Review

Überraschungserfolg aus Südkorea, der sich trotz einem bis dato unbekannten Regisseur, einem besseren Nebendarsteller als hier Zentrum der Personenkonstellation und einem vielzählig benutzten Sujet mit an die Spitze der Kinocharts setzen und dort im Gesamtjahr gesehen mit einem Einspiel von etwas über 50 Mio USD auf Platz 3 einrichten konnte; direkt nach den erwartbaren Publikumslieblingen A Taxi Driver und Confidential Assignment, die von vornherein auch schon auf Erfolgskurs gingen. (Abgehängt wurden bspw. die wesentlich teueren The Battleship Island und The King sowie die rein kommerziell angelegte Actionkomödie Midnight Runners.):

Der muskulöse Polizist Ma Seok-do [ Ma Dong-seok ] hat mitsamt seiner Truppe der Serious Crime Unit unter gemeinsamer Führung des Vorgesetzten Chief Jeon [ Choi Gwi-hwa ] bis dato 'sein' Viertel  Garibong-dong, Guro-gu, Seoul gut im Griff, muss bei dem ersten Auftreten des aus China, speziell Harbin stammenden Gangstertrios um Jang Chen [ Yoon Kye-sang ] schon passen und sieht sich sonst auch lange nachteilig belegt. Selbst die lokale und bislang wenig zimperliche Gangsterschaft lässt sich von den gänzlich gewissenlosen Neuankömmlingen ins Bockshorn jagen, und die Bevölkerung ist von dem neuen rauhen Ton mehr als verschreckt. Ma ruft zur Gegenwehr auf.

Mit ein Grund für den Zuspruch der Zuschauerschaft hier war sicherlich die durchweg positive Mundpropaganda und eben der Anschein der Leichtigkeit, die die Produktion verströmt; ein unverkrampfter Ansatz auf die ewige Geschichte von den Streitigkeiten der zwei Seiten der Kriminalität, zu denen links die Bewahrer des Gesetzes und rechts eben die Brecher und Ausnutzer der Illegalität gehören. Unterhaltung, die in jedem Lande zur auch hauptsächlichen Motivation der dafür extra und dafür auch gerne zahlenden Kundschaft gehören, und hier mit einer Lässigkeit geboten und verströmt wird, aber eine dramaturgische Komponente von der ursprünglich als Crime City betitelten Umgebung keineswegs vergisst und mit diversen Konflikten und Komplikationen zur Spannungserzeugung am arbeiten ist.

Auch der erste Hinweis auf wahre, 2007 als “Heuksapa Incident" bekannt gewordene Begebenheiten und der Zustrom von chinesischen Einflüssen auf die hiesige koreanische Gangsterszene, das sich Breitmachen von ursprünglich außerhalb befindlichen Strömungen auf ein bis dato lokales und bis dahin auch soweit unter Kontrolle gehandhabtes kriminelles Imperium à la The Yellow Sea (2010) und The New World (2013) dürfte mit zum Reiz der Materie geführt haben, die mit ihren teils verschiedenen Stimmungen auch schnell verschiedene Richtungen anpeilen könnte und dennoch strikt den Weg des dramturgisch sicheren Aufbaus geht. Dabei wird gleich die 'Rettung' des Szenarios in das Spiel gebracht, der Polizist Ma, ein Kerl wie ein Baum und auch der Fels in der Brandung, der Haltepunkt des Gewusels hier in Chinatown, dass anfangs schon ein Durcheinander ist und durch das Eintreffen der "All out" - Neuankömmlinge nochmal vollkommen durcheinander gewürfelt wird.

Bisherige Regeln, in denen auch mal mit den Gangstern geredet und sie überredet werden, haben von nun an keine Bewandtnis mehr, und auch wenn vorher schon Konflikte gewalttätig ausgetragen wurden, wurden die Gegenüber nicht wahllos abgeschlachtet und nicht ihre Einzelteile in der gesamten Gegend zum Auflesen verstreut. Der neue Einfluss, der das Areal mit seiner Skrupellosigkeit und der Gnadenlosigkeit verstreckt, lähmt, überrennt, und die Konstante durch den Cop, der in seiner klein geschrumpften Mannschaft eher die Mitäufer hat und allen anderen immer mehrere Gedanken voraus ist und durch seine Körperlichkeit und die damit verbundene Selbstsicherheit schon von vornherein überzeugt, trafen dabei schon zu einem frühen Augenblick aufeinander, unwissend voneinander noch, was da auch Schuld des Polizisten war, der der Routine erlegen ist und quasi betriebsblind, der zu nachlässsig wurde und von sich zu sehr überzeugt. Ein erster Fehler, der noch einen zweiten nach sich zieht,  ab dann an dann aber nicht mehr wiederholt und die Geschichte in einer dann umso enger geschnürten Parallelerzählung weiter bis zum unerbittlichen Showdown verfolgt.

Debütant Kang Yoon-song, der auch das Skript geschrieben hat und sich sowohl in Text als auch im Bild nicht bloß auf die Hauptfiguren, sondern auch mehrere Nebenschauplätze und die Verstrickungen miteinander konzentriert, erschafft dabei – anders als es das Marketing eingangs suggerieren möchte – eine präzise Stiummung der Bedrohlichkeit und der allgegenwärtigen Gewalt. Eine Einschüchterung der Umgebung durch das Gebaren der Neuankömmlinge, die sich wie die Axt im Walde aufführen und ihrem "some next level shit", die gleichsam nicht nur auf die Bewohner und Geschäftsleute hier, sondern sich auch auf den Zuschauer überträgt; stets ist die nächste Eruption im Anmarsch und eine Erlösung davon und des gebotenen Hassenswerten der Antagonisten Ewigkeiten nicht in Sicht. Park arbeitet in seiner Inszenierung dabei auch reichlich manipulativ, was als gefühlt großes Manko des Ganzen aufstoßen könnte, da der Zuschauer passiv ist und nicht reagieren kann und die Figuren im Film, allen voran auch die Polizisten lange Zeit nur hinterher laufen und nicht adäquat reagieren. Der Showdown selber als späte Wiedergutmachung, werden vorher aber nach allen Regeln der Kunst, aber eben auch dies sehr offensichtlich mit den Emotionen des Publikums gespielt, und trotz zwischenzeitlicher salopper Sprüche und einiger kleiner, auch direkter Actionszenen (wie eine Polizeirazzia samt Sprung durchs Fenster aus dem 2. Stock und anschließend kurzer Verfolgungsjagd in einem Schnitt, und eine wüste Prügelei auf einer Geburtstagsfeier nach einem 'Gasanschlag', ebenso in einem Take) ist der Film das Gegenteil von unterhaltend im amüsanten Sinn.

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