Die meisten Topmodels verfügen über ein Minimum an schauspielerischem Talent, was nicht nur auf dem Catwalk, bei Fotoshoots oder Werbedrehs gefragt ist. Andere landen in Musikvideos und beginnen von dort aus eine zweite Karriere, was Emily Ratajkowski durchaus gelungen ist. Mit Rollen wie in vorliegendem Streifen dürfte das zweite Standbein jedoch ein wenig wackelig werden.
Cassie (Emily Ratajkowski) und ihr Freund Bryan (Aaron Paul) wollen ihre angeknackste Beziehung in Italien wieder aufbauen. In einer abgelegenen Villa nahe eines Weinguts trifft Cassie eines Tages auf Federiko (Riccardo Scamarcio), der ihr aufgrund eines verrenkten Knies zur Seite steht, - ganz zum Missfallen von Bryan. Und sein Argwohn gegenüber dem freundlichen Nachbarn soll nicht unbegründet bleiben…
Natürlich kann ein Regisseur auf einen Hingucker setzen, was George Ratliff durchaus in Szene zu setzen weiß. Ratajkowski unter der Dusche, in Unterwäsche oder sich zusätzlich mit Augenbinde auf dem Bett räkelnd, - sieht alles hübsch aus, erzeugt aber keine Spannung.
Zwar stehen Teile der malerischen, sonnendurchfluteten Landschaft im Kontrast zum vermeintlich netten Federiko, doch der Verlauf macht nicht lange ein Geheimnis um dessen finstere Absichten, als der Italiener in einem Kellergewölbe an die Überwachungsmonitore rückt, um dem Treiben des Paares beizuwohnen.
Demgegenüber fallen die Figurenzeichnungen zu eindimensional aus und beschränken sich eigentlich nur auf Reue und Schuldzuweisungen mit Ansätzen von Versöhnung, was Federiko entsprechend nutzt, um die beiden gegeneinander auszuspielen. Ist nur merkwürdig, dass niemand die Kameras und kleinen Geheimgänge entdeckt und nicht hinterfragt, warum man mal eben im Weinkeller eingeschlossen wurde.
Obgleich sich die Situation im letzten Drittel ein wenig zuspitzt, bleiben die Abläufe erahnbar, Wendungen stellen kaum Überraschungen dar und auch die Pointe hat man ähnlich schon einige Male gesehen. Dennoch stimmt das Timing zum Finale, wobei selbiges etwas ausgiebiger hätte ausfallen dürfen.
Die wenigen Gewalteinlagen beschränken sich indes auf Stockhiebe (mit verdecktem Opfer) und einen Messerstich, der so ungelenk inszeniert ist, dass die Tricktechnik beinahe in Zeitlupe auszumachen ist.
Auf darstellerischer Ebene überzeugt Riccardo Scamarcio als Bösewicht durchaus, denn den hilfsbereiten, beinahe schüchtern wirkenden Charmeur nimmt man ihm ebenso ab, wie den unberechenbaren Psychopathen. Aaron Paul hat im Prinzip nur einen Vorwurfsblick drauf und wird nicht sonderlich gefordert. Ratajkowski performt okay und besticht eher durch optische Vorzüge, denn durch nuanciertes Spiel.
Die Dreiecksgeschichte, bei der sich der freundliche Dritte als Psychopath entpuppt, ist zwar ein oller Lodenmantel unter den Psychothrillern, doch immerhin zündet phasenweise die beklemmende Grundstimmung und das allgemeine Setting mit gediegener Urlaubskulisse.
Leider gehen vom Übeltäter nicht allzu garstige Handlungen aus, der Stoff lädt nur partiell zum Mitfiebern ein und entpuppt sich unterm Strich als handwerklich routinierte, erzählerisch jedoch nicht allzu bemühte Angelegenheit. Schwaches Mittelmaß.
4,5 von 10