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Ein Mann, zwei Büroräume und einige Telefonate, - mehr benötigt es nicht fürs reine Kopfkino, welches fast schon als Hörspiel durchgehen könnte. Doch neben Elementen des Thrillers steht beim Debüt des Dänen Gustav Möller ein Charakterportrait im Mittelpunkt und diesbezüglich leistet Jakob Cedergren hervorragende Arbeit.

Polizist Asgar (Cedergren) wurde vom Streifendienst zur Tätigkeit in der Notrufzentrale Kopenhagen Ost degradiert und erhält eines Abends den Anruf von Iben, die sich offenbar aus dem Auto ihres Entführers meldet. Via Telefon lässt Asgar einige Kontakte spielen, um die Spur der Entführten aufzunehmen…

Puren Minimalismus und reines Kopfkino liefert Möller mit seinem Kammerspiel. Die ersten zehn Minuten nutzt er, um Asgar einzuführen, der am Telefon nicht immer den richtigen Ton trifft, bei einigen Kollegen nicht sonderlich beliebt scheint und zu allem Überfluss einen Tag später eine Anhörung vor Gericht hat, welche offenbar mit einem dienstlichen Vergehen in Verbindung steht. Als er jedoch den Anruf von Iben erhält und kurz darauf mit ihrer kleinen Tochter spricht, setzt er alles in Bewegung, obgleich er selbst zur Passivität verdammt ist.

Es ist eine mutige Herangehensweise, auf die Phantasie des Betrachters zu bauen und dabei die beiden Büroräume zu keiner Zeit zu verlassen. Aufgrund der wohl durchdachten Geräuschkulisse funktioniert das allerdings ausgezeichnet. Unweigerlich entstehen Bilder, etwa, als im Hintergrund die Kulisse einer Autobahn wahrzunehmen ist oder sich Schritte eines Streifenpolizisten bei der Inspizierung eines möglichen Tatortes mal entschlossener, mal zögerlicher anhören. Da Musik erst in den letzten Einstellungen erklingt, ist die volle Konzentration auf diverse Umgebungen gegeben.

Während Asgar quasi nur fernsteuern kann, erfährt man von der Bewandtnis des Titels, der auch mehrdeutig betrachtet werden kann. Es geht um Schuldzuweisungen, vorschnelle Beurteilungen, Wiedergutmachung und Eingeständnisse, was im letzten Drittel von einem zwar erahnbaren, jedoch durchaus effektiven Twist begleitet wird. Und über allem schwebt diese nachvollziehbare Hilflosigkeit, verbunden mit unvermeidbarem Kontrollverlust.

Cedergren im Fokus geht diese Angelegenheit recht bodenständig an und performt angemessen zurückhaltend. Nicht ganz unbedeutend sind in diesem Kontext die Synchronstimmen, die mit Matthias Klie, Bernd Vollbrecht und Ronald Nitschke definitiv Klasse aufweisen.

So wird dem Betrachter maximaler Gedankenraum für etwaige Abläufe gelassen, es geht nahezu durchweg spannend zu, während sich im Verlauf interessante Fragen um Verantwortung und Moral entwickeln. Ein gelungenes Kammerspiel mit ebenso gelungener Pointe.
7,5 von 10

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