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Wie man das Leben in deutschen Provinznestern aufs Korn nimmt, offenbaren diverse Teile der Eberhofer-Krimis, die mit skurrilem Humor und ebenso skurrilen Figuren aufwarten. Das Herzblut ist dem Regiedebüt von Lisa Miller zwar anzumerken, doch spätestens nach einer Stunde des ländlichen Treibens macht sich die fehlende Dramaturgie bemerkbar.

Trotz erfolgreicher Abschlüsse gelang es Toni (Kathrin Wolf) nicht, in Berlin als Journalistin durchzustarten, wonach es sie zu ihren Eltern in den Heimatort Bubenhausen im Kreis Neu-Ulm zurückzieht. Rasch freundet sie sich mit der lokalen Sozialarbeiterin Rosa (Nadine Sauter) an, welche aufgrund ihrer Sexualität bei vielen Einheimischen aneckt. Doch auch Toni scheint grundlegend gegen den Strom zu schwimmen…

Das per Crowdfunding realisierte Projekt mit zahlreichen Laiendarstellern punktet im ersten Drittel mit seinem authentischen Ambiente, obgleich man als Westfale oftmals nur einen Bruchteil des Schwäbischen versteht. An vielen Stellen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wodurch Toni zunächst wie ein kleiner Fremdkörper anmutet, was ihrer Mutter mit Hinweis auf die Nachbarn (der Klassiker) mehrfach bitter aufstößt. Allerdings spielt Miller zu sehr mit dem Offensichtlichen, denn so goldrichtig die Besetzung der lesbischen Rosa durch Nadine Sauter auch ist, so wenig überrascht das Schicksal dahinter und etwaige Entwicklungen bleiben entweder unpointiert oder zumindest erahnbar.

Was vielleicht auch daran liegt, zu viele Unterthemen mit der Provinzposse anzusprechen. So tauchen zwar auch Flüchtlinge auf, doch bis auf einen wichtigen Satz eines Somaliers, langt es nur bis zu einem „Neger – des hob I escho als Kind gsagt“ als wenig reflektiertes Statement. Die Rolle der Kirche hinsichtlich sexueller Orientierungen wird ebenso angekratzt wie die Funktion überforderter Dorfpolizisten, doch der Stoff wird dabei selten griffig und plätschert stattdessen zur nächsten Momentaufnahme, von denen insgesamt zu viele ohne wirklichen Inhalt vorkommen.

Stark ist er indes im Zusammenspiel der besseren Mimen, was im Grunde nur auf die drei Hauptfiguren des Frauenportraits, einschließlich Tonis Mutter (Heidi Walcher) zutrifft. Hier spielt die Kamera zuweilen gekonnt mit einigen ungewöhnlichen Perspektiven, während die Charaktere glaubwürdig rüberkommen. Jedoch drehen sich auch hier die Entwicklungen ein wenig im Kreis und man hätte sich zumindest das eine oder andere einschneidende Ereignis gewünscht.

Auf der Suche nach Identität und Bestimmung im Umfeld von Engstirnigkeit und Vorurteilen, - eine Weile lang ist der Stoff ein Selbstläufer, doch nach geraumer Zeit stellt sich durchaus die Frage, wo der denn hin will. Zumal letztlich viele Klischees und Stereotypen im Raume stehen, deren Auftauchen größtenteils erst gar nicht hinterfragt wird. Ein Heimatfilm mit sympathischen Ansätzen, der aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, Humor und Drama in Einklang zu bringen.
5 von 10

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