Review

kurz angerissen*

Diffiziler konnte Joseph Losey die britische Klassengesellschaft kaum entlarven: Mit grobem, ja in den Highlights regelrecht lachhaftem Gestus eskalieren die Ereignisse, anhand derer sich in dem Zweipersonenstück die Umgangsregeln verschieben. Den Zuschauer verweist der Regisseur dabei eindeutig in die rationale Beobachterperspektive. Eine Identifikation lässt er weder mit Herrn noch Diener zu, obwohl man Ersterem mit der Zeit Empathie entgegenbringt. Das reine Verweisen auf den Diener indes, der im gesellschaftlichen Kontext eine unsichtbare Rolle zuteil werden sollte, lässt bereits ihr erstes Auftreten unheimlich erscheinen, insbesondere, insofern der vermeintlich Höhergestellte bei der ersten Begegnung in der wehrlosen Position des Schlafenden vorgefunden wird. So hinterfragt der Zuschauer nicht nur das immer dreister werdende Verhalten des Dieners, sondern auch die Scheinmacht des Bedienten: Wieso lässt er sich das gefallen?

Die Frage wird dringlicher, je länger die Handlung andauert. Losey zwingt sein Publikum damit regelrecht in die Psychoanalyse. Es wird dazu versucht, dem komplexen Abhängigkeitsverhältnis eine Schlüssigkeit abzuringen und zu diesem Zweck mit reichlich Andeutungen gefüttert: Homosexuelle Subtexte werden eingestreut, drei Jahre nach „Psycho“ zudem der Geisteszustand der beiden Hauptdarsteller in Frage gestellt.

Insbesondere die zweite Hälfte des Drehbuchs erscheint radikal und weist bei oberflächlicher Betrachtung B-Movie-Züge auf, die allerdings die subversive Sprengkraft lediglich verdecken. Unschuld und Zweckgerichtetheit transportieren die stark harmonierenden Hauptdarsteller Dirk Bogarde und James Fox hinter sittenhafter Maskerade, so dass eine vermeintlich harmlose Gefälligkeit (die Aufforderung, ein Getränk zu besorgen) zum fatalen Wendepunkt in den Machtverhältnissen gerät. Insofern doch ein zutiefst subtiler Film, der letztlich sadomasochistische Verhaltensregeln auf den Kommunikationscode zwischen zwei Personen unterschiedlicher Ränge umdeutet und daraus ein intensives Psychoduell generiert. Der Einbezug zweier weiblicher Figuren verkompliziert das Szenario sogar noch und erhebt es zum psychosozialen Gruppenphänomen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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