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Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ist ein Buch

1959, England. Die Witwe Florence Green (Emily Mortimer) hat einen Traum: Sie will in der lauschigen Stadt Hardborough einen Buchladen eröffnen. Das freut nicht alle. Besonders die reiche Dame Violet Gamart (Patricia Clarkson) nimmt Anstoss an Florences Plänen. Gamart hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, im alten Haus ein Kunstzentrum zu eröffnen. Sie lässt ihren Einfluss spielen, bis sich die ganze Stadt gegen den Buchladen verschworen hat. Florence kann lediglich auf die Unterstützung ihrer jungen Angestellten Christine (Honor Kneafsey) zählen. Und auf den Rat des schrulligen Bücherwurms Edmund Brundish (Bill Nighy). Doch reicht das, um gegen die gesellschaftliche und politische Intrige zu bestehen?

Schon der Trailer zu The Bookshop (2017) lässt Übles erahnen: bemühte Streicher säuseln ein stereotyp »gefühlvolles« Stück, und Bill Nighy lässt pathetische Lebensweisheiten vom Stapel. Kitsch wohin das Auge reicht, so scheint es. Leider ist das Resultat fast noch schlimmer, als der Trailer erahnen lässt. Ein bisschen Kitsch hat noch niemandem geschadet. Aber langweiliger Kitsch? Hilfe! The Bookshop krankt vor allem an einer unglaublich öden Prämisse, die von Nahem besehen noch nicht einmal viel Sinn ergibt. Die böse Violet Gamart ist also gegen Florences Buchladen. Sie will ein Kunstzentrum einrichten. Okay? Weshalb ausgerechnet dort? Es gibt auch noch andere Grundstücke, wie der Film sogar selbst klarstellt. Gibt es einen Grund, weshalb Gamart nicht dort ihr Kunstzentrum aufbaut? Nö. Jedenfalls nennt das Drehbuch keinen. So müssen wir davon ausgehen, dass Gamart eine böse Hexe ist. Einfach nur so, weil es ihr Spass macht. Öhhh. Sorgfältige Charakterzeichnung sieht anders aus.

Die Hauptfigur Florence ist nur unwesentlich tiefgründiger. Von ihr wissen wir, dass ihr Mann tot ist. Und ach ja: Sie liest gerne. Das ist alles. Dann gibt es da noch den blasierten Lebemann Milo North (James Lance), der so ziellos herum chargiert, dass es beinahe weh tun. Am liebsten würde man ihn durchschütteln und anschreien: »Alter, was ist los mit dir?« Auch die junge Schülerin Christine, die Florence zur Hand geht, scheint nur eine einzige Aufgabe zu haben: möglichst niedlich auszuschauen. Wenn es einen Preis für die undurchsichtigsten Motive von Filmcharakteren gäbe, wäre The Bookshop weit vorne mit dabei. Na gut, lassen wir kurz Fairness walten. Kann ja sein, dass die Regisseurin Isabel Coixet (My Life Without Me) das absichtlich so inszeniert hat. Dass sie die Gefühle der Dörfler absichtlich verschlossen hat. Eine Montage gegen Schluss des Filmes lässt diese Interpretation zu. Sie lässt die Bösen allesamt kurz und mysteriös in die Kamera blicken. Hmm. Nein, ganz ehrlich: Auch das wirkt eher läppisch.

Der Film ist genau das, was er zu sein scheint: Die angestaubte Geschichte einer sensiblen Frau, die von der Gesellschaft verstossen wird. Diesem Topos lässt sich durchaus etwas abgewinnen. (Man denke an den diesjährigen Oscar-Gewinner The Shape of Water.) Aber nicht, wenn es so plump und bemüht daher kommt. Da hilft auch die Romantisierung des guten alten Buches nichts. Das Motiv des Buchladens macht nur noch deutlicher, dass wir es hier mit einem hoffnungslos rückwärts gewandten Werk zu tun haben, das stilistisch nichts wagt und ein Drama ohne echte Dornen bietet. Kaum eine Einstellung sticht hervor, die Inszenierung ist bieder und eigenschaftslos. Einzig Bill Nighy hinterlässt einen Eindruck, da er zumindest ansatzweise etwas Tiefe in die Geschichte bringt. Aber letztlich bedient auch er ein Klischee: das des eigenbrötlerischen Intellektuellen.

Manchmal lässt The Bookshop Gefühle erahnen. Etwa dann, wenn sich Florence und Edmund Brundish zärtlich näher kommen. Aber diese Szenen bleiben hohl, da das Drehbuch von Coixet schlicht zu schwach und konstruiert ist. Diese Schwächen kann sie auch mit ihrer Regie nicht verbergen. Im Gegenteil: Die Makel werden noch auffallender. Es ist echt verwunderlich, wie ungelenk Coixet zu Werke geht. Viele Szenen sind holprig und schwammig. Man versteht gar nicht, worauf sie hinaus wollen. Wieder andere Szenen sind mechanisch auf eine bestimmte Information ausgelegt. Ganz zu Beginn, wenn Florence mit einem ruppigen Fischer plaudert, scheint es, als leuchteten auf dem Bildschirm die Lettern: »Achtung, Exposition!« Das ist einfach nur billig. Da hilft auch das grimmige und konsequente Ende nicht. Damit das funktionierte, müsste man sich erst für die Figuren interessieren.

The Bookshop ist ein peinlicher Reinfall: spiessig, banal und nichts sagend. Bücher allein machen eben nicht klug.

3/10

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