„Geist…,Digger, ist irgendjemand am Start?“
Wenn die Generation der Social-Media-Huren und Videotagebuchlaberer ein Horrorgebäude betritt, ist es schwer, den wahren Horror außerhalb der Figuren zu finden.
Eine Gruppe von jungen Leuten rund um Marnie will einige Geheimnisse in den verwaisten Heilstätten nahe Berlin aufdecken. Mit allerlei Kameras ausgestattet und die Räumlichkeiten erkundend, geht alsbald der Generator aus und das Muffensausen um…
Es war schon immer so, dass ältere Generationen junge Menschen nicht so recht verstehen, zuweilen auch akustisch. Hier finden sich bis auf zwei Ausnahmen ausschließlich Selbstdarsteller mit Hang zum Hyperaktiven, deren Vokabular oftmals nicht über Begriffe wie „Alter…“, „Fuck“, „Krass“, oder als Kombi „Krass, Alter, oh fuck“ hinauskommt.
Die Grundvoraussetzungen fürs spätere Mitfiebern sind nicht gerade übelst nice, Bitch.
Aber die Kulisse der Beelitz-Heilstätten (in Grabowsee wurde der Dreh aus nachvollziehbaren Gründen verweigert) gleicht da so einiges aus, zumal Regisseur Michael David Pate ein gutes Gespür für effektive Perspektiven und entsprechende Ausleuchtungen mitbringt. Er hätte allerdings gut daran getan, nicht ständig auf Schnittgewitter und überstrapazierte Wärmebildkamera zu setzen, da das Visuelle auf Dauer recht anstrengend ist.
So gehen Personen verloren, andere werden in einem gesundheitlich prekären Umstand entdeckt, es gibt tiefe Gruben und einige zurückgelassene Requisiten der ehemaligen Heilstätte für Lungentuberkulose und den einen oder anderen Erschreckmoment, der teilweise auf paranormalen Erscheinungen beruht. Als Sympathieträgerin kristallisiert sich eigentlich nur Marnie heraus, da diese eher bodenständig bleibt und weitgehend rationale Entscheidungen fällt, zumal ein Bolzenschneider wahrlich vielseitig verwendbar ist.
Spätestens mit dem Stromausfall ist ein finaler Twist zwar erahnbar, doch er vermag dennoch einigermaßen zu überraschen. Die mitschwingende Message hätte man ein wenig subtiler verpacken können und die allerletzte Einstellung ergibt wenig bis gar keinen Sinn, doch unterm Strich ergeben sich durchaus einige atmosphärische und ein paar blutige Momente.
Die Zielgruppe ist klar und folgerichtig sind kaum Innovationen auszumachen, doch in Sachen Found Footage geht das Ding beinahe schon in Ordnung.
5 von 10