Review

iHaveCNit: Hereditary (2018)

So langsam entwickelt sich das Filmstudio A24 zu einem meiner Lieblingsstudios, weil mich ein Großteil des filmischen Portfolios durch die Bank weg überzeugt. Und hier schlägt der neueste Film eine unglaublich starke Furche ins Kerbholz. Vor einiger Zeit wurde der Trailer zu diesem Film vor einer Vorstellung des Kinderfilms „Peter Hase“ in einem australischen Kino gezeigt und hat damit für ein gewisses Medienecho gesorgt. Aber aktuell macht dieser Film bei den Kritikern durch die Bank weg einen meisterhaften Eindruck. Zuschauer sehen das etwas anders, aber sie gehen zumindest rein um den Film zu sehen. Genau wie ich und ich wurde absolut umgehauen.

Die Familie Graham um Annie, Steve und die Kinder Charlie und Peter hat einige Tragödien hinter sich und aktuell ist auch der Verlust um Annies Mutter Elen zu verarbeiten. Doch nach und nach häufen sich unheimliche Ereignisse, die die Familie Graham in die Abgründe des Wahnsinns führt.

Der Regiedebütant Ari Aster hat es geschafft, den besten Horrorfilm der letzten Jahre zu erschaffen. Ich selbst bin zwar weniger der Freund von Superlativen, aber bei diesem Film können sie auch gerne mal verwendet werden. Der Film wird vermutlich daher von den amerikanischen Zuschauer nicht so gut empfunden, weil er sich nicht unbedingt an den Sehgewohnheiten klassisch typischer Horrorfilm-Kinogänger orientiert, mit keinen Jump Scares arbeitet und seine Geschichte unerträglich langsam aber effektiv erzählt. Man spürt in jeder Einstellung, dass sich der Regisseur etwas bei diesem Film gedacht hat. Nichts ist zufällig, alles hat seinen Platz. Der Film schafft es, mehrere Ebenen zu verbinden – Traumsequenzen, Okkultismus, Foreshadowing. Selbst die berufliche Tätigkeit Annies mit dem Bau von Miniaturmodellen wird inszenatorisch sehr kreativ und erzählerisch mit eingebunden. Der Film entwickelt einen ungemeinen Sog, der sich unbequem und unbehaglich bis zum Ende auf die Spitze treibt. Das unter anderem durch die Musik und die Inszenierung, aber auch durch die Darsteller, die alle einen unfassbar tollen Job machen – von Alex Wolff über Gabriel Byrne bishin zu Milly Shapiro und vor allem Toni Collette, deren Tour de Force einen anzieht, schockiert, verstört und abstößt aber immer fasziniert. Die Symbolik, die verschachtelte Erzählweise und sein Detailreichtum machen den Film auch noch unglaublich clever und sorgen bei mir dafür, dass ich den Film später im Heimkino am liebsten mehrfach sehen möchte, um alles zu analysieren, egal wie unangenehm der Trip ist. Der Film referenziert Meisterwerke des Genres und kann auch ohne Probleme in einer Reihe mit diesen Filmen genannt werden. Ich würde mich freuen, wenn man in einigen Jahren an dieses Jahrzehnt und die Horrorfilme zurückdenkt und dabei „Hereditary“ als genau DEN Vertreter dieses Jahrzehnts nennt.

„Hereditary“ - My First Look – 10/10 Punkte.

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