Review

Als Regie-Assistent konnte Vaughn Stein (Pirates of the Caribbean, Les Misérables, World War Z etc.) jahrelang Erfahrung sammeln, sodaß die Erwartungshaltung für seinen ersten eigenen Spielfilm entsprechend hoch anzusetzen war, zumal die Darsteller-Riege prominent besetzt ist - doch herausgekommen ist inhaltlich ein vollkommen belangloser Mischmasch um eine handvoll unsympathischer Charaktäre, der im Stile einer Comic-Adaption inszeniert zwar grandios abgefilmt wurde, hinterher aber nur ein Gefühl großer Leere, wenn nicht gar Zeitverschwendung hinterläßt.

Die Kellnerin Annie (Margot Robbie) führt ein Doppelleben: als Auftragskillerin sieht man sie zu Beginn bei einem konspirativen Gespräch mit einem ominösen Don in einem Beichtstuhl - später ist sie dann in einem 24-Stunden-Imbiß als Barkeeperin am titelgebenden Terminal beschäftigt, einer riesigen Bahnstation inmitten einer namenlosen US-Metropole. Dort ist gerade der Lehrer Bill (Simon Pegg) ausgestiegen, der nach einer niederschmetternden Krebs-Diagnose in der menschenleeren Halle nach einem Zug sucht. Als er vom Hausmeister (Mike Myers) erfährt, daß um diese Zeit nichts mehr fährt, setzt er sich in die Bar, wo die redselige Annie ihn in ein Gespräch über verschiedene Suizidarten verwickelt.
Später tauchen in einer Rückblende dann noch die beiden Hitmen Vince (Dexter Fletcher) und Alfred (Max Irons) auf, die in einem Schließfach ebenjenes Bahnhofs einen schwarzen Koffer mit Anweisungen für einen Auftragsmord vorgefunden hatten - auch sie machen Annies Bekanntschaft.

Der Sinn dieser episodenhaft vorgetragenen Szenen erschließt sich dem Zuschauer leider zu keiner Zeit - irgendwie hat alles mit Annie zu tun, aber ob sie selbst, dem Titel entsprechend, Rache übt (und wenn, wieso?), bleibt während der langen, wenig ergiebigen Dialoge unklar. Als sie dann von einem Skalpell - ihrer zweitschärfsten Waffe nach ihrem Mundwerk - endlich Gebrauch macht, ist schon der halbe Film vorüber und auch danach wird kaum ein roter Faden erkennbar. Des Regisseurs Versuch, die vertrackte Erzählstruktur eines Pulp Fiction nachzuahmen, scheitert kläglichst. Stattdessen suhlt sich Terminal in extrem stylischen Bildern von farbenfroher Neon-Reklame in einem nächtlich-düsteren riesigen Bahnhof - hier fühlt man sich streckenweise an Sin City erinnert, freilich nur an dessen bildgewaltige Kulissen, denn storytechnisch liegen Welten zwischen diesen beiden Filmen. Wozu der hoch gelegene, riesige Raum unter der Dachkuppel mit seinem durch Stege zu erreichenden gähnenden Loch in der Mitte überhaupt gut sein sollte (hat mit einem Bahnhof oder auch einer Industrieanlage nämlich überhaupt nichts zu tun) bleibt ebenso unerklärt wie die riesige runde Schaltzentrale am Schluß, die an ein russisches AKW der Sechziger erinnert - beides zwar beeindruckende Kulissen, aber eben ohne jeden Bezug zu irgendeiner Realität.

Margot Robbie immerhin genießt ihre Rolle, die ihr vollkommene Überlegenheit über die vier Herren sichert - ein recht billiges Vergnügen übrigens, denn keiner der vier (mehr werden es im ganzen Film auch nicht) kann der auf bestenfalls mittelmäßigem Niveau agierenden Australierin auch nur annähernd Paroli bieten: Angefangen vom todkranken Lehrer, der anfangs angesichts zweier Taschenräuber noch eine gute Figur macht, über den gelangweilten Profikiller Vince und seinen Adepten, den schleimigen Alfred bis hin zum unterwürfig-schreckhaften Hausmeister Clinton sind hier nur klischeehafte Flachpfeifen am Werk. Wie die durchweg uninteressanten Figuren mit Annie zusammenhängen, wird übrigens erst in den allerletzten Minuten des Films aufgeklärt und ist dabei derart banal und (inklusive einer auf den letzten Filmmetern noch eingeführten neuen Figur) an den Haaren herbeigezogen, daß sich, wer bis dahin tapfer durchgehalten hat, über solch geistlosen Schwachsinn nur noch ärgern mag.

Während also Margot Robbie hier eine Art Personality-Show (mit reichlich Anleihen an ihre Harley-Quinn/Suicide Squad-Rolle) abzieht, wird der anfangs interessierte Zuschauer mangels Handlungsentwicklung und damit dem Fehlen jeglicher Spannung langsam aber sicher immer schläfriger, gerade noch wachgehalten von blinkenden Neonlichtern und grellen Farbkontrasten. Da nützt auch die attraktive Margot Robbie nichts, die ohne adäquaten Gegenpart eigentlich auch gleich ganz allein Monologe hätte halten können: Terminal bietet zwar bildtechnisch eine beeindruckende Fassade, hinter der sich jedoch buchstäblich nichts befindet. Geblendet von dieser Fassade kann man vielleicht ein paar Punkte vergeben, mir kommt es jedoch mehr auf den Inhalt an, und der ist in diesem gekünstelten Neo-Noir schlichtweg nicht vorhanden: 1 Punkt.

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