Schon 1992 plante Wesley Snipes einen Film mit der Comic-Figur "Black Panther". Das zog sich hin und weiter, Drehbücher wurden geschrieben und verworfen, die Jahre vergingen. Und zwar einige. Letztendlich wurde es dann 2017, bis man zu filmen begann. Ohne Snipes, dafür mit Ryan Coogler auf dem Regiestuhl und dem inzwischen verstorbenen Chadwick Boseman in der Hauptrolle des MCU-Films Nr. 18.
Und dieser dreht sich um das Königreich Wakanda, irgendwo auf dem afrikanischen Kontinent, von der Welt ziemlich übersehen. Denn von seiner wahren Gestalt, einem hochtechnisierten Land, weiß niemand. Fast niemand.
Audiovisuell ist da Licht und Schatten. Der schön animierte Prolog, der kurz die Geschichte von Wakanda zusammenfasst, ist chic gemacht. Generell profitiert das Design vom Einbringen des kulturellen Einflusses in Mode und Worldbuilding. Das bringt einen frischen Anstrich ins MCU und der steht ihm gut. Die andere Seite ist die schon öfters im Franchise gesehene Videospieloptik, hier ist es aber richtig arg. Personen, Sets, Gegenstände, schlimm sieht das teilweise aus. Insbesondere im Showdown bekommt man Sequenzen, die keiner für gelungen halten kann. So bringt „Black Panther“ einen schon eher zum Staunen, wenn mal was echt aussieht. Und das kann's doch eigentlich nicht sein.
Auch macht man es sich hier mitunter ziemlich einfach. In Wakanda gibt es quasi alles für alles. Von Wunderheilung bis zum Kampfanzug aus der Kette. Das macht die Welt irgendwie fader. Ist aber praktisch, in Zukunft braucht man keine Energie mehr verschwenden, um irgendetwas zu erklären.
Auf die Ohren gibt es natürlich auch was. Dabei ist der klassische, auch mit afrikanischen Klängen garnierte, Soundtrack von Ludwig Göransson gelungen. Sobald die modernen Beats reinkommen, bin ich aber raus. Ist einfach überhaupt nicht meins.
Inhaltlich hebt sich „Black Panther“ immerhin im Marvel-Kosmos etwas ab. Klar geht es irgendwo auch wieder um den Rest der Welt und es werden die Aktionen in einen Kontext gesetzt mit anderen Beiträgen des Franchises. Aber im Kern dreht sich der Film um die Belange Wakandas, die Struktur und Verantwortung des kleinen Landes. Das ist als Rahmen angenehm und Coogler spricht hier auch Themen wie Kolonialismus, Nationalismus und die Rollenverteilung der Geschlechter an. Aber eben nur am Rande, hier und da mal in einem Satz. Da wäre mehr gegangen.
Gleiches gilt für die Geschichte, die dann letztlich erzählt wird. Diese ist insgesamt spannungsfrei und ein Konglomerat aus bekannten Versatzstücken. Wenig Platz für Überraschungen. Da schleicht sich bei einer Laufzeit von über zwei Stunden auch mal die eine oder andere Länge ein.
Chadwick Boseman als Titelheld geht soweit in Ordnung, leidet aber wie der Rest unter einem vorhersehbaren Skript, das den Figuren markige Sätze, aber wenig Seele mit auf den Weg gibt. Da verlässt es sich zu sehr auf den Exotenbonus, den es aber immerhin visuell ansprechend verarbeitet. Michael B. Jordan ist ein blasser Schurke, da macht Andy Serkis als zweite Geige mehr Laune. Der Unterschied ist eben, Klaue ist ein unterhaltsamer Arsch, Killmonger ist nur ein Arsch.
Auffallend sind da eher die Frauenrollen, wobei die Leibgarde mit Danai Gurira als Chefin Okoye überzeugt. Lupita Nyong'o wirkt eher wie T'Challas Anhängsel und Letitia Wright kann als afrikanische Ausgabe von Bonds Q etwas nerven. Immerhin finden sie während des laufenden Showdowns noch Zeit zum Umziehen und Schminken.
Der Rest ist einfach da, erwähnt werden sollte aber noch Winston Duke als M'Baku, der immerhin durch ein paar witzige Sätze auffällt. Und Stan Lee bedient sich am Spieltisch.
„Black Panther“ ist auf der einen Seite erfrischend präsentiert und kann aufgrund seiner exotischen und spirituellen Einflüsse punkten. Dem gegenüber stehen aber eine spannungsarme Geschichte, eine gedehnte Inszenierung und bisweilen schlechtes CGI. Audiovisuell also Top und Flop, dramaturgisch dazwischen.