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Der abgelegene, noch nicht ganz renovierte Herrensitz Blackwood Hall dient als Besserungsanstalt für schwer erziehbare junge Damen, und so wird eines schönen Tages auch Katherine "Kit" Gordy (AnnaSophia Robb) von ihren Eltern dort abgeliefert. Die renitente Blondine hatte vorgehabt, ihre Schule abzufackeln, was ihr seitens der Direktion die dringende Empfehlung einer kleinen Auszeit im Internat einbrachte. Und da ihre Mutter und der Stiefvater auch zuhause nicht mit ihr fertig wurden, erwarten Kit und mit ihr vier weitere Problem-Teenager nun also das Empfangskomitee in den etwas düsteren Räumlichkeiten. Dessen Leiterin Madame Duret (Uma Thurman) und ihre Kammerzofe Mrs. Olonsky (Rebecca Front) lassen auch nicht lange auf sich warten und weisen die Neuankömmlinge in die Gepflogenheiten des Hauses ein: als erstes werden die Handies eingesammelt... Solchermaßen ihrer Lieblingsspielzeuge beraubt, bleibt den Mädels nichts anderes übrig, als sich erzwungenermaßen auf die von der stets verbindlichen, aber unerbittlichen Madame Duret vorgeschlagene Förderung ihrer jeweiligen Talente einzulassen: denn jede der fünf jungen Damen hat ganz spezielle Fähigkeiten und wurde von der Internatsleiterin, die bei den Direktoratssitzungen in den diversen Schulen als "Beraterin" anwesend war, ganz gezielt ausgesucht. Daß keins der Mädels von diesen ihren speziellen Talenten wie Klavierspielen, Malen, Gedichte schreiben etc. auch nur die leiseste Ahnung hat, stört nicht weiter, denn schon nach wenigen Tagen ergeben sich lyrische Ergüsse, Tonleitern, Konzertstücke, Bilder etc. wie von selbst: eine unheimliche Macht verleiht den Schülerinnen ohne deren Zutun übermächtige Kräfte. Doch Kit traut der ganzen Sache nicht und will den seltsamen Phänomenen auf die Spur kommen...

Die auf Gran Canaria und in Barcelona gedrehte amerikanisch-spanische Co-Produktion Down a Dark Hall bietet nach kurzer Einführung der nicht sonderlich sympathischen Hauptdarstellerin mit deren Ankunft am düsteren Herrensitz die Ausgangslage für einen Mystery-Grusler, dessen Location zumindest passend gewählt wurde: die bewußt altbackene Inneneinrichtung, ein noch nicht renovierter Gebäudeflügel (dessen Betreten natürlich untersagt ist), das Handyverbot und die wenigen Bediensteten von Madame Duret (ein glatzköpfiger Mathelehrer, ihr Sohn als Klavierlehrer etc.) schaffen zusammen mit einem trefflich zusammengestellten Score eine angemessene Gänsehaut-Atmosphäre. Leider mangelt es dem Streifen dann jedoch am Drehbuch, aus diesen guten Voraussetzungen auch etwas zu machen, wobei die Romanvorlage aus dem Jahr 1974 nicht als Ausrede gelten darf: Zum einen wird die Übertragung übermenschlicher musischer Schöpfungskraft nie wirklich erklärt oder gar vertieft, zum anderen laden nicht nur die Hauptdarstellerin, sondern auch sämtliche ihrer Kolleginnen in keinster Weise zum Mitfiebern ein - sofern überhaupt näher vorgestellt, bleiben alle Filmfiguren (mit Ausnahme von Madame Duret) bestenfalls beliebige Charaktäre.

Ein weiteres Manko sind teilweise unrealistische Figurenzeichnungen bei den Mädels: so hat keine der jungen Damen offenbar einen Freund oder Verehrer (in diesem Alter schlicht unglaubwürdig) oder interessiert sich für das andere Geschlecht (eine angedeutete Romanze zwischen Kit und dem Klavierlehrer kommt, nicht nur dem gewünscht niedrigen US-Rating geschuldet, über Ansätze nicht hinaus), die Totalverweigerin unter den fünf (eine klischeehaft gezeichnete Dicke) pofelt ununterbrochen, ohne von der ansonsten strengen Kammerzofe oder deren Chefin ermahnt zu werden und eine (allein schon altersbedingte) Solidarität unter den Schülerinnen sucht man ebenfalls vergeblich.
So bleibt dann eigentlich nur Tarantino-Schauspielerin Uma Thurman (Pulp Fiction, Kill Bill), deretwegen sich Down a Dark Hall anzuschauen lohnen könnte: und richtig, Thurman ragt weit heraus aus diesem Ensemble der Mittelmäßigkeit, in ihren markanten Züge spiegeln sich überzeugend Zuckerbrot und Peitsche wider, mit denen sie ihre Rolle als gestrenge Aufseherin spielt. Zu ihrem tadellosen Auftritt muß freilich angemerkt werden, daß ihr die dargebotene Madame Duret nicht allzuviel abverlangt und ihr darstellerisches Potential aus früheren Filmen nicht einmal ansatzweise herauskitzelt.

So mäandert die Story um schöpferische Kraft aus vergangenen Zeiten mit dunklen Schatten und Fratzen, sich öffnenden Türen und merkwürdigen Geräuschen eher gemächlich und kaum spannend vor sich hin, läßt Kit im Keller etwas Geheimnisvolles entdecken und arbeitet dann schnörkellos und ohne irgendeine besondere Idee oder Finesse auf das handlungstechnisch jederzeit im Voraus zu erahnende Grande Finale hin, welches zu allem Überfluss auch noch einige kitschige Einstellungen hart an der Grenze zur Schleimscheißerei beinhaltet. Ein milder Seufzer bei unterdrücktem Gähnen dürfte bei den meisten Zusehern den Zeitpunkt des Abspanns kennzeichnen.

Fazit: beste technische Voraussetzungen (Location, Kamera, Score und ein bekannter Name) kommen nicht gegen ein langweiliges, uninspiriertes Drehbuch an. Muß man nicht gesehen haben und hinterläßt auch keinerlei bleibende Eindrücke: 4 Punkte.

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