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Aufbauend auf der Subkultur der Videoblogger und Influencer wagen sich ein halbes Dutzend junger Leute in ein stillgelegtes ehemaliges Sanatorium, das angeblich verflucht sein soll: Zwei junge Berliner, in Punkto Geschwätzigkeit ihren US-amerikanischen rappenden Vorbildern nicht nachstehend, betreiben einen Prankstaz genannten Videokanal und matchen sich dabei schon seit einiger Zeit mit ihrer Intimfeindin, einer aufgedackelten Schwarzhaarigen, die ihrerseits einen rosa Plüsch-Kanal betreibt. Was beide eint, ist die Jagd nach immer mehr und höheren Klickzahlen, das Mittel ihrer Wahl sind "krasse Videos", die sie zu diesem Zweck drehen und hochladen.
Einige verlassene Gebäudetrakte einer früheren Klinik in einer ländlichen Umgebung von Berlin sind also nun Schauplatz und Drehort jener "krassen Videos", für die es außer einer großen Klappe aber keinerlei Drehbuch oder gar Vorbereitungen gibt. Um an diesen Ort zu gelangen, bedürfen die Vlogger der Hilfe eines anderen jungen Burschen, der dort im Sommer Führungen begleitet und sich vor Ort auskennt - übrigens auch über den geschichtlichen Hintergrund der Einrichtung, wurden dort doch einst Euthanasie-Experimente der Nazis an Tuberkulose-Patienten durchgeführt. Gemeinsam mit einem weiteren Pärchen aus ihrem Dunstkreis kommen die erlebnishungrigen Twens also dort an, knipsen kurzerhand die Kette der Umzäunung mit einem Bolzenschneider durch und stehen kurze Zeit später in einem der verlassenen Räume, wo alsbald diverse Kameras aufgebaut werden. 24 Stunden soll der Aufenthalt dauern, und falls sich tatsächlich Geister zeigen, werden diese selbstverständlich sämtlichst aufgezeichnet - als aufklärerisches Feigenblatt ihrer lautstarken und wenig pietätvollen Aktion. Aber dann passieren Dinge, die die sonst so sehr von sich selbst überzeugte Generation Internet ins Grübeln bringen, ein Grübeln, das schließlich in nackte Angst umschlägt...

Ein deutscher Horrorfilm bei Netflix ist an sich schon eine kleine Besonderheit, und da Heilstätten noch nicht einmal einen englischsprachigen Titel hat, in jedem Fall einen Blick wert. Leider stellen sich sämtliche Darsteller schon nach kurzer Zeit als nicht nur nervtötend quasselnd, sondern in ihrer vorgetragenen Möchtegern-Coolness auch als völlig austauschbar dar, und es ist ziemlich egal, wer hier einen Chris, eine Marnie oder einen Charly spielt, keinen der beliebigen Darsteller muß man namentlich erwähnen oder sich gar merken. Dazu kommt der Einbau diverser Found-Footage-Sequenzen (obwohl der Film nicht in dieses Genre fällt) mit der typischen wackeligen Handkamera, diversen Nachtsicht-Perspektiven und teilweise auch noch einer Wärmebildkamera.
Positiv zu vermerken ist immerhin die Location, denn die zerfallenden Gebäude bei Oranienburg bieten für eine Haunted-House-Geschichte einen geradezu perfekten Hintergrund, aus dem leider viel zu wenig gemacht wird. Die nächtliche Jagd durch finstere Gänge voller Staub, Schutt und zurückgelassenen Gegenständen wird dank der Wackelbilder zusehends zur Augenqual, denn die Kamera verharrt zu keiner Zeit an einem Punkt, sondern reißt den Zuseher hektisch mit sich, begleitet vom Gekreisch der aufgeschreckten Mädels. Auch der angeschnittene geschichtliche Hintergrund dient nur als Staffage, und als irgendwann die diversen Batterien versagen und es dunkel wird, streiten und zerstreuen sich die jungen Leute in alle Richtungen, der Kardinalfehler in soundsovielen Horror-Flics.

Wenn es dann ans Eingemachte geht und langsam langweilig zu werden scheint (die Ideen mit einem freiliegenden Schacht oder einer Blutdusche sind alles andere als neu), wartet Heilstätten dann immerhin noch mit einem so nicht zu erwartenden Plot Twist auf, dessen blutige Konsequenz allerdings graphisch stark abgekürzt erscheint und der darüber hinaus auch nicht wirklich zu Ende geführt wird. Ein wenig dramatisches Finale beschließt dann diesen Streifen, der hauptsächlich gemischte Gefühle hinterläßt. Kann man sich reinziehen, muß man aber nicht gesehen haben: 5 Punkte.

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