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Liegt ein Streifen einige Zeit auf Eis, ist das mehrheitlich ein Indiz für eine fragwürdige Produktion. Handelt es sich dabei um ein Remake, dürfte mindestens Argwohn angebracht sein. 1990 drehte Adrian Lyne mit Tim Robbins in der Hauptrolle einen regelrechten Mindfuck, der nicht alle Fragen beantworten wollte, - das gelingt Regisseur David M. Rosenthal mit seinem Neuaufguss immerhin.

Nach einem Einsatz in Afghanistan ist Jacob (Michael Ealy) traumatisiert von den Erlebnissen. Zwar arbeitet er als Chirurg, hat Frau und Kind, doch er nimmt zunehmend fremde Gestalten wahr, denen etwas Dämonisches anhaftet. Als schließlich sein tot geglaubter Bruder Isaac (Jesse Williams) wieder auftaucht, verschlechtert sich Jacobs Gemütszustand…

Vermutlich ist es im Vorfeld besser, das Werk unabhängig vom Original zu betrachten, zumal es sich eigentlich nicht um ein reines Remake, sondern eher um eine Neuinterpretation des Stoffes handelt. Allerdings ist das Publikum auch hier von zahlreichen Fragezeichen umgeben, da die Erzählung zwischen Bewusstseins, Zeit – und Wahrnehmungsebenen wechselt und eine Chronologie nicht sogleich deutlich wird.

Jedoch kommen die paranormal anmutenden Erscheinungen kaum über dämonenhafte Fratzen hinaus, während der Einsatz von CGI zuweilen deutlich hervorsticht. Manche Schauplätze sorgen demgegenüber für eine bedrückende Atmosphäre, wie etwa ein von einer U-Bahn ausgehendes Tunnelsystem oder andere, scheinbar von der Außenwelt isolierte Schauplätze wie ein Krankenhauslabor.

Das Mitfiebern mit dem Titelgebenden hält sich indes in Grenzen, was eventuell auch daran liegen mag, dass Ealy mit nur einem betroffenen Gesichtsausdruck zu Werke geht, während Williams als Phoenix aus der Asche deutlich nuancierter performt.
Obgleich insgesamt kaum Blut fließt und das Timing bei diversen Jump Scares nicht immer fruchtet, befindet sich die Produktion auf technisch passablem Niveau.

Fast könnte man schon ein wenig abwinken, da sich im Mittelteil nicht allzu viel ereignet, spitzt sich die Situation daraufhin Stück für Stück zu und es erfolgt ein Twist, der deutlich vom Original abweicht. Diesem haften zwar kleine Logikfehler und Kontinuitätsmängel an, doch er kommt insgesamt stimmig rüber.
Dadurch gewinnt Rosenthals Variante zwar keinen Innovationspreis, doch losgelöst vom Original ergibt sich ein routiniert abgedrehter Horrorthriller im Durchschnittsbereich.
5,5 von 10

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