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Der politisch etwas merkwürdig gesinnte Steven Seagal werkelte nach langer Zeit mal wieder an einem Drehbuch herum und schrieb sich die Hauptrolle natürlich passend auf den fülligen Leib. Demnach gibt er einen Kampfsportmeister und Heilkundler, er führt Familien zusammen und verhindert Selbstmorde. Er könnte auch das Meer teilen, den kompletten IS mit drei Sätzen in friedliebende Buddhisten verwandeln und ein Steak per Handauflegen zum ursprünglich glücklichen Rind auf der Weise zurückverwandeln. Aber dafür hat das Budget nicht gereicht.

Axe (Seagal) war einst Leiter einer Special Force Truppe, doch drei Jahre später hat er sich in ein Dorf irgendwo in Thailand zurückgezogen und behandelt Kranke mit Naturheilpraktiken.
Als im Nachbarort jedoch bereits das achte Mädchen vom hiesigen Gangsterboss verschleppt wird, trommelt er seine alte Truppe wieder zusammen…

Regisseur Mathieu Weschler beugt sich in erster Linie dem Drehbuch vom Produzenten Seagal, das im ersten Drittel die reine Selbstbeweihräucherung veranstaltet. Selbst einem Angreifer begegnet er nach dem einseitigen Zweikampf versöhnlich, - der Geschlagene darf zum Trost als Lehrjunge fungieren und soll als erste Handlung ein Kissen mit Federn füllen, auf einen Berg steigen und das Kissen entleeren, um unten sämtliche Federn wieder aufzusammeln.
Den wäre er ein paar Jahre los.

Obgleich es in der ersten Hälfte ein wenig an Action mangelt, gerät das Treiben zu keiner Zeit langweilig. Im Gegenteil, ein paar emotionale Einschübe überraschen gar und während die exotische Kulisse ein wenig Atmosphäre schürt, offenbart die Geschichte auf ganzer Linie, wie selbstlose Gutmenschen funktionieren. Der Bösewicht, der aus unerfindlichen Gründen kein Sonnenlicht abkann, kommt zwar deutlich zu kurz und auch die übersinnlichen Fähigkeiten der Entführten werden allenfalls am Rande angedeutet, doch mit einigen Sequenzen überrascht Weschler durchaus positiv, etwa beim rückwärts gedrehten Mord mit einigen kontrastreichen Farbspielchen oder bei einer nächtlichen Vision von Axe.

Im finalen Drittel geht es schließlich ein wenig deftiger zur Sache. Die Action, die vom Prinzip her ein wenig an „Expendables“ erinnert, macht durchaus Laune und Seagal musste nicht allzu häufig gedoubelt werden. Zumindest steht er und teilt einige Male ordentlich aus, während seine asiatischen Kollegen mit deutlich mehr Beweglichkeit entsprechend mehr Raum zur Entfaltung erhalten. Hinzu gesellen sich einige blutige Einschüsse, bei denen die CGI nicht immer dolle aussehen, wobei die FSK16 verhältnismäßig gnädig erscheint.

Seagal selbst offenbart deutlich mehr Elan als bei vielen Projekten der vergangenen Jahre und gefällt sich sichtlich in der Rolle des Heilands. Aber auch seine Kollegen performen tauglich, während der Score zuweilen ein wenig drüber ist, speziell bei den emotionalen Momenten.
Zum Abrunden gibt es während des Abspanns noch den Musiker Seagal, der vor Publikum passabel an der Gitarre zupft, während er mit unerwartet dünner Stimme ein paar Zeilen einbringt. Das passt zwar nicht zum Rest des Geschehens, bildet jedoch eine sympathische Einzelszene, von denen es insgesamt einige vorzufinden gibt.
Bei soviel Herzblut wähnt man beinahe so etwas wie einen Abschied, denn auf so einem unterhaltsamen Niveau hat man Seagal länger nicht erlebt.
6,5 von 10

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