Ein Ferienhaus in einsamer Lage am Wald und der jährliche Besuch dort zum Erholen nach halbtägiger Autofahrt dorthin - so stellt es sich auch eine vierköpfige Familie aus Virginia vor, bei denen Mama Laura (Yvonne Strahovski) mit den beiden etwa 6- und 8-jährigen Töchtern Kayla und Maddie (Anna und Abigail Pniowsky) erst einmal alleine vorausfährt, weil Papa Shawn noch einen länger dauernden Geschäftstermin in der Stadt hat. Dort angekommen, genießen die drei Damen erstmal die friedliche Umgebung, doch als der Kleinsten, Maddie, abends schlecht wird und sie sich übergeben muß scheint die Idylle vorerst getrübt. Es stellt sich heraus, daß die Kinder am Nachmittag mitten im menschenleeren Wald eine Art Kaffeetisch mit frischen Törtchen vorgefunden hatten und die Jüngere davon genascht hatte - das Törtchen war offensichtlich präpariert, möglicherweise sogar vergiftet. Mama Laura ist besorgt, doch noch mehr beunruhigen sie merkwürdige Geräusche von draußen: Es scheint jemand um das Haus zu schleichen... Als sie mit den Kindern zum Wagen geht, ist nicht nur ihr dort abgelegtes Handy verschwunden, sondern jemand hat auch die Felgenschrauben entfernt, sodaß die Fahrt nach wenigen Metern am Baum endet. Panisch laufen die drei zurück ins Haus und schließen sich ein. Doch das ist natürlich kein wirklicher Schutz vor dem unbekannten Psychopathen draußen...
Mit seiner gut gewählten Location, dem Zurückdrehen der Farbwerte und dem Fokus auf merkwürdige Geräusche gelingt es Regisseur Quinn Lasher mit seinem Erstlingswerk He's Out There recht schnell, eine bedrohliche Atmosphäre heraufzubeschwören. Zwar ist die Geschichte einer Home Invasion in einem Waldhaus nicht wirklich etwas Neues, wie man an thematisch ähnlich angesiedelten Filmen wie Hush (2016), The Strangers (2008) und anderen sieht, dennoch hat der undurchsichtig dunkle Wald, das Fehlen von Unterstützung von außen (nebst dem Versagen oder Abhandenkommen von Telefonen oder Handies) und das daraus resultierende auf sich allein gestellt sein immer seinen speziellen Reiz.
Mit Hauptdarstellerin Yvonne Strahovski, einer resoluten, schlanken Blondine, ist zudem eine starke Persönlichkeit vorhanden, die sich nicht so leicht etwas vormachen läßt und wie eine Löwin um und für ihre Kinder kämpft - wie aber auch sie langsam die Fassung verliert, weil der Unbekannte jeden ihrer Schritte vorauszuahnen scheint und jeden Fluchtplan vereitelt, ist dramaturgisch gut gelöst und wird durch das furchtsame Jammern und Weinen der Kinder noch verstärkt.
Der Psychopath draußen, den man erst nach einer Weile schemenhaft, dann aber komplett zu sehen bekommt, ist dagegen eher wenig innovativ in schmutzige Kleidung, dicke Schuhe und eine Jason-Voorhees-artige Maske gehüllt. Er scheint allein und bedient sich einer langstieligen Axt, die er kompromisslos einsetzt. Über seine Motive gibt es praktisch keinerlei Hinweise, und das ist dann auch der Knackpunkt des Films: Der Maskierte erreicht zwar all seine Ziele, doch es fehlt fast jeglicher Background zu seinem Filmcharakter: Warum tut er, was er tut? Daß er ein in dieser Gegend aufgewachsener, später einfach davongelaufener, nicht sonderlich intelligenter Bursche ist, wie ein Nachbar zu Beginn des Films beiläufig erwähnt, ist evident - der im Wald drapierte Kaffeetisch, die roten Bindfäden über die Bäume, mit denen er seine Zielpersonen herbeilockt, die lebensgroßen Holzpuppen, die Zeichnungen etc. lassen auf eine gestörte und gerade dadurch hinterfragenswerte Persönlichkeit schließen, doch all diese nicht alltäglichen Attribute bleiben vollkommen unreflektiert. Stattdessen gibt es am Ende einen - nach dem Vorhergegangenen - doch recht vorhersehbaren Showdown, der ein wenig befriedigendes Gefühl hinterläßt.
Kameratechnisch tadellos eingefangen ist He's Out There ein durchaus spannender Hinterwäldler-Horror, dem jedoch neben mangelnder Charakterzeichnung des Killers auch eine gute Schluß-Pointe fehlt. 6 Punkte.