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kurz angerissen*

Unversehrt bleibt oft nicht nur der klassische Superheld im Gefecht. Auch wer Todeswünsche hegt, den straft der Sensenmann ironischerweise mit Ignoranz, und je achtloser man sich in die Kugeln wirft, desto mehr verbiegt sich ihre Flugbahn, um das Hindernis zu umgehen.

Nun war „The Most Dangerous Game“ noch nicht ganz der überzeichnete Comic im Sinne einer sich für den Protagonisten verbiegenden Realität, wie man ihn heute etwa von „John Wick“ spätestens in der vierten Ausgabe kennt, die in vielerlei Hinsicht einer „Matrix“ glich. Damals, in den 70ern, da war zwar alles noch rauer und echter, aber die Argwohn gegenüber dubiosen Kartellen, die am Rande der Grundordnung operierten, war bereits etabliert. In dem dreckig-düsteren Actionkrimi von Toru Murakawa war es lediglich die Hauptfigur, die aus einem Cartoon entsprungen schien. Matsuda konnte sich als ambivalenter Killer mit bildfüllender Präsenz ohnehin alles erlauben, so also auch, die vielen brenzligen Situationen zu überleben, die er selbst herbeiführte, bloß um in einem schnell abgekurbelten Sequel aufzutauchen, das einfach da weitermacht, wo der Vorgänger aufgehört hatte.

Narumis Unverletzbarkeit wird in „The Killing Game“ als eine Art Running Gag fortgesetzt, in einer Kaskade aus Fehlschüssen der Henchmen beziehungsweise Volltreffern des Killers, die sich fein säuberlich abwechseln. Dabei entstehen auch immer mal wieder aus der Bewegung heraus aufwändige Plansequenzen, in denen durch Türen hindurch nach dem Prinzip „Schiffe versenken“ die Position des Gegners ausgelotet wird. Der Ton wird dadurch comichafter, heller, heiterer, während Narumi, der sich im ersten Teil immerhin als misogynes Arschloch entpuppte, langsam doch etwas Kultiges zu umwehen beginnt, sicher auch der unwiderstehlichen Lässigkeit seines Darstellers zum Dank.

Dennoch klammert sich das Skript an altmodische Schemata der Killerfilm-Subkategorie. Man nehme nur die beiden neuen Frauen im Leben des Taugenichts: Eine Femme Fatale und eine Blüte der Unschuld, ganz wie im ursprünglichen Hardboiled-Noir, damals beim Attentat verschont und nach einem Zeitsprung wieder ins Leben des Killers getreten – ein Erzählmuster, das ebenfalls gerade erst bei „John Wick 4“ wieder zu sehen war, ganz zu schweigen von Daniel Craigs 007-Abschied „Keine Zeit zu sterben“. Und mit dem Traditionsbewusstsein kommt die Mäßigung, denn in Sachen Sex, Sleaze und Kaltschnäuzigkeit wird ein paar Nummern heruntergefahren.

„The Killing Game“ wirkt dadurch bisweilen ähnlich unentschlossen wie die Hauptfigur. Es wird nicht mehr der ganz heftige Punch ausgeteilt, mit dem ein tiefschwarzer City Noir den Zuschauer in die Seile jagen würde, und man fühlt sich nicht ganz so dreckig, wenn die Nummer durch ist. Eine gewisse Entschlossenheit ist aber doch zu spüren. Denn es ist längst offensichtlich, wo der Fixpunkt der sich anbahnende Trilogie zu finden ist: In der Aura von Yusaku Matsuda.

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