Wie schnellebig das Bankengeschäft ist, muß die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) auf die harte Tour erfahren: nachdem sie monatelang als Assistentin von Luc Jacoby (Marc Limpach), dem Sohn des Vorstandsvorsitzenden der Luxemburger Crédit International Financial Group, mehr oder weniger dessen Job erledigt hat, schmeißt dieser sie eines Tages ganz unvermutet raus.
Doch während die Mittzwanzigerin noch unter Tränen bei der Investmentchefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) gegen ihre Kündigung zu intervenieren versucht, hat diese ganz andere Pläne: ein kurzes Telefonat genügt, und schon hat sie Jana per Blitztransfer zur konkurrierenden Deutschen Global Invest nach Frankfurt vermittelt. Noch ehe sie es recht glauben kann, führt Jana bereits am nächsten Tag ein kurzes Einstellungsgespräch mit dem dortigen Chef, dem charismatischen Gabriel Fenger (Barry Atsma). Letzterer ist sehr angetan von seinem Neuzugang, die sogleich in ein kleines Team integriert auch sofort loslegen darf und muß - schließlich sind diverse Erwartungen an Jana Liekam geknüpft.
Erwartungen anderer Art hegt auch die umtriebige Christelle Leblanc, die für ihre Vermittlungsdienste nichts anderes fordert, als daß Jana ihr (kompromittierende) Insiderinfos über den neuen Arbeitgeber zukommen läßt - und tatsächlich gelingt es dem Neuling, etwas zu erschnüffeln: ein desaströses Finanzprodukt der DGI wurde über einige Strohmänner an eine heimliche Tochtergesellschaft der Bank verkauft. Doch die Weitergabe dieser Info beendet noch lange nicht das Abhängigkeitsverhältnis Janas von Leblanc...
Inzwischen wurde der tüchtigen jungen Frau auch das milliardenschwere Projekt Leipzig 2025 übertragen, das sie in Rekordzeit abzuschließen gedenkt. Doch irgendwann wird der alltägliche Druck zuviel - Jana verliert im Lauf der Zeit ihren Lebensgefährten und kann sich auch nicht immer auf ihre engsten Mitarbeiter, die Vietnamesin Thao Hoang (Mai Duong Kieu) und Adam Pohl (Albrecht Schuch) verlassen, deren private Eskapaden sie zusätzlich ausgleichen muß...
Ein äußerst positive Ausnahme unter deutschen TV-Serien stellt die bislang zwei-staffelige Banken-Serie Bad Banks dar, bei der es um Entwicklung und Aufstieg einer talentierten jungen Investmentbankerin geht, die tagtäglich mit millionenschweren internationalen Deals beschäftigt ist und langsam an ihrer Aufgabe wächst, dieser jedoch auch einen hohen persönlichen Tribut zollen muß.
Aus dem bis in die Nebenrollen harvorragend besetzten Ensemble ragen neben der Hauptdarstellerin vor allem der Niederländer Barry Atsma (als smarter Dompteur im Löwenkäfig) sowie seine sich zunächst bedeckt haltende Widersacherin Leblanc (eine hervorragend vernetzte Führungspersönlichkeit aus der 2. Reihe, die Ambitionen auf den Chefsessel hegt) hervor, doch auch Janas Assistent Adam (der einen ihn stark beschäftigenden Sorgerechtsstreit an der Backe hat) und Thao (deren Vater ihr ständig wegen eines Kredits für seinen Fastfood-Stand in den Ohren liegt) sind - neben einigen weiteren - ansprechend geschriebene Filmcharaktäre, deren zeitweiliges Ausbrechen aus dem Alltagsstress der Serie viel Authentizität verleihen.
Gleichwohl auch einige Klischees vorgeführt werden - wie jenes von arroganten Bankern, deren Entscheidungen und Verhaltensweisen manchmal von winzigen Kleinigkeiten abhängen, die man zwar verstehen, wenngleich nicht nachvollziehen kann oder auch das erwartete Bild einer eiskalten Geschäftswelt, in der jeder jeden betrügt und in der ausschließlich in Luxusschlitten gefahren und fehlende menschliche Wärme mit Alkohol, Koks und Prostituierten zu kompensieren versucht wird - gelingt der Einstieg in die sich nicht sonderlicher Beliebtheit beim Publikum erfreuende Welt der Hochfinanz einigermaßen mühelos, und das, obwohl Bad Banks nahezu komplett auf die Darstellung technischer Abläufe (beispielsweise des Tradens) verzichtet: ein dem Drehbuch, das sich ganz auf die charakterliche Darstellung seiner Protagonisten verläßt, sowie der Regie von Christian Schwochow zu verdankender Umstand.
Fazit: eine für ein Binge-Watching geeignete Serie, deren 6 Folgen zu je etwa 50 Minuten dank rasanter Handlung nicht nur auf hohem Niveau zu unterhalten wissen, sondern auch verhältnismäßig schnell vergehen: 8,49 Punkte.