Emanzipation des Grauens
Romero hat mal gesagt, dass es nur einen seiner Filme gäbe, den er gerne remaken würde - "Hungry Wives" aka "Jack's Wife". Oder wie er nach dem Zombie-Boom betitelt wurde: "Season of a Witch". Man kann es ihm nicht verübeln, dieses steife Vorstadt-Drama über dezenten Okkultismus und eindeutigen Feminismus ist eines seiner lahmsten und unausgegorensten Werke. Alles wird hier nur angedeutet, ganz wenige Ideen oder Motive werden zu Ende gebracht oder spannend aufbereitet. Alles plätschert dahin. Ein weiblicher Vorläufer von "Martin", Romeros kleine "Belle de Jour" - nur leider beiden in allen Belangen unterlegen. Eine interessante Fingerübung auf dem Weg zu Größerem, mehr sind diese unterdrückten Vorstadthexchen nicht. Wenn mir allein die eigentlich interessanten Nebengeschichten durch den Kopf gehen (wie die verschwundene Tochter), die komplett im Sand verlaufen, dann schüttelt sich mein Kopf ganz automatisch.
Wir folgen der intellektuell wie sexuell frustrierten Joan in ein glücklicheres, selbstbestimmtes Leben - als Hexe. Eine Wandlung, die viel Potential und Diskussionsstoff beherbergt. Auch Romero-typisch soziale Themen und Kritik. Leider verliert man trotz all dem schnell das Interesse. Einzig die Traumsequenzen sind effektiv, werden nur eben als Träume einem Großteil ihrer Wirkung beraubt. Zudem bleibt Joan einem fast fremd, zumindest schwammig bis unsympathisch und nervig. Was fatal ist bei der Protagonistin, fast einem Genickbruch gleicht. Vielleicht wäre diese seichte Emanze in ihrer Langfassung besser zu verstehen oder einzuordnen, doch diese ist seit dem Kinorun verschollen. Richtig zufrieden war mit "Season of the Witch" wohl niemand. Weder Romero noch die Produzenten. Von Zuschauern oder Kritikern ganz zu schweigen. Hier wäre auch ohne Zauberei mehr drin gewesen.
Fazit: ein lauwarmer Hexenkessel - nicht wirklich sexy, nur selten mit Anflügen von Spannung, stilistisch unspektakulär. Ganz sicher nicht Romeros feinste Stunde. Nur in seinen (angesetzten) feministischen Motiven und für Komplettisten interessant. Gerade so.