Staffel 1
Als die VHS noch bauchfrei trug
Während viele Produktion spätestens seit "Stranger Things" den neonfarbenen 80ern huldigen, geht die kleine Netflix-Entdeckung "Everything Sucks!" ein Jahrzehnt weiter und setzt Kindern der 90er (wie mir) einen kurzweiligen Brocken vor, den man ganz schnell lieben lernt. Doch dabei drängt sich die Nostalgie trotz dutzender genialer Details und Throwbacks (Trolls, langsames Internet, Videotheken, Nasenstecker, Lutschringe u.v.m.) nie zu sehr auf, die Figuren und die Gefühle und die Beziehungen stehen im Vordergrund. Und sie funktionieren fast alle. Von einer gnadenlos guten, frischen und unkitschigen Darstellung der Entdeckung der eigenen (Homo-)Sexualität oder des eigenen Charakters bis hin zu den ganz alltäglichen, kleinen-großen Problemen des Erwachsenwerdens wie Pickel, mangelndes Selbstbewusstsein oder schreckliche Mode - "Everything Sucks!" macht vieles, aber sich nicht sucken. Wir folgen ein paar jungen Teenagern im Kaff "Boring" durch ihren Alltag, ihre ersten Liebeleien und Herausforderungen des Lebens...
POSITIVES
+ tolle Jungdarsteller
+ mehr als genialer Soundtrack, ein toller Mix von Oasis bis Ace of Base
+ jede Menge zu entdecken aus meinem Kinder- und Jugendjahrzent
+ macht süchtig; lässt sich perfekt bingen
+ besondere Gimmicks für Filmfans
+ das Spice Girls-Jahrzent fühlt sich noch erstaunlich frisch und unbenutzt an
+ das Feeling dieses trashig-herzlichen Jahrzehnts wird fantastisch eingefangen
+ einige emotionale Hammer
+ extrem lobenswerte LGBT-Darstellung
+ dutzende 90s-Easter Eggs
+ schrullige Nebenfiguren
+ das helle Gegenstück zu "Super Dark Times"
+ positive Grundstimmung
+ herzliches Bekenntnis zum Individualismus
NEGATIVES
- sehr kurz, nur der Beginn einer größeren Geschichte
- wird nicht von Netflix fortgeführt (wofür die Serie allerdings kaum etwas kann)
- Gewichtverteilung etwas ungleichmäßig; nicht alle Figuren wirklich vieldimensional
- minimal vorhersehbar
- eigentlich kaum etwas Neues
- ein paar Fremdschämmomente
- schwache deutsche Synchro
Fazit: eine kleine, emotionale Offenbarung für Kinder der 90er - selten hat Netflix mehr daneben gelegen, als diesen süßen Schatz einzustellen. (8,5/10)