Review

kurz angerissen*

Immerhin ein seltener Einblick in die Psyche junger Krimineller wird in „American Animals“ geboten. Die Schauspieler vermitteln die Verunsicherung während der Tat, die realen Personen zeigen in Interview-Zwischenschnitten durch verzogene Mimik und Momente des betretenen Schweigens, dass es auch 15 Jahre später noch weh tut, sich an die damalige Zeit zu erinnern. Dies ist eben keine Milieustudie, kein Portrait von Menschen, die durch ihr Umfeld zum kriminellen Handeln gezwungen wurden. Es geht vielmehr um eine Gruppe von Individuen, die sich gegenseitig dazu bringen, etwas zu tun, das nicht ihrem soziologischen Profil entspricht. Der Film lehrt uns somit, dass Verhalten nicht immer prognostizierbar ist; dass selbst und gerade ein “normaler“ Lebenslauf zur Desillusionierung führen kann.

Mit Evan Peters und Barry Keoghan muss es ein Leichtes sein, die Schwerpunkte auf das Drama missverstandener Jugend zu legen, wirken die Beiden doch selbst in ihren bekannteren Rollen immer ein wenig wie abwesende Träumer, ganz zu schweigen von ihren spezielleren Auftritten. Beim Casting kann man also schon mal den grünen Haken setzen. Und dennoch wirkt der Film seltsam freudlos in seiner ganzen Herangehensweise, als wolle er um jeden Preis betonen, dass kein Überfall jemals ein Kavaliersdelikt ist, selbst wenn er mit schlechtem Gewissen ausgeführt wird. Ein wenig mehr schwarzer Humor jedenfalls wäre aufgrund des amateurhaft geplanten und umgesetzten Raubs nicht fehl am Platz gewesen. Stattdessen wird fortwährend mit leerem Blick in die Nacht gestarrt und mitunter sogar schiefe Symbolik eingebaut.

Die Absichten sind aller Ehren wert, doch je mehr die Regie das Bemühen um Neutralität signalisiert, desto leidenschaftsloser wird das Resultat. „American Animals“ ist mit Sicherheit ein ambitionierter Film, der wohl auch viele Kritiker und Zuschauer erreicht hat. Diesem Kanon kann ich mich leider nicht ganz anschließen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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