Wenn die Apokalypse um sich greift, bleiben manchmal Zombies übrig oder unbändige Naturgewalten vernichten große Teile der Erde. Bei Autor und Regisseur Perry Bhandal läuft die Chose deutlich gemächlicher ab, denn er schickt einen nicht näher definierten Wind ins Rennen um den Weltuntergang.
Noch auf dem Sterbebett der Mutter geht sie die Landkarte mit ihrem Sohn Sira durch. Der Weg soll ihn zum Ort der Wünsche führen, fernab vom tödlichen Wind, der bereits einen Großteil der Bevölkerung in den Städten zum Verhängnis wurde. Auf seiner Reise begegnet er der etwas jüngeren Lily, dem Scharfschützen Jay (Luke Goss) und der Lehrerin Jesse. Mithilfe seines Handscanners kann Sira den Wind orten, bevor dieser zuschlägt, doch…
Endzeitstimmung lässt sich zuweilen mit simplen Mitteln vorgaukeln. Man benötigt eigentlich nur einen einsamen Landstrich, hier eine Region in Sussex und möglichst wenig Hintergrund, wo eventuell noch Leben zu registrieren wäre. Viel erfahren wir über den Background des Windes allerdings nicht. Nach Gesprächen zu urteilen, wütet er seit drei Monaten und reagiert in erster Linie auf menschliche Geräusche. Gerät ein Opfer in den Strudel, erstarrt er zur Gesteinssäule, um kurz darauf zu Asche zu werden. Wasser in bestimmten geometrischen Formationen hält ihn teilweise auf, weshalb Siras Reise stets dicht an Gewässern entlang führt.
Eine wirkliche Figurenzeichnung erhält die Hauptfigur nicht. Der wortkarge Titelgebende offenbart nahezu keine Emotionen und reagiert lediglich auf den mitgeführten Scanner, der Aktivitäten der tödlichen Bedrohung im Vorfeld anzeigt. Um die anderen Charaktere ist es nicht wesentlich besser bestellt, nur Soldat Jay und Lehrerin Jesse erhalten vage Hintergründe.
Zudem gibt es Erklärungsansätze, warum sie bislang überleben konnten.
Den Wind mag man sich wie ein visualisiertes Energiefeld vorstellen, bei dem die Hintergründe leicht verzerrt werden, sobald er durch die Landschaft zieht. Das ist soweit okay getrickst und auch Kameraführung und Farbgebung sind in einigen Momenten stimmig. Allerdings herrscht, trotz leichtem Roadmovie-Charakters, ein deutlicher Mangel an Tempo und Action.
Demgegenüber wird es zum finalen Akt regelrecht esoterisch. Das Eingangszitat des Dichters und Mystikers Rumi nimmt bereits ein wenig den Austragungsort vorweg, welcher im Nachhinein mehrfach interpretiert werden kann. Genauso könnte eine Zeichnung auf eine bekannte Felsformation hinweisen, was für den restlichen Verlauf der Handlung jedoch ohne Relevanz ist, denn die Geschichte endet relativ offen und wäre bereit für eine Fortsetzung.
Hinsichtlich des finalen Eintauchens in kitschige New Age Gefilde muss dies jedoch nicht unbedingt sein. Passable Mimen und ein gefälliger, eingängiger Score verschleiern nicht, dass Bhandal wenig an der eigentlichen Bedrohung interessiert ist und folgerichtig nur selten Suspense generiert. Stattdessen mäandert das Geschehen deutlich zu gelassen vor sich hin, was einige atmosphärische Einschübe kaum aufwiegen können.
4 von 10