Review

Ob es sich wohl mittlerweile nach drei zuvor ausgestrahlten Spielfilmen um Inspektor Jury herum gesprochen hat, dass die Adaptionen eher speziell und möglicherweise, wenn überhaupt auch eher nur etwas für die Kenner der zugrunde liegenden Romane ist. Oder ob am Tage der Erstausstrahlung der vierten vorliegenden Bearbeitung die Konkurrenz der anderen Sender größer als sonst und übermächtig war: Man weiß es nicht. Tatsache ist, dass Der Tod des Harlekins mit 3,77 Millionen Zuschauern deutlich weniger als die anderen Ausgaben hatte, und hoffentlich ist dies nicht schon das Ende der Reihe, die sowieso eher selten und sporadisch fast erscheint und dessen Auswahl an weiteren Büchern noch zahlreich und bei den früheren Werken auch durchaus ergiebig im Sinne der Qualität und die Entlöhnung der GEZ-Gebühren dafür wenigstens mit ausreichend Gegenwert belastet ist:

Rackmoor, am äußeren Ende Großbritanniens gelegen. Auf dem Weg zur einem Maskenball auf dem Landgut von Titus Crael [ Philip O'Sullivan ] wird eine junge, im Gesicht halbseitig mit weiß und schwarz wie ein Harlekin geschminkte Frau überfallen und getötet. Der von Scotland Yard herbeigerufene Inspektor Richard Jury [ Fritz Karl ] und sein Assistent Sergeant Alfred Wiggins [ Arndt Schwering-Sohnrey ] stoßen schon bei der Identitätsfeststellung der Toten auf Schwierigkeiten, sind doch verschiedene Persönlichkeiten bei verschiedenen Kontaktpersonen angegeben. Jury bekommt dabei privat Unterstützung von seinem Freund Melrose Plant [ Götz Schubert ], einem mit Titus befreundeten Adeligen, der auch seine allzu neugierige Tante Agatha Ardry [ Katharina Thalbach ] wieder mit im Gepäck hat, die auch zu beschäftigen ist.

Überhaupt gilt die Reihe seit Anbeginn zwar eher als ein Scheitern, zumindest im Treffen des Tones, wobei die Texte der Autorin Martha Grimes zwar vom Inhalt her relativ treu vertreten sind, die Wahl der Schauspieler selber als auch ihr Spiel auf den ersten (und den zweiten) Blick oftmals den geschriebenen Sätzen meist widerspricht; und sich die allgemeine Inszenierung dem anpasst oder auch diese Maßgaben vorgibt und in seinem Ausdruck bestenfalls verquer oft ist. Eine deutsch-österreichische Produktion eines in Großbritannien spielenden Sujets, die ehedem von einer Amerikanerin verfasst wurde und nunmehr in Irland gedreht worden ist. Vielleicht ist dieser Ausgangspunkt der 'Multikulturalität' schon die Crux, an der die sauber gefilmten, aber eben auch eher steril nach dem Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen aussehenden Geschichten von Anfang an schon scheitern, und was der Stammautor und Mit-Produzent Günter Knarr mit seinen eigenen wenigen originalen Ideen (und Abweichungen) noch zusätzlich am Forcieren ist. 

Genau wie auch das 1982 erstveröffentlichte, 1987 in Deutschland unter dem Titel “Inspektor Jury spielt Domino“ herausgegebene Buch eröffnet man hier mit dem Mord in düsterer Nacht, an einem Ort weitab von sowieso schon kleinen und wenig nach Zivilisation aussehenden Küstenstädtchen; ein abruptes Übertöten, dass als erste Szene nach einem davor verbal im wütenden Alkoholrausch ausgestoßenen “Sünde!“, “Schuld!“, “Erlösung!“ die auf ein harmloses Krimirätsel zu Scones & Tee hoffende Zuschauerklientel daheim im Ohrensessel wohl eher er- und verschreckt. Erst beim Einspielen der bekannten Titelmelodie ist es wieder freundlich, erst bei Eintreffen von Inspektor Jury und seinem Sergeant und gar noch der beruhigenden Voice over Stimme ist der Tag angebrochen und strahlt die Gegend zwar weiterhin frostig, aber zumindest mit etwas Blau und Grün und auch humoristischen Spitzen, darunter mindestens zwei Running gags belegt.

Eine gute Wahl des Drehortes, die die Beschreibung im Buch wiedergibt, und eine mittlerweile aufeinander abgestimmte feste Besetzung von gleich vier Hauptpersonen, die entweder beruflich oder aus stets privater Neugier am Ermitteln sind, trägt die Handlung mit seiner Besichtigung am Tatort und anschließenden Abklappern aller mehr oder minder Verdächtigen problemlos schon über die erste Klippe hinweg. Die einzige Hürde ist im Grunde die auch den Texten innewohnende Einführung von diversen speziellen Kinderfiguren, die hier ein allein lebender Minderjähriger ausfüllt, der seinen Vater von vornherein nicht kennt und dessen Mutter ebenso abgehauen ist; für die Geschehnisse ohne Belang, und bloß mit Wissen um die Vorgeschichte vom Inspektor (Aufwachsen im Waisenhaus) von etwaiger dramaturgischer Funktionalität. Auch dessen Marotte, hier mit den Toten zu reden und im Zwiegespräch mit ihm eigentlich unbekannten, da erst nach dem Ableben 'getroffenen' Personen zu stehen, dürfte für ordentlich Spott bei den Kritikern sorgen; und dies nicht ganz zu Unrecht.

Dennoch oder möglicherweise auch trotzdem kommen Liebhaber der gerade hierzulande populären Bücher, die eher die ruhige und die ältere Generation ansprechen, auch bei den Verfilmungen und dem Erwecken der Figuren und Handlungen, und dem Bebildern der sonst stummen Phantasie durchaus auch hier zu ihrem Vergnügen, ist dies nun mal auch die einzige Möglichkeit, die Gedanken visualisiert zu sehen und zu vergleichen; ob nun mit den Originalen selber oder den (zumeist) britischen und ähnlich angelegten Produkten der Konkurrenz. Ein Kommen und ein Gehen also, von mal Positiven und mal eher nicht.

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