Review

Irgendwo zwischen TV-Niveau und Videothekenware liegt eine kleine Twilight Zone und da findet man manchmal einen ganz passablen Film, selbst auf dem Horrorsektor.
Einer von dieser genießbaren Sorte ist „Doctor Sleep“, in dem „ER“-Starn Goran Visnjic als Hypnotiseur in London in eine Reihe von Kindesentführungen und Morden verwickelt wird.
Sein Michael Strother hat die Gabe, in gewisser Weise in anderer Leute Kopf bzw. Gedanken sehen zu können und ist auch sonst ein wenig hellsichtig, weswegen er aus den Staaten verschwunden ist.

Die Story ist natürlich in ihren Grundzügen bekannt: eine Polizistin als Partnerin, die jedoch keinen Rückhalt aus den eigenen Reihen hat; eine schwangere Frau, die nicht schon wieder in einen zermürbenden Fall verwickelt werden möchte; ein Held, der trotz Zweifel und Unwillen nicht anders kann, als dem Fall auf den Grund zu gehen.

Regisseur Nick Willing inszeniert damit zwar einen nicht gerade straighten Genremix, denn neben Entführungsthrillerelementen gibt es auch noch Übersinnliches in netten Dosen serviert, da hier eine Art Teufelsanbieter von einer Inkarnation in die Nächste schlüpft.
Leider fallen die Teile manchmal etwas auseinander, wenn gar zu normale Szenen dem Star Rechnung tragen und es dann wieder düster und bizarr wird, aber die unheimlichen Szenen haben durchaus Klasse.
Mit einfachsten Mitteln wie ungewöhnlichen Kamerawinkeln, die bisweilen die Locations oder das Sichtfeld der Protagonisten verfremdet aussehen lassen, entstehen beunruhigende Szenen, unterstützt von geschicktem Einsatz bzw. Weglassen von Ton.

Daß das Erzähltempo so uneben ist, schmälert das Vergnügen etwas und die genretypischen Ausfälle (alles auf eigene Faust und so...) sind auch nicht aus dem Skript entfernt worden, aber der Cast ist ausgezeichnet und Fiona Shaw als steinalte, französische Autorin des Okkulten kann schon Unbehagen bereiten. Paddy Considine, inzwischen auf dem Weg zum Kultstar in Great Britain, gibt hier einen Okkultexperten, dem ein schreckliches Schicksal blüht, Shirley Henderson ist leider meistens übersehen worden, da Visnjic ja glänzen soll, der aber wie in seiner Krankenhausserie überwiegend aussieht, als könnte er selbst Schlaf gebrauchen (und zwar einen langen...).

Der Schlußgag ist natürlich zu erahnen und damit relativ unoriginell, aber ich habe schon schlimmere 85 Minuten zu nächtlicher Stunde verbracht. Manche Bilder bleiben im Gedächtnis und das ist mehr, als ich von der ganzen Videothekenware sagen kann. (5/10)

Details
Ähnliche Filme