Als Gegenentwurf zur klassischen Märchenhexe, die etwa in Grimms Geschichten grundlegend böse war, kreierte Otfried Preußler 1957 „Die kleine Hexe“.
Nach Puppenfilm und Zeichentrickvariationen folgt unter der Regie von Mike Schaerer die erste Realverfilmung, die glücklicherweise eines schon mal nicht ist: Laut und grell.
127 Jahre sind für eine Hexe verdammt jung und so schleicht sich die kleine Hexe (Karoline Herfurth) in der Walpurgisnacht heimlich und ohne Einladung auf den Blocksberg, um mit den anderen ums Feuer zu tanzen. Dummerweise wird sie von der Hexe Rumpelpumpel (Suzanne von Borsody) entdeckt und erhält von der Oberhexe (Therese Affolter) die Aufgabe, sich zur guten Hexe zu mausern, indem sie alle 7892 Formeln aus dem großen Hexenbuch innerhalb eines Jahres auswendig lernt. Doch Rumpelpunpel beschattet die kleine Hexe heimlich und ist von ihrer hilfreichen Ader gar nicht erfreut…
Mit kleiner Nasenprothese, hellroter Mähne und einem erfrischenden Lachen stellt Herfurth die Idealbesetzung der kleinen Hexe dar, die in ihrer leicht verpeilten, jedoch grundlegend gutmütigen Art ohne Einschränkung als Sympathieträgerin und Identifikationsfigur taugt.
Ihr zur Seite steht der sprechende Rabe Abraxas, der von Axel Prahl eine absolut passende Stimme erhält und mit entsprechenden Belehrungen eine gute Ergänzung verkörpert.
Bis auf einige wenige, ausgeklammerte Begebenheiten hält sich die Erzählung recht nah an die Literaturvorlage, wobei es ein wenig dauert, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt.
Was bei alledem positiv auffällt, ist die beinahe zeitlos anmutende Umsetzung, speziell in Sachen Kulissen und Kostüme, welche recht detailverliebt ausfallen. Der Besuch auf einem Jahrmarkt weckt regelrecht nostalgische Gefühle und erinnert, mit Unterstützung des sauber abgestimmten und leicht verträumt anmutenden Scores an alte Märchenverfilmungen.
Hierzu passt auch der komplette Verzicht auf Computeranimationen. Zwar schimmert der Greenscreen bei einigen Flugbesenszenen deutlich durch und auch der Rabe kommt in seinen Bewegungen nicht immer flüssig rüber, doch das grundsolide Make-up und die treffend besetzten Nebenrollen runden das Gesamtbild positiv ab.
Und so gelingt es Schaerer, eine Geschichte von 1957 in die Gegenwart zu versetzen, ohne unnötigen modernen Schnickschnack einzubauen. Auch die bei einigen Moralaposteln als ethisch fragwürdige Pointe für die Bösen wurde übernommen, was ebenfalls zur Tradition des klassischen Märchens zählt. Karoline Herfurth besorgt mit ihrer positiven Einstellung etwas mehr als den Rest, wodurch diese Verfilmung eines Kinderbuchklassikers definitiv zu den guten und vor allem familientauglichen zählt.
7 von 10