Review

Seit Jahren laufen sich die B-Action- und Martial-Arts-Stars immer wieder in mehr oder weniger kostengünstigen Reißern über den Weg, aber mit seiner Dichte bekannter Genregesichter stellt Jesse V. Johnsons „Triple Threat“ tatsächlich alles jenseits von „The Expendables“ in den Schatten.
Natürlich geht es mal wieder um Profis im körperbetonten Geschäft, hier das allseits beliebte Söldnertum. Dem sind auch die Tracker Payu (Tony Jaa) und Long Fei (Tiger Chen) zuzuordnen, die als Teil einer Spezialeinheit angeheuert werden, die von Deveraux (Michael Jai White) angeleitet wird. In Indonesien befreit die Truppe ihren eigentlichen Anführer Collins (Scott Adkins) aus einem Lager feindlicher Söldner. Damit legt „Triple Threat“ direkt explosiv los, wenn unter dem Einsatz von Schlägen, Tritten, Messern, Feuerwaffen und Explosionen eine Gegnerschar ordentlich dezimiert wird.
Dem Massaker fällt auch die Frau von Jaka (Iko Uwais) zum Opfer, während er das Gefecht verletzt überlebt. Nach seiner Genesung sucht Jaka nach den Mördern seiner Frau und trifft in Thailand zuerst auf Payu und Long Fei. Von diesen erfährt er allerdings, dass diese von Collins‘ Einheit verraten und beinahe getötet wurden, weshalb sie ebenfalls eine Rechnung mit den Söldnern offen haben. Standesgemäß lernt man sich bei einem Kickboxturnier in einer abgelegenen Halle kennen, wo jubelnde Zivilisten auf den Ausgang wetten und man sich gegenseitig die Kauleisten poliert, ehe nach Jakas K.O. dann Zeit zum Reden ist. Als Team geht das Trio im engeren Sinne nicht vor, auch wenn alle drei mit den Söldnern abrechnen wollen – doch das Drehbuch trennt die drei vorerst wieder.

Die Schurken wiederum haben bereits ein neues Ziel: Xiao Xian (Celina Jade), eine reiche Erbin, die mit ihren Vermögen den Kampf gegen Verbrechersyndikate finanziert. Dabei erfahren sie, dass Payu und Long Fei überlebt haben – unliebsamen Zeugen des Massakers in Indonesien, die Collins und seine Leute gern endgültig loswerden wollen…
„Triple Threat“ ist kein Film der hohen Drehbuchkunst, dessen Story eher rudimentär ist. Die Söldner haben eine Auftraggeberin, die weniger präsent als Blofeld in frühen Bond-Filmen ist und halt einen Hals auf Xian und ihre Pläne hat, das muss reichen. Jaka schmiedet dubiose Pläne, benutzt die Tracker sowie Xian als Lockvogel und greift dann immer zum eigenen Vorteil ein, während sich das Ganze zum Privatkrieg zwischen den verschiedenen Parteien ausweitet. Ob nun Jaka oder Payu und Long Fei die Hauptfiguren sein sollen oder alle drei, das wird auch nicht so ganz klar. Hauptsache die nächste Gefahrensituation und die nächste Konfrontation ist nie zu weit entfernt.
Und da liefert der Film dann so richtig ab. Mit Fight Choreographer Tim Man bilden Jesse V. Johnson und Scott Adkins inzwischen ein eingespieltes Team, während „Triple Threat“ die Balance zwischen Shoot-Outs und Martial Arts erfreulich gut hält. In „The Debt Collector“ überwogen zuletzt ja erstere, in „Accident Man“ letztere. So gehen vor allem die Söldner methodisch vor, löschen in verschiedenen Actionszenen bleihaltig das andere Lager, Xians Bodyguards und ein Polizeirevier aus, wobei mit blutigen Einschüssen nicht gegeizt wird und sich die Schurken an taktische Regeln halten. Die Helden greifen auch zur Waffe, sind aber meist in Nahkämpfe verwickelt, wenn die Gegner die Schießprügel leergefeuert haben oder sie diese überraschen. Dabei sind die Fights stets hervorragend choreographiert, wiederholen sich nicht und lassen den begabten Kämpfern Raum für ihre eigenen Stile, sei es das Silat von Uwais, die Knie- und Ellenbogenschläge von Jaa oder die wirbelnden Sprungkicks von Adkins. Das Ganze steigert sich bis zum Showdown, in dem sie Kontrahenten (also alle, die zu dem Zeitpunkt noch übrig sind) in einem brennenden Haus in wechselnden Konstellationen beharken, einer gegen einen, einer gegen mehrere usw. Noch dazu behält der Film immer die Übersicht, lässt längere Szenen ebenso zu wie eine ruhige Kameraführung, wodurch man die Talente aller Beteiligter stets im besten Licht sehen kann.

Dabei hat Johnson ein Who-is-Who der Kampfkünstler zum Stelldichein geladen, weshalb auch kleine Rollen an ausgezeichnete Fighter wie Ron Smoorenburg, JeeJa Yanin und Johnsons alten Weggefährten Dominiquie Vandenberg gehen. Iko Uwais hat hier nicht ganz das Charisma seiner Rollen aus den „The Raid“-Filmen oder „The Night Comes For Us“, macht sich aber ganz gut als kalkulierender Rächer, während sich Tony Jaa und Tiger Chen abseits der Fights ganz okay aus der Affäre ziehen, auch wenn immer noch keine großen Schauspieler an ihnen verloren gegangen sind. Etwas verloren wirkt auch Celina Jade in der eher undankbaren Rolle der Frau, die immerzu gerettet werden muss und viel kreischt. Dafür haben die Schurken ordentlich Charisma, angeführt von einem elanvollen Scott Adkins, der als taktierender Söldnerführer hier klar die beste Performance unter den Darstellern an den Tag legt (auch wenn man ihn in der Szene nach seiner Befreiung mit einer eher begrenzt überzeugenden Perücke verunstaltet). Michael Jai White als seine misstrauische Nummer zwei ist aber fast ebenso gut und harmoniert mit seinem früheren Sparringspartner aus „Undisputed 2“ und „Accident Man“ hervorragend.
Ansonsten gibt der größtenteils in Thailand spielende und gedrehte Film sich Mühe, den verschiedenen Herkunftsländer seiner Protagonisten gerecht werden: Sie sprechen immer mal wieder in ihrer Landessprache, weshalb Übersetzungen notwendig werden, was an ein, zwei Stellen sogar plotrelevant ist. Zudem tritt Johnson durchweg aufs Gas und macht damit den Simpelplot vergessen, während er und Kameramann Jonathan Hall für schicke Bilder sorgen, die schon fast Kinoqualität haben. Was auch daran liegen dürfte, dass Johnson mal etwas mehr Budget zur Verfügung hatte, so viel wie wohl seit „The Fifth Commandment“ nicht mehr.

„Accident Man“ mag zwar in Sachen Adkins-Johnson-Kooperationen der noch etwas bessere Film sein, da dort trotz knapperer Mittel mehr originelle Ideen und mehr visuelle Kniffe vorhanden waren, doch „Triple Threat“ muss nur knapp dahinter zurückstecken. Der Plot ist sekundär, wenn auch nicht ganz so egal wie bei manchem früheren Tony-Jaa-Klopper, aber optisch macht der Film etwas her, hat ordentlich Tempo und lässt seinen Martial-Arts-All-Star-Cast in dynamischen Fights und knalligen Shoot-Outs aufeinander los. Eine überzeugende B-Alternative zu „The Expendables“.

Details
Ähnliche Filme