Review

Eine Familie - ein Land - ein Epos 

Deutschland, Deutschland, in den letzten 100 Jahren erlebtest du viel,
an dir floss mehr vorbei wie Wasser am Nil.

Dieses Familienepos packt deine Probleme bei den Wurzeln,
manch ein Zartbesaiteter älterer Herr könnte aus dem Kino purzeln.

Düstere Themen, dein Bild ist nicht gerade hell und voll Freude,
lange gab es nicht mehr solch einen Brocken, der wenig Risikos scheute.

Von der Last der Heimat und des Erbes,
es gibt etwas Zartes und ganz viel Herbes.

Mit Gefühl und Operngesang geht es an die ganz großen Probleme,
manch eines davon dieses Land nun fast ein Jahrhundert unangenehm lähme.

Vom Tod, dem Nazigrauen bis zur Sprachlosigkeit des eigenen Blut,
vor dieser Direktheit und Enge muss man ziehen den Hut.

Man erträgt und gewöhnt sich sogar an den bayerischen Dialekt,
hier schmeckt schal und abgestanden sogar der edelste Sekt.

Mit einem guten Gefühl verlässt man das Kino hier nicht,
dafür mit furchtlos erweiterter Sicht.

Für die tollen Seiten unseres Landes hat der Film nur wenig Zeit,
vielmehr gibt er dem Zorn und der Verzweiflung störrig Geleit.

Von surrealen Parties bis ganz großen Gesten,
ein wichtiges Werk, von Köln bis nach Dresden.

Die Darsteller gehen von frischen Gesichtern bis zur namhaften Elite,
Kritik ich am Ensemble fast gänzlich verbiete.

Ein massives Buch konzentriert auf handliches Kinoformat,
Kenner erblicken sicher so manch ein Zitat.

Zwei Herren im Anzug und genug warmes Bier,
viel mehr braucht es manchmal nicht, den Beweis sieht man hier.

Fazit: ein zukünftiger Klassiker des deutschen Kinos. Gewaltig wie intim, episch wie menschlich, mächtig wie berührend. Ein bewegendes Epos über unser bewegtes Land, wie man es bisher seltenst gesehen hat. Dunkel, traurig, heftig. Zuweilen sogar surreal. Aber immer gnadenlos ehrlich. Mir minimal zu pessimistisch. Aber vielleicht erkenne ich beim zweiten Durchlauf mehr positive Aspekte unseres Jahrhunderts.

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