sich weiss. Eines Tages müssen die beiden allerdings wieder zusammenarbeiten, treten in HK doch mehrere Fälle von vorübergehend ungewöhnlichen Verhaltensweisen allerlei promimenter Bewohner, darunter dem des amtierenden Finanzsekretärs Tsang Kwok-chung [ Lawrence Cheng ] auf, der während eines Opernbesuches als Ballerina erwischt wird, und wird ein Giftgasanschlag dahinter vermutet, welcher bei den Opfern das Innerste nach außen kehrt und wahre und verborgene Wünsche mitsamt alle ihren Risiken offenbart. Agent Chan stößt bei seinen Ermittlungen im Dunstkreis vom Finanzsekretär schnell auf drei Verdächtige, die ihn allesamt in die Gefilde einer sogenannten "Happy Girls" Truppe und zu einem ihrer Mitglieder, der liebreizenden Angela Lam [ Cecilia So ] führen.
Dayo Wong selber ist kein Name, der über die Stadtgrenzen hinaus geläufig ist, Eingeweihte und/oder die ältere Generation an Rezipienten könnten ihn aus zwei eher ungewöhnlichen Zusammenarbeiten mit Donnie Yen, dem Devil 666 und vor allem auch Legend of the Wolf kennen; eher Atypisches für ihn, der sonst auch (abmildernd und mit Witz auflösend) scharfzüngig gegenüber Kollegen der eigenen Front und der Situation der einheimischen Filmlandschaft ist. [Schon 1998 wurde in F***/Off eine entsprechende böse Pointe angesichts eines leeren Kinosaales gemacht, in dem man sich auf der Flucht eigentlich verstecken wollte, dort aber Niemand Anderes zum Ablenken ist.]
Hier selber ist Wong sowohl Aushängeschild der Produktion und sicherlich durch seine Popularität verbunden mit dem filmisch noch relativ unverbrauchten, da raren Gesicht auch verantwortlich mit für den durchschlagenden Erfolg beim Publikum (Einspiel von ca. 44 Mio. HKD, was heutzutage für Lokales schon eine Hausnummer ist), als auch Initiator dessen und der Schreiberling. Er trägt den Film, und die Wahl seiner Person gibt ihm auch mehr Qualität, als angesichts des Gezeigten und Geschriebenen zu glauben ist. Denn so edel man teilweise in den Bildern ist (Regiedebüt von Jeff Cheung, einem langjährigen Assistent Director von z.b. Johnnie To) und soviel Aufwand man auch mit allerlei Cameos und Effektleben verströmt, letztlich wird hier großteils Low Brow Humor (mit einigen Aussetzern nach oben und nach unten) geboten, mit all seinen Vorteilen und auch so manchen Nachteilen übrigens.
Wie bei einem Bond üblich wird hier auch mit einer Pre-title gestartet und danach das Titellied zu allerlei Grafikschnickschnack und Schattenschnitt von Tanzeinlagen 'intoniert', der berühmte Martini wird hier ausdrücklich geschüttelt und gerührt und einem Daniel Craig-Lookalike die Pistole geklaut, noch während dieser sich beschwert und lamentiert, dass man ihm bereits vor Jahren mal heimlich die Waffe entwendet hat, und ohne zu merken, dass dasselbe ihm nun noch einmal passiert. Das OO7 Universum ist aber nicht das Einzige und auch nicht das Hauptsächliche, was hier zur Parodie vorhanden ist und als Vorlage zum Vergnügen des Publikums existiert, wird bspw. auch der Klassiker A Better Tomorrow unerwartet, nicht unpassend herangezogen und auch sonst über Stars und Sternchen und vor allem ihre Pop- und die damit eng verbundene 'Nerd'kultur hergezogen und gleichzeitig sich auch in ihrem Ruhm gesonnt und mit allerlei Gastauftritten und Cameos als Berühmtheit selber gespielt. Immerhin ist überall was los, das Tempo mitsamt einer kurzen Verfolgungsjagd hier und einer kleinen Schießerei da hoch und die Geschichte nicht per se uninteressant, sondern gar ungewöhnlich und deswegen faszinierend; wenn auch mit mancherlei Geschmackle, über das noch zu sprechen sein wird.
V.a. die Episode mit dem Finanzsekretär, der beim Cross-Dressing im Unsere tollen Tanten - Stil erwischt wird, hat einen seltsamen Beiton; die Person muss sich selber erklären und bringt sich auch später per Gasexplosion in seinem Landhaus um, und obwohl das letzte private Gespräch zwischen ihm und dem Agent auch privater Natur ist und seitens der Hauptfigur keinerlei moralische Vorhaltungen oder andere Bemerkungen gemacht werden, wird diese sich offenbarende Szene zum einem bestenfalls schwarzen Running Gag geschnitten, der eher Ekel auslöst. Was als Verbindung beider Szenen zur selben Zeit recht widersprüchlich und damit eher fragwürdig ist. (Das Gespräch findet zu Tisch statt, und der Koch hat das Essen vorher mit körpereigenen Zutaten 'verfeinert', was der Gast weiss, der Gastgeber aber nicht.) Spätere Anleihen an dunklen bis (multi)morbiden Humor gelingen manchmal besser, manchmal schlechter (die ausgedehnte Höllensequenz), überhaupt ist der Witz hier ein zweischneidiges Schwert, gibt mitsamt einem noch folgenden langen Krimirätsel, einer auf ihre Art verführerischen Verdächtigen und gar einer Sektenfolgschaft dem Film aber wenigstens die gewisse Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit, die inklusive vielerlei eher sketchartiger Momente und Ankedötchen das Geschehen zu recht viel Aufmerksamkeit und Interesse beschwingt.