kurz angerissen*
Sleazige Träume, realisiert mit dem bitteren Ernst einer seriösen A-Klasse-Produktion - das ist ein seltenes Vergnügen in einer von Box-Office-Kalkulationen geformten Filmlandschaft. Aber dieser hier meint es tatsächlich ernst mit seinem Trash. Der Suspense wird so konsequent gestreut wie bei einem ambitionierten Kriegsdrama, das eine Lehre aus den Gräueln der Vergangenheit ziehen möchte. Als die Soldaten im Flugzeug stehen, bereit zum Absprung in ein rotes Meer aus Feuerbällen und fliegenden Geschossen, ist die Landung am Strand der Normandie aus Spielbergs "Der Soldat James Ryan" zum Greifen nahe. Und doch könnte es sich bei "Operation: Overlord" genauso gut um eine Verfilmung der primitiven Egoshooter-Reihe "Zombie Army" handeln (die sich wiederum stark von der Wolfenstein-Reihe inspirieren ließ). Dazu fehlen eigentlich nur noch die Zeitlupenaufnahmen der Scharfschützenprojektile, die sich in die Köpfe der Untoten bohren.
Nach der vor allem farblich spektakulären Auftaktsequenz mitsamt Landung in einem lodernden Düsterwald arbeitet Julius Avery nämlich fast wie der Map-Builder eines Videospiels an der Kartographie seiner kleinen Welt, die es zur Aufgabe hat, ein Horror-Szenario aus dem Jahr 1944 zum Leben zu erwecken und mit reichlich Gamer-Strategie auszuschmücken. Dazu gehören Schleichsequenzen, Versteckspiele, Rescue Missions, Fernbeschüsse und Nahkämpfe, garniert mit einem finalen Bossfight in einer Umgebung, die bereits in sich zusammenfällt - so wie es sich eben für ein Computerspiel mit abwechslungsreichem Gameplay gehört. Damit aber auch Filmliebhaber nicht zu kurz kommen, reichen sich die Anknüpfpunkte an Genre-Klassiker gegenseitig die Klinke in die Hand - vom "Ding" über das "Alien" bis zum "Day of the Dead" wird man so manches Déjà-Vu erleben. Den Innovationsfaktor mag das einschränken, den Spielspaß treibt es allerdings in die Höhe.
Um die Plastizität der Figuren ist es bei einem solchen Vorgehen natürlich nicht gut bestellt. Spannung ergibt daher auch kaum aus Sorge um die Gruppe, sondern vielmehr daraus, dass sie sich im Verborgenen durch die Feindesreihen schleichen und jeder Alarm das Ende bedeuten kann. Die Zombie-Elemente bleiben über weite Strecken eher eine Ahnung im Hintergrund, die nicht völlig ausgespielt wird - vielleicht, um das Treiben der Nazis nicht ganz zu entmystifizieren, vielleicht aber auch, um noch etwas Schießpulver für ein potenzielles Sequel übrig zu lassen. Was auch immer der Grund für die Zurückhaltung ist, sie tut dem fertigen Film durchaus gut, weil sie ihn nicht gleich bei erster Gelegenheit aushöhlt. Und man hat ja am Ende auch nicht das Gefühl, um Schauwerte betrogen worden zu sein. Im Gegenteil: "Operation: Overlord" hat Einiges zu bieten.