Ein gutes halbes Jahr nach dem publikumswirksamen Auffliegen der Insidergeschäfte (siehe Staffel 1) haben sich die Wogen geglättet: wie so oft ist der Staat eingesprungen, und die meisten Proponenten machen so weiter wie bisher. Ein neuer Name, ein neuer Geschäftszweig - business as usual. Nur Gabriel Fenger (Barry Atsma), der smarte Geschäftsführer der „Deutschen Global Invest“, ist nicht mehr mit dabei - er sitzt einstweilen im Knast, wo er unter den Mithäftlingen seine Thesen verbreitet.
Jana Liekam (Paula Beer) und ihr Team, immer noch aus Thao Hoang (Mai Duong Kieu) und Adam Pohl (Albrecht Schuch) bestehend, sind in der Zwischenzeit nach Berlin gewechselt, wo sie im neu errichteten "Inkubator" (einem vor allem für Start-ups konzipierten Rechenzentrum) Finanzprodukte verkaufen. Weil es gerade trendy ist, gilt dabei ein besonderes Augenmerk den den Boulevard beherrschenden Ökothemen, und so dauert es nicht lange, bis ein kleines Unternehmen mit dem Namen "Green Wallet" gefunden ist, das Jana im Auftrag ihrer Bank übernehmen soll. Die aus einer Privatwohnung operierenden, hauptsächlich aus Idealisten bestehenden wenigen Mitarbeiter leisten nicht lange Widerstand und lassen sich alsbald kaufen, zumal der Eigentümer Ben Kaufmann (Noah Saavedra) von Jana fasziniert ist und mit dieser eine Beziehung beginnt.
Aber Jana hat auch eigene Pläne: sie sammelt Informationen und wartet einen bestimmten Zeitpunkt ab, zu welchem sie mit gezielten Indiskretionen die sie nach wie vor erpressende Finanzchefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) ein für alle Mal loswerden will. Doch bevor es soweit ist, taucht mit dem gerade entlassenen Gabriel Fenger ein weiterer Gegenspieler auf, der in kürzester Zeit ein Konkurrenzprojekt zu "Green Wallet" auf die Beine stellt, um am lukrativen Öko-Hype mitzunaschen...
2 Jahre nach der ersten erschien im Frühjahr 2020 die 2. Staffel von Bad Banks, welche die überaus erfolgreiche Geschichte der jungen Investmentbankerin Jana Liekam fortsetzt - die tritt inzwischen ein wenig abgebrühter auf, bewahrt sich neben in Sekundenbruchteilen zu treffenden, millionenschweren und bisweilen harten Entscheidungen aber immer noch kurze sentimentale Momente, womit sie weiterhin die Rolle der Sympathierträgerin innehat. Der Schwerpunkt der 2. Staffel liegt natürlich weiterhin auf dem Traden, wobei hier neue, ausgeklügeltere Finanzdienstleistungen, welche nicht mehr von Menschen, sondern von Algorithmen-basierten Systemen ausgeführt werden, zum Tragen kommen. Dazwischen wuselt ein Großteil der Darsteller aus der 1. Staffel herum, durch die nervenaufreibende Arbeit einerseits und der Angst vor der Aufdeckung unerlaubter Machenschaften andererseits stets am Rande des nervlichen und physischen Zusammenbruchs.
Während Jana Liekam auch weiterhin diese 2. Staffel trägt, treten die Filmcharaktäre von Gabriel Fenger und Thao Hoang etwas zurück - dafür rückt neben der neuen Figur eines ehrgeizigen Politikers auch Finanzvorstand Quirin Sydow (Tobias Moretti) etwas mehr in den Vordergrund: der Oldtimer-Liebhaber hatte es - im Gegensatz zu Fenger - nämlich geschafft, vor Gericht eine weiße Weste zu bewahren. Nun jedoch ist ihm der Leiter der Finanzaufsicht auf der Spur. Sydow schätzt den ebenso stillen wie gründlichen Beamten mit dem lahmen Arm genau richtig ein und schickt diesem eine attraktive Nutte, die er zuvor ein paar Monate für sich selbst gemietet hatte. Der Plan geht auf - zumindest eine zeitlang.
Derweil plagen Jana und ihr Team andere Sorgen, denn ein in die Karibik abgetauchter früherer Mitspieler soll von der dortigen Polizei vernommen werden, offenbar im Zuge eines Rechtshilfersuchens aus Deutschland. So wird ein anderer abgetauchter ehemaliger Trader telefonisch beauftragt, den Mann kurzfristig für ein Verhör "unpässlich" zu machen. Der über mehrere Stationen laufende Auftrag entwickelt sich allerdings zum Fiasko, als der Kronzeuge in spe dann niedergefahren wird und als Komapatient um sein Leben kämpft - was Jana, als sie davon erfährt, tatsächlich Gewissensbisse beschert.
Auch diese 2. Staffel ist also voll von auf die Spitze getriebenen Begebenheiten im moralfreien Haifischbecken der Hochfinanz, und die wiederum 6 Episoden zu je 50 Minuten laden erneut zum Binge-watchen ein und vergehen ohne Spannungsabfall fast genauso schnell wie jene der 1. Staffel. Und da die Geschichten um Jana & Co. bei weitem nicht auserzählt sind, würde sich eine weitere Staffel (bislang leider nicht in Sicht) durchaus anbieten - sei´s drum, auch der 2. Durchgang von Bad Banks hat sich 8 Punkte redlich verdient.