Review
von Leimbacher-Mario
Das Internat der ungewöhnlich talentierten Teenagerproblemfälle
Wenn der geneigte Horrorfan „Jugend-Grusel-Roman-Verfilmung“ liest, stellen sich schonmal schnell die Nackenhaare hoch. Allerdings nicht vor Freude oder positivem Schauer, sondern eher vor der Furcht vor einer halbgaren Enttäuschung. Doch auch wenn „Down the Dark Hall“ sicher kein wirklich guter Film ist, vor allem gegen Ende, werden diese Bedenken hier recht zügig weggewischt. Zumindest anfangs... Wir folgen einer leicht verhaltensauffälligen, aggressiven Teenagerin, die immer noch versucht den Tod ihres Vaters zu verarbeiten, in ein legendäres Internat. Dort soll versucht werden, bei ihr wie bei einer Handvoll anderer Mädels, verborgene Talente zu fördern. Dies gelingt dann auch erstaunlich flott, die eine kann plötzlich klavierspielen, die andere herausragend zeichnen, sodass schnell Vermutungen aufkommen, dass hier etwas nicht mit rechten und natürlichen Dingen zugehen könnte...
Das erste Drittel dieses Schauermärchens für Heranwachsende ist klasse. Verspricht dann allerdings doch etwas zu viel. Der Look bleibt zwar hochwertig, die Atmosphäre der alten Gemäuer irgendwo zwischen „Crimson Peak“ und „Das Waisenhaus“ ist dicht und den Jungdarstellerinnen fehlt es durch die Schulbank nicht an Charisma und Stärke und Talent. Vor allem Isabelle Fuhrman (Esther aus „Orphan“!) mal wieder zu sehen war mir eine Freude. Audiovisuell passt hier auffällig viel. Doch leider verflacht das Spiel mit den übernatürlichen Talenten hintenraus immer mehr, die Erwachsenen (allen voran Uma Thurman!) fallen ärgerlich mit überzogenem Schauspiel auf, Jumpscares nehmen exponentiell und ideenlos zu und die Story wabert, sobald der „Twist“ bzw. die Auflösung schon früh aufgedeckt ist, nur noch leblos vor sich her. Da ist der nicht unähnliche „Boarding School“ eindeutig die bessere Alternative. Das hier wirkt mal wie wiedergekäut und mal wie halbfertig. Kein Wunder, dass ihn das Produktionsstudio nicht ins Kino bringen wollte und willig an Amazon abgetreten hat. In Ansätzen top, in der Ausführung und im Abschluss mager bis lächerlich. Allein wie oft der „Trick“ mit den Geistern gemacht wurde, die im Vordergrund, kurz vor der Kamera durchs Bild huschen, ist eine kopfschüttelnde Erwähnung wert. Subtil ist hier im Verlauf immer weniger, sogar eher richtig platt und kitschig.
Fazit: zum Teil scheint der oberflächliche Jugendroman durch, zum Teil ist diese mysteriöse Geistervilla einen Besuch wert, atmosphärisch und kurzweilig. Klassik trifft Moderne, Oldschool trifft Jugend. Ein kleiner Geheimtipp, der für mich stimmig ist und zu Beginn funktioniert. Zugänglich. Zumindest für Teens. Auch wenn Overacting und eine deutlich schwächere, aufdrehende zweite Hälfte heftig den Wertungsanker werfen. Tanz der Klaviere. Sicher kein „The Innocents“ oder „The Haunting“ für eine neue Generation. Und irgendwie dann doch zurecht unter dem Radar geblieben.