??Einer der aktuell vielen, quasi Schlag auf Schlag folgenden Titel aus der "Masterpiece Incoming" Collection vom Adkins, der als nahezu Einziger auf diesem Felde der angepriesenen kampfkräftigen Unterhaltung noch aktiv am Werkeln und die Gunst der Stunde entsprechend auch am Ausnutzen ist. Akute Fleißarbeit quasi, viel für Jesse V. Johnson, der hier ausnahmsweise Pause hat und später bzw. zeitgleich noch für die Regisseurskollegen und Veteranen Kaufman und Barnabash gesetzt, wobei bei all der Quantität zuletzt sicherlich auch seine Abstufungen in der Qualität und Unterschiedlichkeiten in den Werken zu bemerken (und bemängeln) sind, der Gütegrad aber noch vergleichsweise hoch bleibt und angesichts der Lage des Genres sowieso das Sprichwort gilt: Beggars can't be choosers, und in der Not schmeckt jedes Brot.
Incoming selber ist dazwischen ein wenig die Ausnahme, schon wegen dem Setting, das recht an die Scifi Heuler Lockout bzw. dessen 90er Jahre Pendant Sleeping Dogs erinnert und gerade in diesem (heruntergezogenen) Vergleich schon aufzeigt, wie enorm die Gattung B-Action in der Wahl der Mittel eingebüßt hat und wie sehr der Standard geschrumpft ist; aber auch wegen dem No Name Regisseur und der ebensolchen Besetzung, bei der tatsächlich Adkins der Einzige mit Namen überhaupt und nur über diesen allein die Vermarktung tatsächlich möglich ist. Produktionsland Serbien auch noch, was die Alarmglocken sowieso schrillen lässt, und überhaupt ein preiswertes (=billiges Marketing) inkl. einem halbherzigen Trailer und einem gar gräuslichen Poster (jeweils die zweite Variante noch schrecklicher als die erste), was die sowieso schon gesunkenen Erwartungen gleich nochmal eine ganze Stufe tiefer setzt. Das Ergebnis selber ist viel Palaver in der Startphase, und kurz vor Ende wird mit Urinbomben, 'Laserschwertern', und dem guten, alten Fratzengeballer, stilecht zu “Crunchtönen“ auf der Tonspur auch attackiert:
Fünf Jahre nach diversen verheerenden Anschlägen auch auf London, darunter die Zerstörung des Wahrzeichen “Big Ben“, werden ein halbes Dutzend Mitglieder der dafür verantwortlich gemachten terroristischen Vereinigung des “Wolf Pack“ auf der dafür zweckentfremdeten ehemaligen Internationalen Raumstation (ISS) isoliert und unwissend voneinander gefangen gehalten. Und vom einzig dauerhaft anwesenden 'Bewohner' Kingsley [ Lukas Loughran ] jeweils auch mit Foltermethoden befragt, wobei man hauptsächlich den Aufenthaltsort ihres Anführers Alpha wissen will. Als eines Tages der regelmäßig eingeplante Nachschubtransport per Shuttle durch den Piloten Bridges [ Aaron McCusker ] kommt, und den amerikanischen Agenten Reiser [ Scott Adkins ] sowie die Ärztin Stone [ Michelle Lehan ] mit an Bord hat, kippt die Lage. Argun [ Vahidin Prelic ], einem der Gefangenen gelingt der Ausbruch und er befreit seine Mitstreiter gleich mit, drängt die bisherigen Besatzer in den Hinterraum der Station und übernimmt das Kommando.
Der interessanteste Teil von diesem in Belgrad gewerkelten Versatzstück ist dann noch die Prämisse selber, der Aufbau des Ganzen, der bis zum Ausbruch und der Gegenüberstellung in Überzahl von Böse zu 'Gut' auf engsten Raume und im Grunde ohne Fluchtmöglichkeit und dies zeichnend im ersten Drittel der obligatorischen 90min liegt. Das Shuttle schon und auch die Raumstation sind mit wenig Freiraum vertreten und haben die besten Tage längst hinter sich, eine Zweckbaute in zweierlei Hinsicht, für die wenigen Anwesenden nämlich und das für Kulisse und Spezialeffekt zuständige Team ebenso, die aus dem wenigen Vorhandenen und viel Improvisation und Imagination etwas kreieren, was nur für gefällige Gemüter und die Wohlwollenden besonders genügt. Dabei hat das Weltraumgebilde, wohl aus Sperrholz gewerkelt ungefähr den Charme vom vergleichbaren Konstrukt vom Dark Star und ist auch ungefähr auf dem gleichen technischen Stande der Dinge, ein eher schummrig-abgeranzter Bunker, der bis auf die Schaltzentrale und die 'Folterkammer' überall gleich aussieht, nicht geputzt wird, sondern dem Verschleiß überlassen und in dem die langweilige Routine in all der Einsamkeit und Eintönigkeit gefrönt; und wo auch im entscheidenden Moment nichts da ist, wo es eigentlich sein sollte und im Ernstfall mangels regelmäßiger Überprüfung nichts mehr funktioniert.
Bei etwas freier Interpretation ist selbst das angereiste Team aus einem Piloten, einer feschen Ärztin im hautengen Strampelanzug und einem Sicherheitsmann mit der Ergänzung des bereits die letzten fünf Jahre anwesenden Befragers und ihrer Rolle bei dem Auftrag sowie ihrer Haltung zu dem Ganzen, einer Art Guantanamo im Weltraum so üblich nicht. Keiner hat eine richtig weiße Weste, die Meisten sind entweder lange undurchsichtig oder mäandern plötzlich und jeder verfolgt eine spezielle Agenda, die sich ausdiskutieren lässt und wo zuweilen auch mal mit verbalen Argumenten gespielt und geteast wird, was hier und da zu besseren Wortwechseln als erwartet und etwas Gedankenspiel zugleich mehreren Themen, u.a. Isolation, Existenzialismus, Minimalismus, Humanismus oder auch Altruismus, der Behandlung von Terroristen auch als Menschen und nicht bloß als Objekt der Folter, inklusive einem Kommentar zur Genfer Konvention, dem Umgang aber auch mit Whisteblowern, der Ultima ratio des Todes anstelle nur einer Gefangennahme und allgemein einer erweiterten Diplomatie, Politikergeschwurbel zum Flachmann oder eben der Skrupel- und Rücksichtslosigkeit angesichts des Notstandes führt.
Die Konfrontation wird angesichts dessen nicht etwa gesucht, sondern diese bis zur letzten Möglichkeit aufgeschoben und vorher eher sein Heil in der Debattierkunst und einem Angriffsziel Moskau - Planspiel gesucht, wofür der gemeine Zuschauer eher nicht so sein Bedürfnis ausgerichtet hat und gerade bei dem Stempel "Adkins" vorne drauf auch gar nicht erwarten tut; die Mogel- oder die Sparpackung dessen dann also kriegt. Gewütet wird vornehmlich in der letzten halben Stunde, nachdem die verbalen Aufwärmarbeiten vorbei und die Worte gesprochen sind, teils durchaus mit Härten wie Knochenbrüchen, aufgeplatzten Bäuchen und (im Off) eingeschlagenen Köpfen, sowie hier und da etwas erbitterter Faustkampf, was die Anspruchslosen dann wieder etwas versöhnt.