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Im Grunde war sich die breite Masse einig über den langsamen Niedergang eines Nicholas Cage, der gefühlt seit Jahrzehnten in zahlreichen B-Gurken mitmischte und dabei oft eindimensionale Figuren verkörperte. Regisseur Panos Cosmatos hingegen spaltet das Publikum, - nicht wegen Cage, sondern wegen seiner ungewöhnlichen Verpackung.

1983 in den einsamen Bergen Kaliforniens: Holzfäller Red (Cage) führt eine ruhige, harmonische Beziehung mit Mandy (Andrea Riseborough), als plötzlich eine Hippie-Sekte unter der Führung von Jeremiah (Linus Roache) aufkreuzt, Mandy entführt und ermordet.
Red sieht Rot und schwört Rache…

Eine Stunde Vorlauf, bis endlich ein Ereignis aufhorchen lässt, - echt jetzt?
Besonders die erste halbe Stunde offenbart sich als hartes Geduldspiel, denn inhaltlich passiert nicht mehr, als dass man sich über Lieblingsplaneten unterhält und eine Hinterwäldler-Sekte einführt, die kein Klischee seit den Siebzigern auslässt.
Eine Mischung aus Meditation und Fiebertraum, bei der immerhin eine unheilvolle Symbolik mitschwingt.

Mit dem Ableben der Geliebten darf sich Cage mal wieder so richtig austoben und hat definitiv seine stärkste Szene, als er im Bad zur Pulle greift und zwischen extremen Emotionen schwankt, was alles in einem Take eingebunden wurde. Daraufhin folgt der Rachefeldzug, der in Sachen Gewalt gar nicht mal so derbe ausfällt: Die Spitze einer Streitaxt landet im Mund, die andere Seite in einem Hinterkopf, Augäpfel ploppen hervor und es gibt ein paar Stichwunden. Darüber hinaus fällt die uneinheitliche Herangehensweise auf, denn ein, zwei Ableben werden gänzlich ausgeklammert und während der butüberströmte Cage oft minutenlang einen Punkt fixiert, lässt er an anderer Stelle einen lockeren Spruch los.

Auf optischer Ebene verbreitet Cosmatos indes ganz harten Tobak, denn nicht nur die körnigen Bilder sind anstrengend, sondern der im Verlauf zunehmende Einsatz intensiver Farbfilter, primär rot. Das wird auch noch vermengt mit Zeitlupen, Überblendungen und zahlreichen zu dunklen Szenen und schon entsteht eine stilistisch penetrante Mischung, die unter Einfluss bewusstseinserweiternder Mittel bestimmt schick aussehen kann. Schade um den Score des 2018 verstorbenen Jóhann Jóhannsson, der mit zahlreichen Klangteppichen und ausgetüftelten Hüllkurven eine starke Untermalung beisteuert.

Nach rund 121 Minuten Delirium, bei dem drei Zeichentrickeinschübe beinahe wie ein kurzes Aufwachen anmuten, ist eines klar: Ein konventioneller Rache-Thriller sieht anders aus. Das darf man super finden, oder bereits in der ersten halben Stunde einschlummern. Tatsache ist aber, dass die ohnehin schon dünne Story unter den schwachen Figurenzeichnungen und der mangelnden Action leidet, denn ein luschiger Fight ist echt wenig für etwas, das nach Arthaus-Herzschmerz schreit.
4,5 von 10

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