Duncan Jones zeigt es allen und das auf genüßliche, langsam den Mittelfinger herausfahrende grinsende Art und Weise. Jeder der auf einen zweiten Moon gehofft hatte, dem sagt er mal ganz deutlich: Ich mach doch nicht nur für euch denselben Film ein zweites Mal, nur etwas anders. Sucht euch dafür jemand anderen. Schaut euch dafür einfach mal den nächsten Blockbuster um die Ecke an.Die Story: Ein stummer Barkeeper ist in einem anchronistisch futuristischen Berlin auf der Suche nach seiner verschwundenen Freundin, die anscheinend ein Geheimnis hatte...Die Optik ist irgendwo zwischen futuristisch und Retro, irgendwo zwischen Hier und heute, Blade Runner und Metropolis. Das führte dazu, dass viele Leute wohl einen Sci-Fi Kracher erwartet haben, was aber spätestens nach dem ersten Trailer eigentlich hätte hinfällig sein müssen.
Auch sprechen viele Kritiker davon, dass Jones sich für Mute einfach nicht genügend Zeit genommen hätte, da die Story einfach auf sie unausgereift wirke. Auch das liegt einfach daran, dass die falschen Erwartungen geschürt sein dürften, denn die Story ist so persönlich und lang, dass ganz klar ist, wieviele Gedanken er sich gemacht hat und wieviel Zeit er sich genommen hat.
Im Grunde genommen ist der Film einfach optisch auf Hochglanz getrimmter Noir, der seine optischen Sperenzchen nur deshalb hat, damit er sich einer zeitlichen und örtlichen Zuordnung entzieht, um durch seinen Anachronismus einfach mal als Zeitlos dazustehen. So laufen zB die ganze Zeit über in Berlin Amish People herum, was in keiner Zeit jemals Sinn ergeben dürfte. Gleichzeitig ist der Film eine Liebeserklärung an Berlin und dabei ist es iohm egal, was das Publikum von ihm will. Das stößt viele Leute vor den Kopf, das schadet seiner Karriere, und möglicherweise gaukelte er Netflix auch was anderes vor, als er sich das Geld für die Produktion des Filmes dort holte. Aber das alles macht Mute noch zu keinem schlechten Film. Der Inhalt entscheidet darüber, ob Mute gut oder schlecht ist.Und da ist der Film leider wirklich nur durchschnittlich. Das liegt daran, dass es eigentlich Jones erster Film ist, den er damals hat einfach nicht produziert bekommen. Und wenn man sich das als ein Debut anschaut, dann ist der Film einfach nicht schlecht. Die zweigeteilte Erzähstruktur mag befremdlich wirken, aber macht spätestens mit der Auflösung nach etwa der Hälfte des Films durchaus Sinn und was danach entspinnt, ist auch nicht von schlechten Eltern, nur halt nicht das wofür die Leute ihr Kinoticket gelöhnt hätten.Wenn man dann noch die Widmungen sieht, dann weiss man, dass das für Jones sicherlich kein Maintreambelustigungsfilm ist, sondern eine Herzensangelenheit, ein zutiefst persönliches Anliegen. Dass er das so drehen durfte, dafür darf er sich artig bei diesem ominösen Streaminganbieter bedanken, abwischen und endlich auch mal wieder einen Film für uns machen, denn das Talent dafür hat er allemal.Kurzes Fazit: Ein komplett mißverstandener kleiner geradliniger Neo-Noir-Krimi, der keinerlei Bäume ausreißt, wahrscheinlich sich die Produktionskosten durch seine visuelle Aufmachung erschlichen haben dürfte, den man wenigstens ohne Vorkenntnisse schauen sollte und erst dann urteilen.
Allemal 6 Punkte