Ultrakostengünstiger Bond-Epigone (man könnte auch Leichenzehrer sagen) au s Bella Italia, der von einem damals noch in der Blüte der Jugend stehenden Umberto Lenzi für ein Schnürsenkelbudget zusammen gezimmert wurde.
Prinzipiell hab ich die italienischen Cheapos ja lieb, denn die waren immer knackebunt, leicht ranzig an den Rändern und robust im Herzen, aber dieser hier ist echt eine Belastungsprobe für den Geduldsfaden.
Allein die Prämisse ist einen Jahreslohn wert: es gibt ein neues Metall. Das ist hundertmal radioaktiver als Uran. Aber man kann es einfach mal so lässig durch die Städte der Welt tragen. Weil: das ist eben das Tolle daran.
Aus Tonnen von Gestein (das ist in Bergbaudimensionen übrigens so viel als hätte man das Ding zufällig im ersten Strandeimer gefunden, den man mit Sand gefüllt hat) hat man gerade mal einen Brocken zusammen bekommen und aus dem hat man…Moment…es kommt gleich…ein Kameraobjektiv geschmiedet. Wie man aus einem Metall bzw. einem Isotop ein funktionierendes Zoom-Objektiv basteln kann, geht schon mal in keine Gummihose, aber immerhin hat die Operation so ihren Namen weg.
Das ist dann auch der tolle MacGuffin, wegen dem Agent „Super Seven“ (jaja…) alias Martin Stevens (schnorch…) erst nach Kairo, dann nach Locarno und dann nach Rom reist, nur um immer um fünf Minuten zu spät zu kommen, während eine Gruppe ziemlich inkompetenter Spione aller Herren Länder (angeführt offensichtlich von einem Ex-Nazi mit blonden Haaren, auch wenn das nicht weiter thematisiert wird) genau das Gleiche versucht.
Hier und da bringen sie einen Helfer oder Informanten mal um, aber sogar das setzen sie nicht sonderlich spektakulär um. Den ersten Informanten zerquetschen sie unter einem herabsinkenden Auto in der Werkstatt – der langsamste Tod aller Zeiten. Das führt uns dann zu einer Doppelagentin, die an ihrer Heroinsucht laboriert: Kennzeichen sind starrer Blick und große…Pupillen. Weswegen auch niemand zunächst den Unterschied zwischen Leben und Tod bemerkt.
Mein absoluter Favorit ist aber Supersevens freundlicher Ägypten-Aufpasser, der direkt vor der Cheops-Pyramide die Helfer der Spione erblickt und sofort panisch die Pyramide raufklettert, von der man ihn natürlich prima von hinten abschießen kann.
Womit wir auch bei den Schauwerten sind: die bestehen entweder aus touristischem Stock Footage oder sind einfach nicht vorhanden. Den Sturz von der Pyramide, der Tod durch Auto, ja sogar eine Elektroschockfolter, die ausschaut wie ein Dosentelefon: alles geschieht im Off. Sobald die bösen Jungs bei Stevens den Strom (an den Handgelenken?) anschalten, wird auf die jodelnde Tänzerin im Vorraum geblendet: dreimal!!!
Roger Browne, der hier Superseven mimt, hat jetzt nicht extrem viel Charisma, kann aber immerhin den Gesichtsausdruck wechseln und hat einen brauchbar behaarten Oberkörper. Browne kam unterbeschäftigt vom Sandalenfilm und durfte dann in die Bond-C-Klasse wechseln, wo er kernige Typen verkörperte, mit Rollennamen wie Rex Monroe, Clint Loman, Johnny Quick oder Michael King. Der Knüller war sicherlich der „phantastische Argoman“, der im gelb-roten Superheldenkostüm kein Auge trocken ließ. Gemessen am Erfolg lief Martin Stevens aber super, er kam sogar noch einmal für eine Fortsetzung zurück, in die „Höllenkatze des Kong Fu“ (ja, genau so geschrieben…).
Dennoch habe ich Verständnis für alle, die diesen Billigheimer trotzdem mögen, obwohl er nicht üppiger ausschaut wie eine Wolfgangsee-Komödie. Zwei Damen spielen übrigens auch noch mit, die sich vom Typ her so ähnlich sehen, dass ich sie mit meiner Farbschwäche (man kann sie an den Haarfarben unterscheiden) ständig verwechselt habe – allesamt fahren sie aber auf Brownes Charme ab.
Allerdings bedeutet das häufiges Vorspulen, denn die Reisebilderbögen nehmen doch einen beachtlichen Teil des Films ein und so viel Schlüssiges passiert sonst ja auch nicht. (Da sei noch mal die Szene mit dem mittels Pistole erzwungenen Grenzübertritt erwähnt, die später bei der Polizei einfach mal von den Behörden weggelacht wird, weil die Knarre ja ein Feuerzeug war. Hohoho!)
Wenn dann endlich die Bösen in einem simplen Motorboot in die Luft gesprengt werden (für Villen, dicke Schiffe oder futuristische Apparaturen gab es wirklich weder Zeit noch Geld), ist der böse Spuk vorbei und Stevens darf eine Rund eDampfplaudern, das kann er wirklich gut.
Alles in allem also ein sehr billiger, ziemlich leerer Film, der zwar vorgibt, alle Bestandteile eines echten Bondfilms kostengünstiger kopiert zu haben, dies aber nicht mal mit Charme verbergen kann. (2,5/10)