Review

Geschenktem Gaul schaut man nicht.... Genau deshalb also die zwei von der OFDb so generös vergebenen Freikarten fürs lokale Programmkino um die Ecke eingelöst und mit einigermaßen diffusem Erwartungshorizont in den Film-Event geeilt. Event deshalb, weil Produzentin/ Nebendarstellerin (Marina Anna Eich) und Produktions-Assistentin von Ort waren, um einleitende wie abschließende Statements ans nur mäßig interessierte Publikum zu richten und die wenigen Nachfragen wortreich zu beantworten. Zudem hatte der einschlägig bekannte Joy-Club im Vorfeld eifrig die Werbetrommel gerührt und durfte sich als Koop-Partner ins Szene setzen.
Sei's drum, irgendwann wurden die Spotlights runter geregelt, der Vorhang teilte sich - und Regisseur Roland Rebers jüngstes Schau(er)spiel ward dem geneigten Betrachter offenbart.

Eine Offenbarung war's nun nicht; eher eine heterogene und massiv zwischen Satire, Porn und Fake-Dokumentation oszillierende Nummern-Revue mit wenigen Höhepunkten (sic!) und ziemlichen Längen. Dass Hauptdarstellerin Antje Mönning ihr übermäßg geschminktes Gesicht, ihre buchstäblich spitzen Brustwarzen und ihr nicht selten an Vollzeit bekiffte Zeitgenossen erinnerndes Dauergrinsen in die Kamera hält, nervt irgendwann ist aber durchaus zu ertragen. Dies gilt weniger für diewiederholten musikalischen Intermezzi, in denen eine in weißes Engelskostüm geflüchtete Darstellerin ihr "Röslein auf der Heide" krächzt - wohingegen die Parts auf der Querflöte sehr wohl zu überzeugen wissen. Überhaupt erheischt der begleitende, oft rohe und stark rhythmisierte Score einen ganzen Zusatzpunkt in der Endbewertung. Diesen verliert er auf der tontechnischen Ebene fast zur Gänze in jenen Szenen, in denen die Motorgeräusche des Range Rovers die Dialoge im Fahrgastraum gänzlich übertönen.

Über die Handlung selbst gibt es wenig zu berichten, das meiste ist im besten Sinne Stückwerk: automobiles Fahren in immergleichen leeren Landschaften,photographierte Interviews mit gefrusteten Frauen und verunsichtern resp. agressiven (und/oder rollstuhlenden) Männern, die sexualisierte Form vom "Tor des Monats" oder "Lanz".

Dazu immer wieder Video-Schnipsel und zwei-drei explizite Szenen, in denen der auch qua Titel suggerierte Saft eine Rolle spielt. Um es kurz zu machen: für einen Porno zu harmlos, für eine allein auf Satire bauende Doku zu zahnlos, und für alle übrigen Erwar-tungshungrigen zu langweilig. Das ist insgesamt viel zu wenig, um die hier in der OFDb bislang vergebenen Höchstnoten zu rechtfertigen. Deshalb auch verbleiben hier nur 4/10, dafür aber 1 für die professionelle Aufnahmetechnik etc., 1 für den kollektiven Einsatz des gesamten Ensembles (vor = hinter der Kamera), 1 für die szenische Gestaltung (Räumlichkeiten, Dekor) und schlußendlich 1 Punkt für den Mut, diesen reichlich kruden Film jenseits aller Förder- und Vertriebsstrukturen realisiert zu haben.

Mit der aktuellen Diskussion um #metoo und Neo-Feminismus hat diese Streifen übrigens nicht das Geringste zu tun. Eher im Gegenteil.

Randnotiz: Das Apollo-Kino in Hannover-Linden ist als reines Programmkino eines meiner Liebllings-Filmstätten, und nur hier hat ein so schräger, d.h. gegen jedweden Mainstream produzierter Streifen für wenigstens einen Abend die Chance, ein Publikum zu finden.

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